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Bei Anne Will Annalena Baerbock gerät bei Panzer-Frage in Erklärungsnot und räumt Fehler ein

„Auch wenn einem das Herz blutet, muss man einen kühlen Kopf bewahren“, verteidigte Annalena Baerbock die Position der Bundesregierung in Bezug auf mögliche Panzerlieferungen in die Ukraine. (Bild: ARD)

„Auch wenn einem das Herz blutet, muss man einen kühlen Kopf bewahren“, verteidigte Annalena Baerbock die Position der Bundesregierung in Bezug auf mögliche Panzerlieferungen in die Ukraine.

Anne Will ist nach der Sommerpause zurück: In der Auftaktsendung befragte sie Annalena Baerbock zu den geforderten Panzerlieferungen für die Ukraine. In einem holprigen Gespräch hielt sich die Außenministerin aber vage – im Gegensatz zu einer weiteren Gesprächspartnerin.

Trendwende im Ukraine-Krieg? In den vergangenen Tagen ist es ukrainischen Truppen gelungen, große Gebiete aus russischer Hand zurückzuerobern. Als besonders wertvoll erwiesen sich in diesem Zusammenhang Waffen, die dem Land aus dem Westen, auch aus Deutschland, geliefert wurden.

Gegen die geforderten Panzerlieferungen sträubt sich die Bundesregierung aktuell jedoch. Warum, hat Außenministerin Annalena Baerbock am Sonntagabend im ARD-Talk „Anne Will“ erklärt.

Annalena Baerbock spricht über Kampfpanzer für Ukraine

„Das Problem mit den Kampfpanzern ist, dass die technisch so bedient werden müssen, dass sie im Einsatz einen Unterschied machen können“, erläuterte die Grünen-Politikerin.

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„Deshalb ist es für uns so wichtig, dass wir diesen Schritt nur mit unseren internationalen Partnern gemeinsam gehen können“, verwies Baerbock auf das viel zitierte Argument, man wolle keinen Alleingang vollziehen.

Außerdem fehle es vor Ort an Know-how („Wir sehen, dass dieses Material, wenn es falsch bedient wird, schnell kaputtgeht.“) und das hochmoderne Kriegsgerät sei verhältnismäßig anfälliger für Probleme.

Immerhin stellte Baerbock in Aussicht, an der polnisch-ukrainischen Grenze ein Reparatur-Hub einzurichten - was alles andere als einfach sei: „Das ist ja nicht, wie wenn man ein Auto zum TÜV fährt. Es geht hier um hochmodernes Zeugs, wo ich die Details auch als Außenministerin nicht im Detail verstehe.“

Annalena Baerbock fordert, im Ukraine-Krieg „kühlen Kopf“ zu bewahren

„Wir sind in einem Krieg. Auch wenn einem das Herz blutet, muss man einen kühlen Kopf bewahren“, verdeutlichte die 41-Jährige. Gleichzeitig zeigte Baerbock Emotionen und appellierte: „Jede Woche unter russischer Besatzung bedeutet weiteres Leid, bedeutet weitere Massengräber und genau das müssen wir verhindern.“ Aktuell halte sie den Ringtausch mit anderen EU-Ländern für die angebrachte Vorgehensweise.

Moderatorin Anne Will aber ließ nicht locker und bohrte nach: „Jetzt mal klar und deutlich. Sind Sie dafür, dass Deutschland auch Kampf- und Schützenpanzer liefert?“ Baerbock blieb aber ihrer Linie treu und antwortete vage: „Ich bin dafür, dass wir alles liefern, was einen Unterschied macht, um Menschen zu befreien. Eine Lieferung alleine macht eben noch keinen Unterschied.“

Auch die Logistikkette im Hintergrund müsse funktionieren. Außerdem war Baerbock bemüht, keine Internas aus Gesprächen mit Bundeskanzler Scholz oder dem ukrainischen Außenminister preiszugeben, denn: „Ich spiele dieses Spiel nicht mit, mit dem Finger auf andere zu zeigen.“

Derweil zeigte sie mit dem Finger auf sich selbst – zumindest ein bisschen. Die Außenministerin räumte ein, die Bundesregierung habe nach dem Ausbruch des Krieges „etwas zu langsam“ gehandelt. Der Grund dafür sei aber schlichtweg gewesen, dass die Situation nach dem Überfall Russlands völlig neu gewesen sei.

Ein Umdenken habe stattgefunden, „als uns Irpin und Butscha noch einmal deutlich gemacht haben, dass jeder Tag unter russischer Besetzung schlimmste Gräueltaten und Kriegsverbrechen bedeutet“.

Auf Annalena Baerbock bei Anne Will folgt Anne Applebaum

Während sich Annalena Baerbock zu keinen eindeutigen Aussagen hinreißen ließ, tat dies im Anschluss an das knapp 15-minütige Einzelinterview ein anderer „Anne Will“-Gast: die zugeschaltete amerikanisch-polnische Historikerin Anne Applebaum.

„Wir können jetzt weiter Waffen an die Ukraine liefern, umso schneller wird der Krieg gewonnen werden“, konstatierte sie und machte „einen wesentlichen psychologischer Wendepunkt“ aus: „Es gab ein großes Echo auch in Russland. Man hat dort Angst, dass man den Krieg verlieren könnte.“ Die russische Armee sei „demoralisiert“ und „nur noch da, um den Sold zu kassieren“.

Applebaum forderte zudem ein klares Bekenntnis: „Ja, wir kämpfen in diesem Krieg bis zum Ende.“ Schon morgen könne man Panzer liefern, die Ausbildung initiieren: „Das wäre eine Abschreckung für Putin. Nur wenn er überzeugt ist, dass er verlieren kann, kann man mit ihm in ein Gespräch eintreten.“

Bedeutend wäre zudem die Signalwirkung weiterer westlicher Waffenlieferungen. Es würde Putin zeigen, so Applebaum, dass das westliche Bündnis stabil sei. Daraus folgerte die Historikerin: „Es wäre deshalb wichtig, wenn Deutschland eine Führungsrolle übernehmen würde.“ (tsch)

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