Komiker Florian Schroeder „Die Grünen stehen vor Spaltung – wie Aldi“

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Florian Schroeder sagt, dass es nicht am Publikum liegt, ob ein Auftritt gut wird. Er sieht sich da ganz allein selbst in der Verantwortung.

Köln – Immer ordentliche Frisur, ein gut sitzender Anzug, Schlips, vertrauenserweckendes Lächeln. Doch der erste Eindruck täuscht. So nett, wie er auf der Bühne immer aussieht, ist Florian Schroeder (39) nicht immer.

Der Mann aus Baden ist Deutschlands talentiertester (manche sagen auch: bester) junger Kabarettist. Er hat zwei eigene TV-Shows, reist unentwegt durch Deutschland. Vor 20 Jahren fing alles an – im Interview blickt er zurück.

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Florian Schroeder im Gespräch mit Reporter Horst Stellmacher.

Sie standen vor 20 Jahren in Lörrach (Baden-Württemberg) erstmals auf der Bühne. Was war Ihre erste Erfolgsnummer?

Florian Schroeder: Die der „Sexpertin“ Erika Berger, bei der ich Helmut Kohl anrufen ließ, der ein politisches Problem hatte, das aber klang wie ein sexuelles. Klassische Comedy-Methode. Damit begann die Zeit, in der ich Möbelhäuser eröffnete, tagelang im Regen moderierte, immer drauflos redete. Ich habe mir damit mein Studium verdient.

Komiker und Kabarettist sind Berufe, die einem nicht in die Wiege gelegt werden. Wie ist es bei Ihnen dazu gekommen?
Entscheidend war, dass ich ein Außenseiter in der Schule war. Ich hatte mehr Pickel als Lamy-Patronen, war etwas dicker, hatte relativ wenig Körperbewusstsein. Für mich war es schwer, zwischen Spiel und Ernst zu unterscheiden, zwischen Raufen und Prügelei. Da bietet man als Jugendlicher alles an, was von anderen Jungen ausgenutzt wird. Ich habe sehr gelitten, mich aber gerettet, indem ich unsere Lehrer parodierte.

Wer war Ihr Lieblingsopfer?
Mein Sportlehrer, der immer durchdrehte, weil ich die Rolle Vorwärts auf der Matte nicht schaffte. Ich habe eine Show aus meiner Unzulänglichkeit gemacht. Damit habe ich den Mechanismus von Komik für mich entdeckt – aus eigenen Schwächen Stärken machen und das so übertreiben, dass sie besonders lustig werden. Der Erfolg brachte mich auf die Idee, unbedingt zum Fernsehen zu gehen.

Was Ihnen mit 14 zum ersten Mal gelang – Sie landeten gleich bei Harald Schmidts „Schmidteinander“ in Köln. Wie haben Sie das hinbekommen?
Ganz einfach. Kassette aufgenommen. Briefumschlag. Deutsche Post. Losgeschickt. Ich durfte 30 Sekunden lang Kohl, Blüm und Lindenberg parodieren. Das war privat für mich sehr wichtig – das war der Moment, in dem sich in der Schule das Blatt wendete. Ich war plötzlich angesagt und galt als irgendwie cool.

Wie ist es heute, wenn Sie auftreten müssen, Ihnen aber gerade Schlimmes widerfahren ist?
Die Bühnensituation absorbiert mich. Das ist dann eine Form von Rausch, da ist alles andere komplett weg. Das hat bei mir schon in ganz schlimmen Situationen geklappt. So musste ich in Bonn auftreten, als ich vom Tod meines Vaters erfuhr. Ich hatte zwar Jahre lang keinen Kontakt mehr zu ihm, wir hatten uns sehr voneinander entfernt, aber es war eine krasse Situation. Es hat mich tagsüber sehr beschäftigt, abends auf der Bühne waren magische Kräfte am Werk, die alles in den Hintergrund schoben.

Lassen Sie uns einen satirischen Blick auf Deutschland werfen: Frau Nahles ist von der Bildfläche verschwunden, Frau Merkel ist bald weg. Beide waren ein gefundenes Fressen für Kabarettisten. Werden Sie sie vermissen?
Nein, überhaupt nicht. Die neue SPD-Troika ist doch grandios – mit Thorsten Schäfer-Gümbel, der an Halloween als Untoter der SPD geht und sich nicht verkleiden muss. Bei Kramp-Karrenbauers Fettnäpfchen-Präzision fühlt man sich fast an die goldenen Zeiten der Stoibers und Oettingers erinnert.

Die GroKo wackelt, die Volksparteien verschwinden von der Bildfläche, die Grünen sind kaum zu bremsen – international ist die Hölle los. Gute Zeiten für Kabarettisten?
Ich denke, ja. Es hat noch bis vor kurzem gereicht, dass man über die saarländische Herkunft von Frau Kramp-Karrenbauer sprach, schon haben die Leute gelacht.

Und heute?
Geht es um grundsätzlichere Themen – um Klima oder die Macht der neuen Autokraten. Wir denken wieder in Kategorien von Freund und Feind, Gut und Böse, Schwarz und Weiß. Im Netz weiß man in Sekundenschnelle, wen man heute hängen oder heiligsprechen darf. In einer Zeit, die so sehr mit Emotionen aufgeladen ist, muss man als Komiker mit unterhaltenden Mitteln manchmal zur ordnenden, entspannenden Instanz werden.

Robert Habeck von den Grünen gibt sich ganz anders als die meisten Politiker. Wenn alle so wären wie er – wären Sie als Kabarettist arbeitslos?
Im Gegenteil. Habeck ist die interessanteste Erscheinung der letzten Jahre. Er befriedigt die Sehnsucht nach einem anderen Ton, einem anderen Gestus, er wirkt unverdächtiger, weil er kein Berufspolitiker ist, der sich nach oben genetzwerkt hat. Und die Grünen sind weiter eine zutiefst widersprüchliche Partei, in der auf der einen Seite die Nord-Grünen mit Habeck und Annalena Baerbock sind und auf der anderen Seite die Süd-Grünen mit Boris Palmer und Winfried Kretschmann. Sie stehen also vor einer Spaltung wie Aldi.

Italien, Ukraine, Guatemala – es scheint in Mode zu sein, dass Komiker in der Politik erfolgreich sind. Wäre das was für Sie?
Nein, ich bin auf der unseriösen Seite der Macht, fühle mich da sehr gut aufgehoben. Da will ich nicht weg!

Florian Schroeder: Ab Herbst 2019 auf großer Tour im Rheinland

Florian Schroeder (geboren am 12. September 1979 in Lörrach) wurde 1993 bei einem Auftritt bei „Schmidteinander“ bekannt. Nach dem Abitur war er Mitglied der Kabarett-Gruppe „Heinz!“ (mit einem Heinz-Erhardt-Programm). Es folgte ein Philosophie- und Germanistik-Studium in Freiburg.

2004: 1. Soloprogramm „Ochsentour“. Aktuelles Programm: „Ausnahmezustand“ (25. Oktober 2019 in Köln, 20. November in Bonn, 15. Dezember in Düsseldorf). Ist gelegentlich mit Peer Steinbrück auf Kabarett-Tournee. Er hat die beiden TV-Sendungen „SWR-Spätschicht“ und „Die Florian Schroeder Satire Show“, unter anderem im ARD-Sender ONE. Er lebt in Berlin. 

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