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Ein Mann, drei Frauen, vier KinderPolyamore Eltern stellen sich in kritischer TV-Doku – „machen alles zusammen”

Clara (links), Imogen und Jada leben in einer polyamoren Beziehung. (Bild: SWR)

Clara (links), Imogen und Jada leben in einer polyamoren Beziehung. (Bild: SWR)

Jadu liebt Imogen. Aber auch Clara und Tina – und die sich untereinander. Eine SWR-Doku versucht, sich einem polyamoren Lebenskonzept anzunähern. Dabei bleiben leider viele Fragen offen.

Als Imogen (37), Jadu (34) und Clara (29) aufzählen, in wie vielen TV-Formaten sie bereits zu sehen waren, reicht eine Hand nicht mehr aus. Vox habe sie vor die Kamera geholt, ebenso wurden sie für „Terra X“ und „Galileo“ porträtiert. Nun kommt der SWR hinzu. Verwunderlich ist das nicht. Schließlich leben die drei in einer polyamoren Beziehung, ein Reizthema.

Streng genommen sind sie sogar zu viert, doch Tina will sich nicht vor Kamera zeigen. Sie brauche „Zeit für sich“, erklärt Imogen in der ARD-Doku „Polyamorie – hält das?“ (ab sofort in der ARD Mediathek abrufbar).

„Sehr herausfordernd“: „Lebensprojekt“ verbindet Arbeit und Privatleben

Ob Tina bei einer weiteren möglichen Dokumentation noch an Bord sein wird, weiß Imogen nicht: „Wenn sie lieber für sich sein möchte, muss man das auch akzeptieren.“ Doch eine Trennung wäre „ein Bruch“, sorgt sich Jadu, einziger Mann im polyamoren Beziehungsgeflecht, das die halbstündige Dokumentation von Regisseur Ferdinand Stöckel nur teilweise entwirren kann. „Ich finde es wichtig zu zeigen, dass es andere Beziehungsmodelle gibt“, leitet die 29-jährige Clara anfangs des Films ein.

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Doch ein wirklicher Einblick in den Alltag und in die Beziehungsgeflechte der sich Liebenden untereinander fehlt. Ja, man sieht permanent die vier kleinen Kinder der Lebensgemeinschaft herumflitzen, von all denen Jadu der Vater ist, es aber drei unterschiedliche Mütter gibt.

Doch über etwaige Eifersüchteleien zwischen den Frauen, Zoff in Erziehungsfragen oder Hierarchiestreitigkeiten im Liebesdickicht erfährt man nichts. „Es ist total schön, aber nichts, was die Beziehung definiert“, gibt sich Imogen auch hinsichtlich ihrer amourösen Verquickungen untereinander zugeknöpft. Jadu fügt hinzu: „Ich habe gemerkt, dass der sexuelle Impuls komplett gelöst wurde.“

Statt Schlüsselllochvoyeurismus liefert der Film einen eher oberflächlichen, weil konfliktarmen Eindruck der polyamoren Beziehung des Quartetts. „Wir machen alles zusammen. Wir arbeiten zusammen, leben zusammen, ziehen unsere Kinder zusammen groß“, erklärt Imogen zum gemeinsamen „Lebensprojekt“ (Clara): einem Kulturzentrum mit angegliederten Gastronomien. Mehr als Jadus Einschätzung, das alles sei „sehr herausfordernd“, können die Filmemacher aber nicht aus ihren Protagonisten herauskitzeln.

„Ich will einfach Freiheit für meine Kinder“

Schade ist auch, dass Imogen, Jadu und Clara nur ausweichend auf kritische Kommentare reagieren, die sie während der Dokumentation verlesen. Der Kritik eines Kommentators, der negative Folgen der polyamoren Beziehung für die Kinder befürchtet, entgegnet Jadu nur: „Ich will einfach Freiheit für meine Kinder.“

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Immerhin zieht Imogen eine eindeutiger zu verstehende Parallele zur Institution der Ehe: „Ich finde witzig, dass Leute, nur weil man einen Vertrag unterschreibt und sagt, wir heiraten und sind bis zum Ende unseres Lebens zusammen, davon ausgehen, dass da mehr Commitment dabei ist als bei uns.“

Wahres Interesse hin, über die Stränge schlagende Kritik her: Die vier Liebenden haben sich längst eine dicke Haut gegenüber Kritik von außen zugelegt. „Früher haben mich Kommentare im Internet getroffen“, räumt Clara ein, schiebt aber mit der (TV-)Erfahrung der vergangenen Jahre nach: „Wenn man sich freiwillig in der Öffentlichkeit zeigt, muss man damit rechnen, dass Menschen ihren Senf dazugeben.“ Das wird sich wohl auch mit „Polyamorie – hält das?“ nicht ändern – wenngleich der SWR-Beitrag wenig Reibungsfläche bietet. (tsch)