„Einstellung muss sich verändern“ZDF-Reporter Frederik Fleig zeigt, wie nachhaltig Europa wirklich ist

Die Chemikerin Ana Tavares zeigt Frederik Fleig im Labor nachhaltige Farbstoffe. Ihr Ziel ist es, die Textilindustrie zu revolutionieren. (Bild: ZDF / Mathilda Kühne)

Die Chemikerin Ana Tavares zeigt Frederik Fleig im Labor nachhaltige Farbstoffe. Ihr Ziel ist es, die Textilindustrie zu revolutionieren. (Bild: ZDF / Mathilda Kühne)

Umweltschutz und Klimaziele sind allgegenwärtige Themen: Wie können wir nachhaltiger leben, innovative Wege in Industrie und Wirtschaft gehen? Der Journalist und Aktivist Frederik Fleig zeigt in einer neuen „plan b“-Reportage, wie nachhaltig Europa wirklich ist.

Ana Tavares, die Gründerin von Valerius in Porto, arbeitet an neuen Recycling-Verfahren, um die Zukunft der Modeindustrie positiv zu beeinflussen. (Bild: ZDF / Mathilda Kühne)

Ana Tavares, die Gründerin von Valerius in Porto, arbeitet an neuen Recycling-Verfahren, um die Zukunft der Modeindustrie positiv zu beeinflussen. (Bild: ZDF / Mathilda Kühne)

Mitte Mai billigte der Bundesrat ein neues Klimaschutzgesetz. Das Motto: „sozial gerecht, ökonomisch vertretbar, langfristig wirksam“. Das Ziel: Bis 2045 soll Deutschland treibhausgasneutral werden. Laut Bundesregierung soll der Klimaschutz dafür „vorausschauender und effektiver sein, denn eine zukunftsgewandte, mehrjährige und sektorübergreifende Gesamtrechnung ist ausschlaggebend für weitere Klimaschutzmaßnahmen“. Was das in der praktischen Umsetzung heißen könnte, zeigt nun das ZDF in zwei neuen Ausgaben der Reportage-Reihe „plan b“, die ganz im Zeichen der bevorstehenden Europawahlen Anfang Juni stehen.

Nein, das kommt nicht auf den Müll! Frederik Fleig zeigt in der neuen „plan b“-Reportage, was man aus einem Berg von Altkleidern bei Valerius in Porto alles zaubern kann. (Bild: ZDF / Mathilda Kühne)

Nein, das kommt nicht auf den Müll! Frederik Fleig zeigt in der neuen „plan b“-Reportage, was man aus einem Berg von Altkleidern bei Valerius in Porto alles zaubern kann. (Bild: ZDF / Mathilda Kühne)

„Den Blick auf Missstände richten und dafür sorgen, dass Menschen gehört werden, die nur eine leise oder keine Stimme haben“ - darum geht es Frederik Fleig auch in der zweiteiligen Reportage mit dem durchaus optmistischen Titel „plan b: Da geht was, Europa!“. Der Journalist und Aktivist wolle seine Stimme und seine Reichweite für die „richtigen Themen“ nutzen, wie er im Interview betont. Er beschäftigt sich in den Beiträgen vor allem mit der „Ausbeutung von Menschen, Tieren oder der Umwelt“ - und stellt in diesem Zusammenhang lösungsorientierte Innovationen und Projekte vor.

Wie aktiv ist Europa in Sachen Innovation und Nachhaltig wirklich?

Visionär Fourat Troudi (links) erklärt Journalist Frederik Fleig, wie sie in der Küche der „Association Fruits & Légume Solidarité“ in Marseille haltbare Speisen aus gespendeten Lebensmitteln zubereiten. (Bild: ZDF / Antoine Wendels)

Visionär Fourat Troudi (links) erklärt Journalist Frederik Fleig, wie sie in der Küche der „Association Fruits & Légume Solidarité“ in Marseille haltbare Speisen aus gespendeten Lebensmitteln zubereiten. (Bild: ZDF / Antoine Wendels)

Konkret stellt Fleig sich zwei große Fragen: „Wer bringt unsere Gesellschaft voran?“ (Samstag, 25. Mai, 17.35 Uhr, Regie: Alexander Tieg, Alina Schulz) und „Wer macht unser Leben nachhaltig?“ (Samstag, 1. Juni, 17.35 Uhr, Regie: Johanne Bischoff). Die Suche nach Antworten führt den Moderator durch die Welt europäischer Visionäre, deren Ideen das Ziel haben, das menschliche Leben nachhaltiger zu gestalten. Die Themen reichen von Lebensmitteln, die recycelt werden, über neue Ansätze in der Textilbranche, bis hin zu innovativen Konzepten in der Baukultur. Auch die Nutzung sauberer Energie und zukunftsorientierte Verkehrslösungen werden angerissen. Fleig präsentiert intelligente Strategien, die zeigen, wie aktiv Europa in Sachen Innovation zumindest an einigen Stellen bereits ist.

Der Jouranlist Frederik Fleig will auf die Missstände in vielen Branchen und Ländern aufmerksam machen. (Bild: ZDF/AnnikaFußwinkel)

Der Jouranlist Frederik Fleig will auf die Missstände in vielen Branchen und Ländern aufmerksam machen. (Bild: ZDF/AnnikaFußwinkel)

In der ersten Folge reist Fleig unter anderem nach Frankreich und Portugal. Dort lässt er sich zeigen, wie Ressourcen sinnvoll zu nutzen sind, und packt auch selbst mit an. „Wir müssen dahinkommen, dass das, was bereits da ist, nachhaltiger genutzt wird“, lautet Fleigs Appell an die Gesellschaft.

