Das große RomCom-Comeback von Meg RyanDas sind die Kino-Highlights der Woche

„Du, hier, ausgerechnet?“ - Die romantische Komödie „What Happens Later“ erzählt von Bill (David Duchovny) und Willa (Meg Ryan), die sich viele Jahre nach ihrer Trennung zufällig am Flughafen wiedersehen. (Bild: Universal Pictures)

„Du, hier, ausgerechnet?“ - Die romantische Komödie „What Happens Later“ erzählt von Bill (David Duchovny) und Willa (Meg Ryan), die sich viele Jahre nach ihrer Trennung zufällig am Flughafen wiedersehen. (Bild: Universal Pictures)

„IF: Imaginäre Freunde“, „Das Zimmer der Wunder“ und „What Happens Later“, Meg Ryans famose Rückkehr zum RomCom-Genre: Das sind die Kino-Neustarts am 16. Mai.

Ein Ex-Pärchen trifft sich nach einer halben Ewigkeit zufällig am Flughafen wieder und sitzt dann „bis auf Weiteres“ dort fest, weil draußen „das Unwetter des Jahrhunderts“ wütet. Das ist die Prämisse von „What Happens Later“ - ein RomCom-Szenario wie aus dem Bilderbuch! Der männliche Part wird verkörpert von David Duchovny, dem Lange-nicht-gesehen-Star aus Blockbuster-Serien wie „Akte X“ und „Californication“. Und neben ihm sitzt ... kann das wahr sein? Meg Ryan!

Genau zwei Flüge fallen aufgrund von schlechtem Wetter bis auf Weiteres aus: der von Willa (Meg Ryan) und der von Bill (David Duchovny). Und so haben die beiden mehr als genug Zeit, auf dem Flughafen herumzublödeln und sich bei nächtlichen Gesprächen langsam wieder näherzukommen. (Bild: Universal Pictures)

Genau zwei Flüge fallen aufgrund von schlechtem Wetter bis auf Weiteres aus: der von Willa (Meg Ryan) und der von Bill (David Duchovny). Und so haben die beiden mehr als genug Zeit, auf dem Flughafen herumzublödeln und sich bei nächtlichen Gesprächen langsam wieder näherzukommen. (Bild: Universal Pictures)

Was das Kinopublikum in dieser Woche außerdem erwartet: Mit „IF: Imaginäre Freunde“ demonstriert John Krasinski (“The Office“) seinen kindlichen Blick auf die Welt, und „Das Zimmer der Wunder“ erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die sich nach einem schweren Unfall ihres Sohnes vornimmt, dessen „Bucket List“ abzuarbeiten.

What Happens Later

Die ganz großen Kinoerfolge von Meg Ryan sind an einer Hand abzuzählen. Aber damals, zu Zeiten von „Harry und Sally“ (1989), „Schlaflos in Seattle“ (1993) und „e-mail für Dich“ (1998), gehörte sie für ein paar Jahre zu den absoluten Topstars in Hollywood. Niemand sonst prägte das Liebeskomödien-Genre so sehr wie Meg Ryan. Doch nach dem Ende der 90-er sank ihr Stern rapide. Die großen Rollen blieben aus, die Schauspielerin zog sich zunehmend aus dem Rampenlicht zurück. Der heftige Karriereknick wurde vielfach mit mutmaßlich verpfuschten Schönheitsoperationen in Verbindung gebracht. Aber jetzt ist Meg Ryan wieder da.

„IF: Imaginäre Freunde“ erzählt von Cal (Ryan Reynolds) und der kleinen Bea (Cailey Fleming), die imaginäre Freunde anderer Menschen sehen können. (Bild: 2024 Paramount Pictures)

„IF: Imaginäre Freunde“ erzählt von Cal (Ryan Reynolds) und der kleinen Bea (Cailey Fleming), die imaginäre Freunde anderer Menschen sehen können. (Bild: 2024 Paramount Pictures)

Den bislang letzten Versuch, wieder Fuß im Filmgeschäft zu fassen, unternahm sie 2015 mit „Ithaca“, einem Kriegsfilm, bei dem sie eine Hauptrolle spielte und erstmals auch als Regisseurin in Erscheinung trat. Die Kritiken fielen schlecht aus, das Comeback scheiterte. Aber jetzt, mit „What Happens Later“, fühlt sich alles ganz anders an als bei dem „Ithaca“-Flop vor neun Jahren. Vor allem deshalb, weil Meg Ryan völlig uneitel und mit einer großen Portion Selbstironie zu ihren RomCom-Wurzeln zurückkehrt.

