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„Hart aber fair” Corona-Impfstoff fast da – doch Lauterbach sieht gewaltiges Problem

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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist am Montag (9. November) zu Gast bei „Hart aber fair”, um über den Corona-Impfstoff zu sprechen.

Berlin – Droht uns ein kalter Corona-Winter ohne Hoffnung auf Familienfeste und Zusammensein? Am Montag, 9. November, meldete sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit verheißungsvollen Nachrichten: Ein erster Impfstoff ist fast fertig.

Grund genug für Frank Plasberg, das Thema der aktuellen Sendung „Hart aber fair” zu ändern. Es lautete: „Durchbruch beim Impfstoff – Hoffnungsschimmer statt Horror-Winter?"

„Hart aber fair": Gäste am 9. November – Lauterbach und Steffen Henssler dabei

Was kann die neue Impfung, wie wirkt sie? Und kann sie Corona endgültig besiegen? Darüber diskutierten diese Studio-Gäste bei Plasberg: 

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  • Karl Lauterbach
  • Steffen Henssler
  • Peter Tschentscher
  • Prof. Dr. Isabella Eckerle
  • Wolfgang Kubicki
  • Kristina Dunz

Auf diese Nachricht hat die Welt gewartet: Das Mainzer Unternehmen Biontech und der Pharmakonzern Pfizer haben eine entscheidende Etappe hin zu einem wirkungsvollen Corona-Impfstoff geschafft. Einem Impfstoff mit mehr als 90-prozentigem Schutz vor Covid-19.

„Hart aber fair": Zulassung des Corona-Impfstoffs schon kommende Woche?

Die Unternehmen wollen möglicherweise bereits in der kommenden Woche eine Zulassung in den USA beantragen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will nach eigenen Worten erreichen, dass Deutschland mit als erstes beliefert wird, wenn ein deutsches Unternehmen einen Impfstoff entwickelt.

Können wir bald wieder ein Leben führen wie vor Corona? Und wie gut wird der Impfstoff wirken? „Trump ist abgewählt, der Corona-Impfstoff gefunden – man könnte meinen, Gott hat wieder Spaß an der Arbeit“, erklärte Plasberg zu Beginn launig.

Karl Lauterbach bei „Hart aber fair" zum Impfstoff: „Ganz klarer Durchbruch”

Anschließend erklärt der sonst so skeptische SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach optimistisch: „Das ist ein ganz klarer Durchbruch!”

Biontech sei immer sehr transparent mit den Daten und Studien umgegangen, „die Wahrscheinlichkeit, dass der Impfstoff nicht gut wirkt, ist gering”, so Lauterbach. „Das ist ein Game Changer.” Auch weil es so aussehe, als könne der Impfstoff schnell in großer Menge produziert werden. Lauterbach: „Die Wahrscheinlichkeit. dass wir Corona damit besiegen, ist sehr groß.”

Karl Lauterbach bei „Hart aber fair”: Schwere Erkrankungen weiter möglich

Doch wie soll es anders sein – auch hier gibt es ein „aber”: Lauterbach erläutert, dass der Impfstoff zwar einen 90-prozentigen Schutz biete. „Das heißt: Statt 100 Menschen werden jetzt 10 krank. Doch ob die 90 geimpften Personen noch ansteckend sind, das ist noch unklar”, so Lauterbach. „Die 90 Menschen, die frei von Krankheit sind, davon können 30 immer noch infiziert sein und andere infizieren”, so der Virologe.

Die zehn Personen, die statistisch weiterhin erkranken, „können auch immer noch sehr schwer erkranken.” Wie der Impfstoff da im Einzelnen wirke, das werden die Daten in nächster Zukunft zeigen. Man müsse hoffen, dass auch diese sehr schwere Verläufe verhindert werden können.

Lauterbach bei „Hart aber fair": „Wissen nicht, ob der Impfstoff vor einer Ansteckung schützt”

„Der Ehrlichkeit halber muss gesagt werden: Wir wissen nicht, ob der Impfstoff vor einer Ansteckung schützt und auch davor, andere anzustecken”, so Lauterbach. „Das ist eine ganz wichtige Frage, die wir im Moment nicht beantworten können: Stecken geimpfte Personen andere Personen an?”, eine Antwort darauf müssten nun weitere Studien geben.

Aber wie sicher kann man sich über die Wirkung sein, dauert doch die Zulassung eines Impfstoffs im Normalfall mehrere Jahre? Kann man sich da sicher sein? Die Virologin Eckerle beschwichtigt: „Nein, da man muss nicht misstrauisch sein.” Sie erklärt, dass die Zulassung des Corona-Impfstoffs über ein verkürztes Verfahren laufe. Da sei „kein Abstrich bei der Sicherheit” zu befürchten.

„Hart aber fair": Werden noch eine Weile mit Corona-Maßnahmen in Deutschland leben

Das heißt: Der Impfstoff ist ein gutes Zeichen. Aber selbst, wenn er bald zugelassen wird, müssen wir wohl noch eine Weile mit den Corona-Maßnahmen leben, also Masken tragen, Abstand halten, Lüften etc.

Dennoch: „Nach acht Monaten haben wir mit dem Impfstoff endlich wieder ein Hoffnungsschimmer auf das normale Leben”, so bringt es FDP-Politiker Wolfgang Kubicki auf den Punkt. Und auch Virologin Eckerle erklärt, dass der Impfstoff helfen werde, „aber er wird nicht von heute auf morgen alles verändern.”

„Die nächsten Monate werden noch mal sehr hart”, so Lauterbach. „Weil wir keinen Impfstoff haben. Und auch das nächste Jahr werden wir mit Einschränkungen leben müssen.”

Ist der Impfstoff da, sollen Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen und Beschäftigte in zentralen Bereichen zuerst geimpft werden. Und der Ottonormalverbraucher? Lauterbach rechnet damit, dass sich Bundesbürger in große, Rahmen in der zweiten Hälfte 2021 impfen lassen können.

Karl Lauterbach bei „Hart aber fair”: „So kommen wir aus dem Lockdown nicht mehr raus”

Die Lage derzeit (9. November 2020): 3007 Patienten liegen auf deutschen Intensivstationen, so viele wie nie. Zudem fehlen tausende Fachkräfte, um etwa Beatmungsgeräte zu bedienen. Der angekündigte Impfstoff ist zwar ein wichtiges Werkzeug, um die Pandemie zu bekämpfen.

Doch neben diesem Hoffnungsschimmer sieht Lauterbach in der aktuellen Corona-Bekämpfung ein großes Problem: „Die Nachverfolgung von Einzelkontakten fällt den Gesundheitsämtern sehr schwer. Das kann so nicht mehr klappen.”

Karl Lauterbach: Gesundheitsämter müssen Strategie verändern

Er meint: „Wenn die Gesundheitsämter jetzt nicht ihre Strategie verändern, kommen wir aus dem Shutdown nicht mehr aus. Und wir können uns schon mal auf den nächsten vorbereiten.”

Lauterbach hatte schon in der Vergangenheit wiederholt für einen Strategiewechsel geworben, ebenso wie der Virologe Christian Drosten. Beide erklärten, dass die Cluster-Strategie in Japan erfolgreich zum Einsatz komme. „Wir sollten uns jetzt sehr stark auf die Cluster konzentrieren und die Einzelfallverfolgung aufgeben”, meint Lauterbach. „Mit der jetzigen Strategie hangeln wir uns von Lockdown zu Lockdown.” (mg)

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