„Das gibt hier nix mehr“ Corona-Drama auf Mallorca: Kölner schildern den Horror

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Vor Corona war noch alles lustig: Lorenz Büffel und Co. bei einer typischen Sause an der Playa 2019

Palma de Mallorca – Es ist ein echter Insel-Albtraum. Die Lage auf Mallorca, dem Lieblings-Eiland der Deutschen, ist in der Corona-Krise verheerender denn je.

Die Schlangen an den Lebensmittel-Tafeln werden von Woche zu Woche größer. Die soziale Not in der Partyhochburg nimmt zu. Die Nachfrage nach Hilfsleistungen sei hier noch nie so groß gewesen, stellte die Regionalzeitung „Diario de Mallorca“ dieser Tage fest.

Corona auf Mallorca: Bewohner leiden, Touristen bleiben Partyhochburg fern

Die Touristen bleiben natürlich längst aus. Viele Einheimische waren im von Corona schwer erschütterten Gastgewerbe tätig und verloren ihren Job. Man nennt sie die „nuevos pobres“, die „neuen Armen“.

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Die Zahl der in der Region in extremer Armut lebenden Menschen hat sich in nur einem Jahr auf rund 34.000 verdoppelt.

Corona-Drama auf Mallorca: Infektionszahlen steigen trotz Ausgangssperre

Und: Trotz nächtlicher Ausgangssperre stiegen die Corona-Zahlen massiv. Inzwischen verzeichnen die Balearen erschreckende Werte, die in ganz Spanien unerreicht sind.

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Nichts los am Ballermann. Das Foto hat Kneipier Ron Büttner geschossen.

Zuletzt kletterte die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen auf 530, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. „Wir erleben eine schreckliche Situation, die wir uns auch nicht in unseren schlimmsten Träumen hätten vorstellen können“, räumte Regionalpräsidentin Francina Armengol kurz vor Silvester ein.

Eine nennenswerte Lockerung der Einschränkungen sei bis Februar nicht zu erwarten, sagte am Montag Regierungssprecherin Pilar Costa.

Corona-Drama auf Mallorca: Lorenz Büffel gibt Traum-Appartement ab

Corona bringt den Ballermann an den Abgrund. Wie gehen die Mallorca-Sänger mit dem Drama um?

Der Kölner Stimmungsbarde Lorenz Büffel ist schon seit Monaten fix und alle, sagt uns gebeutelt: „Schweren Herzens müssen meine Familie und ich nach vier Jahren unser Appartement auf Mallorca aufgeben. Letztes Jahr haben wir im Juni die Wohnung lediglich winterfest machen können – das waren die einzigen vier Tage, die wir im gesamten Jahr 2020 auf der Insel waren. Da lohnt es sich natürlich auf lange Sicht gesehen nicht, unseren zweiten Wohnsitz aufrecht zu halten.“

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Ballermann-Star Lorenz Büffel und Foodtruck-Kompagnon Marcel Klein (vor seinem Ausscheiden) alias Karate-Marci beim Einsatz im Streetfood-Festival in Porz im Oktober.

Büffel hangelt sich mit einem Foodtruck durch die Lande, hat eigene Getränke in Deutschland auf den Markt gebracht, aber seine Gedanken kreisen um die Playa:  „Als hemmungsloser Optimist hoffe ich immer noch auf eine Mallorca-Saison 2021. Allerdings denke ich, dass ich Stimmungssänger aktuell als letzter dort gebraucht werde. Viel mehr ist es wichtig, dass sich die Insel wieder wirtschaftlich erholt und dass man mit neuen Konzepten endlich wieder Gäste empfangen kann.“

Corona-Drama auf Mallorca: Lorenz Büffel macht sich Sorge um Freunde und Kollegen

Büffel weiter: „Meine Freunde und Kollegen auf der Insel stellen sich auf einen sehr harten Winter ein. Ich mache mir um mehrere Freunde große Sorgen und bleibe im ständigen Kontakt um zumindest mental meine Hilfe anzubieten. Ich hoffe, dass die schon viel zu lange Durststrecke bald ein Ende und wir uns zumindest im Spätsommer etwas Normalität zurück erkämpfen können.“

Einer der besagten Freunde ist der Siegburger Michael Piontek, der auf Mallorca seit Jahren eine Fahrschule betreibt.

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Heißer Ofen, heiße Bräute: Malle-Fahrlehrer Michael Piontek in seinem Element.

Er sagt dem EXPRESS zur Lage auf der Insel: „Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Die finanzielle Lage wird hier immer schlimmer. Ich denke, die Kriminalstatistik wird in die Höhe gehen. Ein Ende ist nicht abzusehen. Wir können nur hoffen, dass die Corona-Zahlen zurückgehen. Es ist Totenstille hier.“

Die eigentliche Frohnatur weiter: „Man spürt, dass die Menschen kein Geld mehr in der Tasche haben. In jedem Bereich. Ich sehe an mir selber, man ist nicht mehr früh auf den Beinen, es ist alles entschleunigt, es wird nur noch das Nötigste gemacht. Das Partyvolk wird nicht erfreut sein, das gibt hier nichts mehr erstmal. Bis hier mal welche reingelassen werden, wird das Jahr rumgehen. Vor Oktober wird das nix mehr.“

Sein Fazit: „Es wird auf jeden Fall nie mehr so wie es vorher war.“

4711-Wirt Big Ron Büttner über Corona-Lage auf Mallorca: Wir halten durch

Leider bestätigt das ein weiterer beliebter Gastronom, der wohl jedem Kölschen, der je an der Playa verkehrt hat, ein Begriff ist.

„Es ist für alle die hier an der Playa leben extrem schwer. Das Ersparte, was auch für die Rente gedacht war, ist fast aufgebraucht, staatliche Hilfen werden nicht bei allen in vollem Umfang ausgezahlt, warum auch immer“, sagt Big Ron Büttner auf unsere Nachfrage.

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Starke Pose: Ron mit einer Tourstengruppe vor dem 4711. in den Jahren bevor Corona die Insel lahm legte.

Der Wirt der Kölschkneipe 4711 ist eine Institution, aber was er schildert, brutal: „Alle hoffen auf Mai, oder Juni, dass es wieder los geht. Viele sind nach Deutschland abgereist, haben ihr Geschäft aufgegeben, oder waren arbeitslose Gastronomen und versuchen in Deutschland einen Neustart.

Uns persönlich geht es nicht anders, aber wir halten durch, fangen jetzt gerade wieder an uns selber und den Laden für die Saison vorzubereiten. Bis jetzt ist unser Umfeld und wir selber vom Virus verschont geblieben. Der Hotspot befindet sich mehr in Palma.“

Was für Aussichten. Es scheint, als würde Corona dem lange totgesagten Ballermann-Tourismus gerade endgültig den Rest geben...

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