Kurz vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft sorgt ein filmischer Appetizer für die nötige Vorfreude: Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“ erzählt die unglaubliche Geschichte der Weltmeister von 1954.
Heute im Free-TVDieser wunderbare Film erzählt vom ersten Sommermärchen der Deutschen

Copyright: kabel eins / Senator Film
Niemand hat damit gerechnet, aber unter Sepp Herbergers (Peter Franke, Mitte) führender Hand gewann die deutsche Fußballnationalmannschaft tatsächlich die WM 1954 in Bern. (Bild: kabel eins / Senator Film)

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Fußball ist Matthias Lubanskis (Louis Klamroth, links) große Leidenschaft - der schüchterne Junge traut sich auf dem Spielfeld jedoch nichts zu. (Bild: kabel eins / Senator Film)
Wie gut, dass er geschossen hat. Nicht nur der Radioreporter wollte es so - die ganze Nation dürstete danach. Helmut Rahn „bombte“ nach eigenen Worten mit dem linken Fuß aus 16 Metern Entfernung ein und machte Deutschland 1954 zum Fußball-Weltmeister. Danach ging es aufwärts, das Wirtschaftswunder begann, und nicht wenige behaupten, Rahns Siegtor habe dazu beigetragen. „Das Wunder von Bern“, jener Sieg über einen übermächtig scheinenden Gegner, gehört zu den Gründungsmythen der Bundesrepublik.

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Richard (Peter Lohmeyer, rechts) hat eine große Überraschung für seinen Sohn Matthias (Louis Klamroth): Sie fahren zusammen in die Schweiz zum Finale der WM. (Bild: kabel eins / Senator Film)
Sönke Wortmanns Fußball-Film (2003) darf deshalb nicht fehlen, wenn nun die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada vor der Tür steht. Die Wiederholung bei Kabel Eins (Dienstag, 9. Juni, 20.15 Uhr) ist eine prächtige Einstimmung auf das Turnier: Als Favorit gilt das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann zwar nicht - allerdings auch nicht als krasser Außenseiter wie die Spieler unter Sepp Herberger vor über 70 Jahren.
Kein reiner Fußball-Film

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Matthias' Vater Richard Lubanski (Peter Lohmeyer) war in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und kehrt nach elf Jahren zurück in seine Heimat. (Bild: kabel eins / Senator Film)

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Matthias' (Louis Klamroth, Mitte) großes Hobby ist Fußball. Der junge Essener Fußballer Helmut Rahn (Sascha Göpel, rechts) ist sein großes Vorbild. Zur WM bringt der Dreikäsehoch samt Papa (Peter Lohmeyer, links) seinem Held auf seine Weise Glück. (Bild: kabel eins / Senator Film)
Sönke Wortmann tat gut daran, keinen reinen Fußballfilm zu drehen, sodass sich auch Nicht-Fans „Das Wunder von Bern“ gut ansehen können. In einer Art Rahmenhandlung geht es um den Bergarbeiter Richard Lubanski (Peter Lohmeyer). Der findet sich nach seiner Heimkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft nur schwer zurecht. Seine Frau (Johanna Gastdorf) verdient mit ihrer eigenen Kneipe in Essen den Lebensunterhalt, seine drei Kinder sind ihm fremd geworden und kommen mit seinen herrischen Erziehungsmethoden (“Ein deutscher Junge weint nicht“) nur schwer zurecht. Besonders sein Jüngster, Matthias (Lohmeyers eigener Sohn und heutiger „hart aber fair“-Moderator Louis Klamroth), gerät oft mit ihm aneinander. Er ist leidenschaftlicher Fußballfan, trägt seinem Freund, dem Essener Stürmer Helmut Rahn (Sascha Göpel), schon mal die Tasche zum Training und drückt ihm für die WM 1954 in der Schweiz beide Daumen.
Fortan wechselt der Film zwischen Ruhrgebiet und Schweiz hin und her, erzählt die langsame Annäherung von Vater und Sohn mit gleicher Akribie wie die Konflikte, Schwierigkeiten und Erfolge der deutschen Mannschaft. Den wahren Höhepunkt stellt aber das Finale in Bern am 4. Juli 1954 dar. Vor digitalisierten Zuschauern und Tribünen (das echte Wankdorfstadion wurde kurz vor Drehbeginn abgerissen) liefern sich 22 Schauspieler ein hinreißendes Match, das Wortmann technisch einwandfrei umsetzte und mit dem nötigen Pathos versah. (tsch)
