Corona bei „Anne Will“ Aussicht auf Lockerungen? Bundesminister redet von Sommer 2021

Peter Altmaier bei Anne Will Archiv

Peter Altmaier zu Gast bei Anne Will (hier ein Archivfoto aus einer  Sendung von 2018).

Berlin – Fast 57.000 Corona-Tote, eine kaum erforschte Corona-Mutante und ungewisse Zahlen: Welche neuen Perspektiven braucht es, um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bekommen? Diese Frage diskutierten die Gäste bei „Anne Will“ im ARD am Sonntagabend (31. Januar).

  • Corona-Debatte bei Anne Will am Sonntag
  • Zu Gast unter anderen Peter Altmaier und Corinna Pietsch
  • Beim Thema Lockerungen wurde es schwammig

Wie gefährlich die Corona-Mutation eigentlich genau ist, dazu könne man derzeit noch wenig sagen, erklärt Virologin Corinna Pietsch auf die Frage von Anne Will. Aber der Übertragungsfaktor R, der beim ursprünglichen Coronavirus bei 1 lag, bei der Corona-Mutante bei 1,3 liegt.

Virologin Corinna Pietsch erklärt Problematik der Corona-Mutation

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„Wir haben also bei dem R-Wert eine Erhöhung etwa um den Faktor 0,3“, so Pietsch weiter. Das damit verbundene Problem beschreibt die Virologin drastisch.

Denn der Faktor 0,3 sei in etwa das, was man dem Virus abtrotzen könne, etwa indem man Schulen schließt. Im Gegenzug sei der Gedanke solcher Lockerungen wie der Öffnung von Schulen im Zusammenhang mit der Corona-Mutation nicht mehr so leicht gegeben.

Derzeit hätten sich die Mutanten noch nicht in den Inzidenzzahlen in Deutschland durchgesetzt. Pietsch schätzt, dass der Anteil lediglich auf wenige Prozent fällt. Sie befürchte aber, dass das bald der Fall sein dürfte und dann die Zahlen wieder deutlich nach oben gedrückt würden.

Unternehmerin Meier fordert bei „Anne Will“ sofortige Lockerungen

Brigitte Meier, Unternehmerin aus München, fordert trotz der Befürchtungen vor den Corona-Mutationen eine Öffnung der Wirtschaft. Sie nehme die Lage seit Beginn der Pandemie ernst und habe frühzeitig strenge Maßnahmen in ihrem Betrieb ergriffen.

„Ich fordere, dass wir jetzt wieder mit sehr sehr vorsichtigen Maßnahmen an den Start gehen können“, so Meier bei „Anne Will“.

Die Wirtschaft habe einfach zu sehr gelitten, die Existenzen Tausender Menschen stünden auf dem Spiel. Man müsse deshalb sofort mit Lockerungen beginnen, allerdings unter sehr strengen Regeln.

„Anne Will“: Bundesminister Altmaier fordert weniger Kontakte

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kann die Sorgen der Wirtschaft und der Unternehmen verstehen, erklärt er in der ARD-Talkshow. Er sehe hingegen nicht großen Spielraum für Lockerungen.

„Wir haben gesehen, dass es nicht reicht, einfach nur Geschäfte zu schließen, sondern wir müssen auch die Kontakte der Menschen deutlich reduzieren, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern“, so Altmaier.

Er appellierte an die Geduld der Menschen. „Wenn wir diese Geduld jetzt noch zwei, drei Wochen länger aufbringen, dann ist eine neue Perspektive sichtbar.“

Ministerpräsident Weil plädiert bei „Anne Will“ für Zielzahl 50

Doch auch auf Nachfragen von ARD-Moderatorin Anne Will wollte sich der Bundesminister nicht auf konkrete Termine für Lockerungen festnageln lassen.

Auch Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen, wollte trotz fallender Inzidenzzahlen in Deutschland keine Versprechungen machen. Vor allem aufgrund der Corona-Mutanten.

„Es ist tatsächlich ein großes Problem, dass wir derzeit nicht wissen, wie weit die Mutanten derzeit bei uns verbreitet sind und wie dynamisch sie sind“, so Weil, der bei „Anne Will“ per Video zugeschaltet war.

Weil weiter: „Wir müssen jetzt erstmal strikt auf diese Zielzahl 50 hinarbeiten. Wenn wir das im Februar tatsächlich erreicht haben, dann können wir tatsächlich über Lockerungen reden. Am Ende entscheide leider immer die aktuelle Infektionslage.“

Unternehmerin fordert klare Aussagen bei „Anne Will“

Für Unternehmerin Meier eine alles andere als zufriedenstellende Situation. Sie forderte bei „Anne Will“ klarere Aussagen von der Politik: „Der Staat muss da jetzt mal liefern. Wir liefern auch immer.“

Bei ihr stehe das Finanzamt vor der Tür und fordere die nächste Zahlung – und zwar sofort. Von der Politik höre sie aber seit Monaten eine Mischung aus „das wissen wir nicht“ und konkreten Aussagen, die dann aber wieder über Bord geworfen werden.

„Auf was kann ich mich da eigentlich noch verlassen?“, klagte Meier in der ARD-Talksendung.

Altmaier entschuldigt sich und redet von Sommer 2021

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kann sich nur entschuldigen. „Wir wissen einfach zu wenig“, so Altmaier. Im Sommer 2020 sei das Virus bei 300 Fällen am Tag gewesen, in ganz Deutschland. Man habe damals nicht geahnt, dass die Zahlen im Herbst dann dermaßen explodieren könnten.

Er wolle vermeiden, dass Geschäfte in immer kürzeren Abständen öffnen und dann wieder schließen müssten, wie etwa in anderen Ländern der Fall. Er hoffe darauf, dass spätestens im Sommer die Mehrheit der Menschen geimpft sind. „Dann werden die Dinge viel planbarer“, so Altmaier. Doch auch der Bundesminister muss zugeben, an diesem Punkt seien wir noch nicht.

Also erst im Sommer Aussicht auf Lockerungen?

Virologin Pietsch sieht Lockerungen nur bei Inzidenzen unter 10

Auch Virologin Corinna Pietsch glaubt nicht, dass durch das Erreichen einer 50er-Inzidenz das Coronavirus unter Kontrolle sei.

„Planbarkeit, und die wird ja immer von Unternehmern gefordert, wird nur erreicht, wenn wir richtig niedrige Inzidenzen haben“, erklärt Pietsch weiter. „Und richtig niedrige Inzidenzen haben wir, wenn wir bei weniger als bei 10 sind, oder niedriger.“

Dann könne man auch wieder über Lockerungen und Öffnungen reden.

Allerdings muss man sagen: Da war die Talkrunde bei „Anne Will“ ja auch kurz zuvor schon angekommen, als der Bundeswirtschaftsminister ausführte, wie die niedrigen Zahlen im Sommer dann doch wieder explodierten. (jv)

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