Markus Lanz fassungslos Karl Lauterbach: Hätten uns Monate Lockdown ersparen können

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Karl Lauterbach (SPD) erklärt bei „Markus Lanz” am Dienstagabend (01. Juni), dass mit früheren Testungen auch ein früheres Ende des Lockdowns möglich gewesen wäre. Er spricht von Monaten.

Köln – Binnen weniger Wochen sind Tausende Anlaufstellen entstanden, bei denen man Corona-Schnelltests machen kann. Und offenbar hat das jede Menge schwarze Schafe hervorgebracht: Es besteht der Verdacht auf Abrechnungsbetrug bei vielen dieser Teststellen. „Gravierend“, nennt auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach diesen Betrug bei „Markus Lanz“ am Dienstag (1. Juni). Trotzdem seien die Tests wichtig gewesen und hätten uns sogar Monate des Lockdowns ersparen können.

  • Karl Lauterbach ist am Dienstag (1. Juni) zu Gast bei „Markus Lanz“ (ZDF)
  • Karl Lauterbach erklärt, früheres Ende des Lockdowns sei mit früheren Testungen möglich gewesen
  • Markus Lanz wirkt sprachlos

Die Lage in Deutschland entspannt sich. „Was exponentiell wächst, das sinkt auch wieder exponentiell ab“, erklärt Lauterbach. Der R-Wert liege ein ganzes Stück unter 1, „damit gehen die Fälle stetig runter“. Die Geschwindigkeit werde zwar abnehmen, aber der Trend nach unten stehe fest. Dazu komme das gute Wetter, Impfungen, die noch verbliebenen Corona-Maßnahmen, die zusätzlich wirkten.

Auch das Testen habe zur aktuellen Entwicklung beigetragen, so der Gesundheitsexperte. „Das Testen hat in den letzten Wochen eine unterschätzte Bedeutung gehabt“, so Lauterbach. „Die Corona-Schnelltests sind nicht dazu geeignet, jeden Infizierten zu entdecken. Aber das Gold der Schnelltests liegt darin, dass die Superspreader damit sehr zuverlässig entdeckt werden.“ Mit den vielen Tests habe Deutschland systematisch über Wochen hinweg diese Superspreader herausfiltern können. „Das ist ein massiv unterschätzter Grund dafür, dass die Fälle so heruntergehen.“

Markus Lanz: Karl Lauterbach erklärt Test-Problem in Deutschland

Das zeige außerdem, „wie gut wir beraten wären, sehr viel früher diesen Weg einzuschlagen.“ Wie es etwa die Schweiz tue. Warum waren wir also so spät dran, will Lanz wissen. „Es hat lange Zeit geheißen, es gibt zu wenig Tests. Das aber war nicht wirklich überzeugend.“

Es handle sich hierbei um eine selbsterfüllende Prophezeiung, erklärt Karl Lauterbach weiter. „Wenn ich nicht im großen Stil nachfrage, dann wird auch nicht viel produziert.“ Wenn der Staat aber Tests im ganz großen Stile anbieten würde, „dann würde jede Firma, die Schnelltests herstellen kann, ins Volumen gehen.“

Markus Lanz ist empört nach Ausführungen von Karl Lauterbach

Lanz wirkt sprachlos und empört. „Das Trio der Scheinheiligkeiten haben wir abgeräumt: Das hatten wir bei den Masken, beim Impfstoff und bei den Testungen auch.“

Lauterbach antwortet, er wolle keinen einzelnen Politiker kritisieren. Großflächige Schnelltests in Schulen, Betrieben und in Testzentren – „das hätten wir alles viel früher machen müssen“, so Lauterbach weiter. Zwar hätten sich Betriebe beispielsweise noch gewehrt, bis heute, aber der Nutzen der Tests sei unzweifelhaft hoch.

„Mit früheren Tests wären auch die Fallzahlen viel früher gesunken“, führt Lauterbach weiter aus. Lanz wirkt noch immer fassungslos. „Was heißt viel früher? Wochen früher?“ Lauterbach erklärt: „Wenn man sich darum gekümmert hätte, das Antigen-Tests in größerem Umfang verfügbar gewesen wären, hätte man wahrscheinlich Monate gespart.“ Lanz ist sprachlos. „Monate?“ Der will es jetzt genau wissen: „Sie provozieren die Nachfrage: Wer ist dafür verantwortlich?“

Karl Lauterbach bei Markus Lanz: „Hätten uns Monate Lockdown ersparen können”

Lauterbach wolle „keine Verantwortlichkeiten identifizieren“, Namen nennt er nicht. „Aber ist das Aufgabe der EU, des Kanzleramts, des Gesundheitsministeriums?“, hakt Lanz weiter nach. Die wesentlichen Entscheidungen hätten die Politiker auf den Ministerkonferenzen getroffen, so der Experte weiter. „Aber es ist auf jeden Fall so: Hätten wir früher die Testungen eingeführt, wäre es klar besser gewesen.“ (mg)

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