„Bares für Rares“ Großonkel vergrub Figur vor Krieg – doch DAMIT rechnete er nicht

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„Schönen erotischen Touch. Ja. Jaa!“, begeistert sich Händler Ludwig Hofmeier.

Köln – Kandidat Wolfgang Steinhauer (64) hatte in der Sendung vom 5. Februar einen nackten Begleiter im Gepäck. Bei den Händlern von „Bares für Rares“ sorgte die Statuette für reichlich Furore. Es gab jedoch einen Haken.

Der 64-Jährige hat detaillierte Kenntnisse von Herkunft und Geschichte seines „nackten Jünglings“. „Ich weiß, wo es gegossen wurde und so weiter“, erklärt er. Jedoch was das gute Stück eigentlich wert ist, darüber habe er sich noch überhaupt keine Gedanken gemacht, gibt der Betriebsleiter eines Forstbetriebes zu.

„Bares für Rares“-Kunstkenner Albert Maier

Bei einem Besuch in der Expertenhalle wird sich das ändern. Die Figur kommt zur Begutachtung zu „Bares für Rares“-Kunstkenner Albert Maier.

Alles zum Thema Horst Lichter
figur groß

Die Figur wird von „Bares für Rares“-Experten Albert Maier geschätzt.

„Eine schöne Statuette“, freut sich Moderator Horst Lichter gleich zu Beginn. Lichter kommt richtig ins Schwärmen: „Dieser junge Mann hat zwar nichts zum Anziehen, aber eine stattliche Figur! Und sportlich ist er auch noch.“

Zur Erklärung: Die Bronze-Skulptur zeigt einen entblößten, nach oben schauenden nackten Jüngling, der in seiner linken Hand einen Bogen nach oben hält.

Großonkel vergrub die Figur im Garten

Kandidat Steinhauer hat die Figur von seinem Großonkel, der sie ihm vererbt oder geschenkt habe. „Während des Krieges hat der die im Garten vergraben, um Diebstahl zu verhindern“, erklärt er.

Damit verbunden ist allerdings auch das große Manko der eigentlich schönen Figur. Beim wieder Ausgraben habe der Großonkel die Statuette beschädigt. Ein Teil des Bogens ist an einer Seite abgebrochen und fehlt seitdem.

bogen

Ein Teil des Bogens ist abgebrochen.

Auch Lichter ist ganz betrübt, „dass der junge Mann seinen Bogen nicht mehr ganz in Ordnung hat“. Aber ist das dramatisch für die Wertfindung?

Abgebrochener Bogen drückt den Schätzpreis

Maier, der schätzt, dass es sich bei dem Objekt um einen Nachguss etwa aus dem Jahr 1898 handele, redet nicht lange um den heißen Brei herum. Für den Experten ist der abgebrochene Bogen „ einschneidend tragisch“.

Lichter muss tief durchatmen. „Wenn er so schon anfängt“, sagt er zu Steinhauer. Doch der Kandidat nimmt den Dämpfer gelassen und lacht nur. Steinhauer hat dann aber entgegen der einleitenden Worte doch eine recht genaue Vorstellung davon, was er für seine Statuette eigentlich haben möchte. 500 Euro. Was erstmal gar nicht so arg viel ist, für eine schöne Bronze, findet auch Horst Lichter.

„Bares für Rares“: Verfluchte Brosche soll Paar in den Selbstmord getrieben haben (hier mehr lesen)

Doch Maier drückt die Erwartungen: „Dieser Bogen ist so gut wie nicht mehr zu reparieren.“ Das liege an der komplizierten Zinn-Kupfer-Legierung, die bei Bronze-Figuren zur Anwendung komme. Die spezielle Mischung könne man laut Experten nicht mehr so hinbekommen.

In einem guten Zustand sei die Figur zwischen 800 und 1.000 Euro wert. Der kaputte Bogen senke den Wert aber beträchtlich. Sein Preis deshalb: 350, höchstens 400 Euro. „Mehr nicht“, macht der Experte deutlich.

Steinhauer kann sich damit aber zufrieden geben und nimmt die Händlerkarte an.

Händler Ludwig Hofmeier begeistert: „Ausgezeichnet schön!“

Steinhauer will bei der Versteigerung auf den bekannten Namen des Künstlers und das Alter des Objekts setzen. Die Figur stammt von der bekannten und renommierten Berliner Gießerei Gladenbeck. Laut Signatur hat sie Joseph Ludwig Uphues (1850-1911) geschaffen. Uphues zählte zu einem der berühmtesten Bildhauer der Wilhelminischen Zeit (1890 - 1914).