Die inzwischen 62-Jährige spielt eine Hauptrolle in der romantischen Komödie, führte erneut Regie und schrieb auch am Drehbuch mit, das auf einem Theaterstück von Steven Dietz (“Shooting Star“) basiert. Willa (Ryan) und Bill (Duchovny) haben sich über 20 Jahre lang nicht gesehen, dann stehen sie sich am Flughafen plötzlich wieder gegenüber. Und weil aufgrund von Schneefall ausgerechnet ihre beiden Flüge gestrichen werden, hängen sie jetzt gemeinsam fest. Viel Zeit also, um die Trennung von damals aufzuarbeiten, um ein wenig zu zanken wie damals und um sich dann auf magische Weise doch wieder näherzukommen. „Wenn Menschen sich trennen, gibt's das, was sie sich sagen, und es gibt die Wahrheit. Die hast du mir nie gesagt.“ - „Weil ich dich geliebt habe!“

John Krasinski hat sich für seinen ersten Familienfilm einige sehr knuffige „IFs“ ausgedacht. Einer davon ist  Blue (der eigentlich lila ist, aber der Fantasie eines farbenblinden Kindes entsprang). (Bild: 2024 Paramount Pictures)

John Krasinski hat sich für seinen ersten Familienfilm einige sehr knuffige „IFs“ ausgedacht. Einer davon ist Blue (der eigentlich lila ist, aber der Fantasie eines farbenblinden Kindes entsprang). (Bild: 2024 Paramount Pictures)

Die absurden Zufälle, die zu jeder romantischen Komödie gehören, sind in „What Happens Later“ noch absurder als sonst, die schmalzigen Dialoge noch schmalziger, die großen Gefühle noch größer, und so wird diese bewusst überzeichnete Geschichte auch zu einer augenzwinkernden Hommage an das RomCom-Genre selbst. Sogar die Lautsprecheranlage am Flughafen hilft hier kräftig mit (zum Beispiel, wenn nachts das Licht gedimmt wird), damit Willa und Bill irgendwie wieder zusammenfinden.

IF: Imaginäre Freunde

Sich auch jenseits der Jugend einen kindlichen Blick auf die Welt zu bewahren, gilt für viele als große Kunst, ja teilweise sogar als Ideal fürs ganze Leben. Aber es gibt natürlich auch diejenigen, die genau andersherum denken, nach dem Motto: „Werd' endlich erwachsen!“ Welchem Lager sich John Krasinski zugehörig fühlt, zeigt der Schauspieler, Autor und Regisseur mit seinem neuen Film überdeutlich. Die zentrale Frage in „IF: Imaginäre Freunde“: „Was wäre, wenn alles, woran du als Kind geglaubt hast, wahr wäre?“

Ein aufgeweckter und sensibler Junge, der plötzlich aus dem Leben gerissen wird: Louis (Hugo Questel) hat aufgeschrieben, was er vor dem „Ende der Welt“ gerne noch erlebt hätte. (Bild: SquareOne Entertainment)

Ein aufgeweckter und sensibler Junge, der plötzlich aus dem Leben gerissen wird: Louis (Hugo Questel) hat aufgeschrieben, was er vor dem „Ende der Welt“ gerne noch erlebt hätte. (Bild: SquareOne Entertainment)

Es geht in dieser fantasievollen Geschichte zwischen Real- und Animationsfilm nicht primär um den Weihnachtsmann, die Zahnfee oder den Osterhasen. Im Fokus stehen stattdessen Figuren wie der flauschige Koloss Blue, die Schmetterlingsdame Blossom, das Einhorn Eini, der Hund Super Dog und der uralte Teddy Lewis - individuelle imaginäre Freunde, wie sie wohl fast jedes Kind kennt. Und dann, irgendwann im Lauf des Heranwachsens, wieder vergisst. Und genau da, im Vergessenwerden der „IFs“, liegt die Tragik dieser Erzählung.

