Nach rassistischem MissbrauchClaudia Roth gegen Verbot von „L'amour toujours“

Kulturstaatsministerin Claudia Roth hält wenig von einem Verbot des wegen rassistischen Missbrauchs in Verruf geratenen Partyhits „L'amour toujours“ von Gigi D'Agostino. (Bild: 2020 Getty Images/Andreas Rentz)

Kulturstaatsministerin Claudia Roth hält wenig von einem Verbot des wegen rassistischen Missbrauchs in Verruf geratenen Partyhits „L'amour toujours“ von Gigi D'Agostino. (Bild: 2020 Getty Images/Andreas Rentz)

Weil die Melodie von Rassisten zum Grölen ausländerfeindlicher Slogans missbraucht wird, soll „L' amour toujours“ auf zahlreichen Volksfesten nicht gespielt werden. Nun hat sich Kulturstaatsministerin Claudia Roth gegen ein Verbot des missbrauchten Hits von Gigi D'Agostino ausgesprochen.

Sein Song ist derzeit in aller Munde, dabei hätte Gigi D'Agostino auf diese Art von Aufmerksamkeit sicher verzichten können: Seitdem sein 2001 erschienener Partyhit „L'amour toujours“ auf der Ferieninsel Sylt für das Grölen ausländerfeindlicher Parolen missbraucht wurde, wird darüber diskutiert, wie man mit einer solchen Vereinnahmung umgehen solle. Viele Veranstalter von Volksfesten wollen „L'amour toujours“ deswegen überhaupt nicht mehr spielen.

Der italienische DJ Gigi D'Agostino stellt klar: „In meinem Lied geht es um die Liebe.“ (Bild: IMAGO / Avalon.red)

Der italienische DJ Gigi D'Agostino stellt klar: „In meinem Lied geht es um die Liebe.“ (Bild: IMAGO / Avalon.red)

Kulturstaatsministerin Claudia Roth sieht diese Vorgehensweise jedoch kritisch, schließlich könne Gigi D'Agostino nichts dafür, „wie dieser Song in unserem Land von Menschen mit rechtsextremen und antidemokratischen Einstellungen in übelster Form missbraucht und entstellt wird“, sagte die Grünen-Politikerin gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Gigi D'Agostino: „In meinem Lied geht es um die Liebe.“

„Viel wichtiger, als jetzt Liedverbote auszusprechen, wäre es, dass die verantwortlichen Betreiber für Schulungen und Sensibilisierungen bei ihrem Personal sorgen, professionelle Awareness-Teams einsetzen und insgesamt klarmachen, dass es eine Null-Toleranz-Politik gegenüber jeglichen rassistischen, menschenfeindlichen und NS-verherrlichenden Äußerungen geben muss“, führte die 69-Jährige weiter aus. Statt gegen den Song solle also gegen ausländerfeindliche Vorfälle vorgegangen und diesen vorgebeugt werden.

Gigi D'Agostino zeigte sich irritiert über die rechte Aneignung seines Hits. „In meinem Lied geht es um ein wunderbares, großes und intensives Gefühl, das die Menschen verbindet. Es ist die Liebe“, teilte er dem „Spiegel“ auf Nachfrage mit. „Das ist die einzige Bedeutung, die mein Lied hat.“ Von der Aufregung in Deutschland hatte der Italiener zuerst gar nichts mitbekommen: Er meide die sozialen Medien, um „meinen Geist zu schützen“. (tsch)