Doch geben die Händler tatsächlich den vorher erörterten Schätzpreis für die Figur aus?

Steinhauer kann sich zumindest Hoffnungen machen. Der nackte Jüngling in seinem Arm sorgt noch vor der Begrüßung für Furore. „Eine schöne Bronze ist das!“, begeistert sich Händler Ludwig Hofmeier. „Ausgezeichnet schön!“

Gebrochener Bogen drückt die Stimmung bei „Bares für Rares“

Doch auch der Makel bleibt nicht lange verborgen. Steinhauer hat gerade erst seinen Platz vor den Händlern eingenommen, da platzt Julian Schmitz-Avila auch schon heraus: „Ist der Pfeil noch da?!“. „Nein“, muss Steinhauer zugeben. Was sofort allgemeine Ernüchterung hervorruft.

Julian verzieht das Gesicht: „Hier ist auch eine Ecke abgebrochen“. Dem Händler entgeht auch nichts.

Steinhauer versucht zu beruhigen, erzählt die Geschichte, wie er die Figur bekommen habe. Die Händler schweigen.

Ludwig schmilzt dahin – und entfacht die Herzen der Händler

Endlich bekommt Ludwig die Figur in die Hände. Der Händler hatte sich schon zu Beginn so über das Objekt gefreut. Seine Freude scheint ungebrochen. „Schöne Arbeit. Schön, ganz schön! Schöne erotischen Touch. Ja. Jaa!“ Hofmeier schmilzt förmlich dahin. Auch der Hinweis von Markus Wilhagen, dass es sich bei der Statuette um einen Mann handelt, kann seiner Euphorie keinen Abbruch tun.

Die Begeisterungsstürme von „Bares für Rares“-Händler Ludwig Hofmeier im Facebook-Video:

Als Susanne Steiger, von der man bis dahin noch überhaupt nichts gehört hat, so vertieft war sie in die Recherchearbeit an ihrem Tablet, dann auch noch einwirft, dass es zu der Statue offenbar auch nie einen Pfeil gegeben habe, der also auch niemals abgebrochen wurde, scheint die Stimmung wieder zum Vorteil von Anbieter Steinhauer zu kippen.

Erstes Gebot für Statuette bei „Bares für Rares“

Prompt wird das erste Gebot abgegeben. Das kommt überraschenderweise gerade von Julian Schmitz-Avila, der sich zu Beginn noch so über die Mängel ereifert hatte. 200 Euro will er für den nackten Jüngling mit Bogen hinblättern. Immerhin. Julian glaubt sogar, er kenne da einen Meister, der die Figur wieder hinbekommen könne.

Das Rennen ist offenbar eröffnet. Marcus Wildhagen bietet 250. Allerdings steigt auch schon der erste Händler aus. „Da ich keinen Meister habe, der das wieder hinkriegt, bin ich da raus“, erklärt Walter Lehnertz.

Susanne Steiger ist noch unschlüssig. Kann sie vielleicht eine Kette irgendwo an den Bogen hängen, überlegt sie?

„Ich biete 300 Euro“, ruft Ludwig Hofmeier dazwischen. „Oder, machen wir 350!“

Susanne Steiger sieht die Figur in ihrem Schaufenster

Susi ist noch ganz in ihre Überlegungen mit der Kette vertieft. „Wenn ich da eine Kette dranhänge und die dann bei mir schön ins Schaufenster stelle, da bleiben doch bestimmt Frauen stehen. Oder was meinst du, Julian?“ Das wisse er doch nicht, antwortet Julian trocken. Er würde weiterlaufen. Allgemeines Lachen.

Markus Wildhagen geht auf 380 hoch.

Letztes Gebot kommt von Julian Schmitz-Avila

Doch dann bekommt Julian die Figur noch einmal in die Hand und entscheidet: „Ich gebe Ihnen die 400 Euro! Die hätten sie doch gerne, ich sehe es Ihnen doch an.“

Der Schätzpreis ist erreicht. Und auch Steinhagen lacht zufrieden. Geld und Statuette werden übergeben.

Ob Steinhagen noch was anderes schönes in seinem Garten findet? Er verspricht, nochmal nachzusehen. 

(jv)

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