Die kleine Bea (Cailey Fleming) und ihr exzentrischer Nachbar Cal (Ryan Reynolds) besitzen die magische Gabe, die imaginären Freunde anderer Menschen zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Was dabei herauskommt, ist mehrheitlich ein großer knuffiger Spaß mit viel Situationskomik. Aber manche IFs sind auch extrem traurig und verbittert, weil sie von den Menschen, denen sie so lange treu zur Seite standen, aus deren Leben verbannt wurden.

Thelma (Alexandra Lamy), die Protagonistin in „Das Zimmer der Wunder“, hat sich vorgenommen, die „Bucket List“ ihres Sohnes vollständig abzuarbeiten. Dazu gehört unter anderem auch, von Frankreich nach Japan zu reisen, um dort ein Skateboard signieren zu lassen. (Bild: SquareOne Entertainment)

Thelma (Alexandra Lamy), die Protagonistin in „Das Zimmer der Wunder“, hat sich vorgenommen, die „Bucket List“ ihres Sohnes vollständig abzuarbeiten. Dazu gehört unter anderem auch, von Frankreich nach Japan zu reisen, um dort ein Skateboard signieren zu lassen. (Bild: SquareOne Entertainment)

Nach dem Krebsdrama „Die Hollars“ (2016) und dem gefeierten Horrorfilm „A Quiet Place“ (2018) präsentiert „The Office“-Star John Krasinski mit „IF: Imaginäre Freunde“ seinen ersten waschechten Familienfilm. Als Synchronsprecher konnte er unter anderem Steve Carell, Emily Blunt und Matt Damon für das Projekt gewinnen (in der deutschen Fassung mit dabei: Rick Kavanian, Christiane Paul, Lina Larissa Strahl). Krasinski selbst führte Regie, schrieb das Drehbuch, übernahm eine kleinere Rolle als Beas Vater und lieh außerdem - den Spaß ließ er sich nicht nehmen - einem brennenden Marshmallow seine Stimme.

Das Zimmer der Wunder

„Ihr Sohn liegt im künstlichen Koma, er ist in einem kritischen Zustand“ - das trifft direkt in die Magengrube. Die Sorge um ihren Jungen steht für die alleinerziehende Mutter Thelma (Alexandra Lamy) fortan über allem. Was ist passiert? Thelma hatte den Knaben nur für einen Moment aus den Augen gelassen, dann lief er unbedacht auf die Straße und es knallte. Es ist der Ausgangspunkt für eine einzigartige Mutter-Sohn-Geschichte, die immer wieder unter die Haut geht.

Nach dem Unfall lebt Thelma nur noch im Ausnahmezustand. Frühmorgens besucht sie ihren Louis (Hugo Questel) am Krankenbett, dann eilt sie zur Arbeit in die Lagerhalle, anschließend spricht sie mit den Ärzten über Behandlungsmöglichkeiten und Chancen, und dann geht alles wieder von vorne los. Als irgendwann doch mal Zeit zum Durchschnaufen ist, stößt Thelma in Louis' Kinderzimmer auf die Liste, die dem französischen Familiendrama „Das Zimmer der Wunder“ seine Struktur gibt: „Was ich vor dem Ende der Welt erledigen will, weil das vielleicht früher kommt als erwartet.“

Thelma studiert die Liste und kommt ins Grübeln. Warum weiß sie nichts von all diesen Dingen, die sich ihr Sohn fest vorgenommen hat? Was hätte sie als Mutter besser machen können? Wo hat sie versagt? Ohne eine echte Idee, wohin das jetzt noch führen sollte, fasst sie einen Entschluss: Sie möchte sämtliche Punkte auf der Liste abarbeiten, stellvertretend für Louis. Es sind einigermaßen ulkige und abenteuerliche Dinge dabei, zum Beispiel „Ein Graffiti an die Kaserne sprühen“. Aber auch: „Erfahren, wer mein Vater ist“.

Regisseurin Lisa Azuelos (“LOL“, „Dalida“) inszenierte „Das Zimmer der Wunder“ als kontrastreiches Drama zwischen Herzschmerz und Hoffnung, das Drehbuch lieferten Fabien Suarez und Juliette Sales. Als Vorlage für die rührende Kinoerzählung diente der Roman „La Chambre des Merveilles“ von Julien Sandrel - ein französischer Bestseller aus dem Jahr 2018, der auch auf der Frankfurter Buchmesse für großes Aufsehen sorgte und inzwischen in über 20 Sprachen übersetzt wurde. (tsch)