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Liebe in Coronazeiten Bewegende Geschichte: Rentner rührt „Hart aber fair”-Zuschauer

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Rentner Alex Kienscherf (r.) bei „Hart aber fair” am Montagabend (12. Oktober 2020) im Gespräch mit Frank Plasberg (l.).

Köln – „Herzliche Grüße aus dem Risikogebiet in Köln”, begrüßt Frank Plasberg seine Zuschauer am Montagabend (12. Oktober 2020) bei „Hart aber fair”. Anstatt über die steigenden Corona-Zahlen zu sprechen, hat sich Plasberg für seine Talk-Show aber ein anderes Thema ausgesucht: Pflege in Coronazeiten.

Ein Drittel aller inzwischen in Deutschland an Corona verstorbenen Menschen starb in Seniorenheimen, wie aktuelle Zahlen beweisen. Wie ist es möglich, diese durch das Virus besonders gefährdeten Menschen zu schützen, ohne sie gleichzeitig vollkommen zu isolieren und von ihren Bezugspersonen trennen zu müssen?

„Hart aber fair”: Emotionales Gespräch mit Rentner 

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Um dieser Frage nachzugehen, hat Plasberg einen besonderen Gast per Video-Schalte zugeschaltet: Alex Kienscherf, 80 Jahre alt, wohnhaft in Hamburg. Der Rentner lebt seit März im Seniorenheim bei seiner demenzkranken Frau Ursula. Seit 55 Jahren sind die beiden verheiratet. Seit mehr als vier Jahren pflegt Kienscherf seine Frau. Außer ihrem Mann erkennt sie niemanden mehr – noch nicht einmal ihren eigenen Sohn. 

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Alex Kienscherf und seine Frau Ursula im Pflegeheim. 

Als im März dieses Jahres im Zuge des Corona-Lockdowns ein Besuchsverbot für Angehörige der Bewohner von Seniorenheimen verhängt wurde, brach für Kienscherf eine Welt zusammen. Die Aussicht, seine Frau nicht mehr täglich sehen zu können, bereitete ihm schlaflose Nächte.

„Das Schlimmste ist die Ungewissheit: Wie geht es weiter? Wie ist es morgen, wie ist es übermorgen? Wird sie mich dann noch erkennen?”, so der 80-Jährige im Gespräch mit Plasberg.

„Hart aber fair”: Rentner pflegt eigene Ehefrau 

Schließlich machte man Kienscherf ein rettendes Angebot: Ende März durfte er zu seiner Frau ins Seniorenheim einziehen, um weiterhin bei ihr sein zu können. Die Kehrseite: Der 80-Jährige musste sich, um seiner Liebsten nah zu sein, selbst in die Isolation begeben und durfte und wie seine Frau das Heim nicht mehr verlassen.

„Ich bin sehr glücklich”, reflektiert der Rentner seine Entscheidung im Gespräch mit Frank Plasberg. „Ich habe meine Frau hier.”

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„Hart aber fair”: Die Gesprächsrunde am Montagabend (12. Oktober 2020). 

Bereits nach fünf Tagen der Trennung im März habe Kienscherf Veränderungen bei seiner Gattin festgestellt: Als er sie wiedergesehen habe, sei sie unruhig gewesen und habe gezittert. Auch die Therapien seien erst einmal weggefallen. Ihre Hände seien ständig verkrampft gewesen. In dieser Zeit kommunizierte Kienscherf viel über WhatsApp mit einer Pflegerin, die ihm erklärte, wie er Finger und Hände seiner Frau entkrampfen konnte. Er schnitt ihr die Fingernägel, massierte sie. 

„Hart aber fair”: Liebe in Corona-Zeiten 

„Wenn ich sie massiere und ein ganz leichtes Lächeln um ihren Mund erscheint, dann merke ich: Sie ist da, sie ist bei mir”, sagt Kienscherf in der TV-Show. „Sie kann nicht mehr sprechen, aber auf diese Weise unterhalten wir uns ein bisschen.”

Die Entscheidung, zu ihr ins Heim zu gehen, habe der 80-Jährige als Herzenswunsch empfunden und nicht als moralische Pflicht. „Ich habe gesehen: Sie braucht meine Hilfe. Sie braucht es, zu erkennen, dass überhaupt jemand für sie da ist.” Dass seine Frau ihn noch erkenne, liege einzig daran, dass er sie die vergangenen vier Jahre täglich gepflegt habe, da ist sich Kienscherf sicher.

Für den 80-Jährigen steht fest: Solange seine Frau noch lebt, wird er erst einmal im Heim bleiben. Dann wird er zurückziehen in die ehemalige Wohnung des Paars, denn die liegt nur 300 Meter vom Seniorenheim entfernt.

„Hart aber fair”: Pfleger können Angehörige nicht ersetzen 

Für die Gesprächsrunde in der WDR-Show lässt sich aus dem emotionalen Gespräch mit Alex Kienscherf schließen: Pfleger können Angehörige nicht ersetzen. „Man hat als Angehöriger noch mal einen ganz anderen Bezug und auch die körperliche Nähe”, betont etwa Gast Nina Böhmer (28), die selbst als Pflegerin arbeitet.

Auch Prof. Dr. Uwe Janssens, Chefarzt und Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, bezeichnet die Pflege durch Angehörige als „das Allerwichtigste” und den Besuch von Angehörigen im Pflegeheim als unverzichtbar. Janssens: „Es ist eine zutiefst menschliche Aufgabe, dass wir das sicherstellen.” (ta)

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