Bürgermeisterin Maria Kama-Aliferi macht es sich zur Aufgabe, Tilos in die Energieneutralität zu führen. Das Ziel: autark durch Windkraft. (Bild: ZDF/Marcel Sakrowski)

Bürgermeisterin Maria Kama-Aliferi macht es sich zur Aufgabe, Tilos in die Energieneutralität zu führen. Das Ziel: autark durch Windkraft. (Bild: ZDF/Marcel Sakrowski)

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Der Krieg gegen Lebensmittelverschwendung

Frederik Fleig macht sich die Hände schmutzig: Beim Recyclen von Abfällen auf der griechischen Insel Tilos lernt er einiges über Nachhaltigkeit in der Modebranche. (Bild: ZDF/Marcel Sakrowski)

Frederik Fleig macht sich die Hände schmutzig: Beim Recyclen von Abfällen auf der griechischen Insel Tilos lernt er einiges über Nachhaltigkeit in der Modebranche. (Bild: ZDF/Marcel Sakrowski)

In Marseille tut sich in dieser Hinsicht einiges. Gérard Gros und Fourat Troudi haben der Lebensmittelverschwendung den Krieg erklärt. Sie leiten die „Association Fruits et Légumes Solidarité“, eine Non-Profit-Organisation, die gespendetes Obst und Gemüse, das sonst verderben würde, direkt am Großmarkt verarbeitet. Diese Lebensmittel werden zu Saucen, Säften, Suppen und Marmeladen umgewandelt und an Bedürftige verteilt. Dadurch retten sie jedes Jahr tonnenweise Lebensmittel und unterstützen Menschen, die auf Nahrungsmittelspenden angewiesen sind.

Stefan Kirch (links) zeigt Frederik Fleig einen Prototyp eines Schnellzugs, der Teil ihres Magnetschwebebahntechnik-Konzepts ist. (Bild: ZDF/Marcel Sakrowski)

Stefan Kirch (links) zeigt Frederik Fleig einen Prototyp eines Schnellzugs, der Teil ihres Magnetschwebebahntechnik-Konzepts ist. (Bild: ZDF/Marcel Sakrowski)

Ana Silva Tavares, eine Chemieingenieurin aus Portugal, adaptiert diesen Ansatz in einer anderen Branche. Sie arbeitet für das Textilunternehmen „Valérius“. Die Wissenschaftlerin schrieb es sich auf die Fahnen, einen Gegenentwurf zur sogenannten Fast Fashion zu kreieren, wie sie im Film betont. Neue Recycling-Verfahren, alternative Rohstoffe und chemiefreie Färbemittel sollen es möglich machen. Fleig stellt in der Reportage gemeinsam mit den Visionären die Chancen vor, eine der umweltschädlichsten Branchen weltweit zu revolutionieren. Ein Teil der Verantwortung liegt allerdings auch beim Endverbraucher, wie aus dem Beitrag hervorgeht. „Bei uns allen muss sich das Kaufverhalten und die Einstellung verändern“, fordert Fleig. Es könne nicht sein, dass Klamotten für viele Menschen drei- bis fünfmal tragbare Wegwerfprodukte sind.

Diese „kleinen Dinge“ integriert Frederik Fleig in einen nachhaltigen Alltag

Fleig fasst sich in Sachen Nachhaltigkeit auch an die eigene Nase: „Müll trennt man irgendwann wie von selbst, seltener Fleisch auf dem Teller schmeckt auch, und in Sachen Konsum - zum Beispiel Klamotten - halte ich öfter mal inne, wenn mal wieder etwas mit einem Klick im Einkaufskorb gelandet ist.“ Diese „kleinen Dinge“ hätten nahezu keinen Einfluss auf seine Lebensqualität. Weil er als Reporter berufsbedingt viel auf Reisen sei, versucht Fleig - sofern möglich - auf Zugreisen auszuweichen. Oftmals ein frustrierendes Unterfangen, wie er einräumt. Im Gespräch rechnet er ein Beispiel durch: „In drei Wochen muss ich von Freiburg nach Hamburg. Ein Flug kostet 40 Euro, der Nachtzug 230 Euro.“ Das versteht auch der Moderator nicht. „Ich finde, der Versuch, sich nachhaltiger zu verhalten, muss doch gefördert werden - statt gleich mehrfach wehzutun“.

Im Rahmen der „plan b“-Prodution und nach all seinen Reisen versuche sich Fleig jedesmal aufs Neue bewusst zu machen, in was für ein priviligiertes Leben er in Deutschland hineingeboren wurde. „Mir schenkt das immer wieder Demut“, sagt er. Er berichte zwar über die Welt der von Ausbeutung und Missständen Betroffenen, versuche, ihnen eine Stimme zu geben, „doch am Ende frage ich mich auch, ob es nicht mehr sein müsste, das ich tue: mehr Hilfe, mehr Unterstützung, mehr Lebensgerechtigkeit.“ - Gedanken, die nicht nur Fleig beschäftigen sollten. Die Reportage informiert, klärt auf und regt zum Nachdenken an. In Folge zwei besucht Fleig eine nahezu abfallfreie Insel in Griechenland, unterstützt umweltfreundliche Bauweisen in Dänemark und erkundet den CO2-sparenden „Zug der Zukunft“ in Polen. Beide Filme sind bereits in der Mediathek abrufbar.

Frederik Fleig begann seine Karriere 2017 beim Radiosender 1Live. Seit 2020 arbeitet er als Host und Reporter für den öffentlich-rechtlichen YouTube-Kanal Y-Kollektiv, wo er unter anderem die viel beachtete Reportage „Pädokrimineller Sextourismus in Kambodscha - 'Sie denken, sie können unsere Kinder für Sex kaufen“ verantwortete. Der Beitrag ist ebenfalls in der Mediathek zu finden. (tsch)