Kanzlerinnen-Wahlverein sucht Orientierung Das System Merkel löst sich in Rauch auf

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Der politische Vulkanausbruch von Erfurt entwickelt sich für die CDU und Kanzlerin Angela Merkel zum Albtraum.

Berlin/Erfurt – Die Chaostage von Erfurt – sie haben die CDU in eine schwere Krise gestürzt. Wie die enden wird, ist völlig offen.

Wird die CDU das Schicksal der SPD erleiden, die nach quälenden Selbstfindungsprozessen in den Niederungen der Wählergunst gelandet ist? Ein Tanz auf einem brodelnden, feuerspeienden Polit-Vulkan. Das ist der Anfang vom Ende des Systems Merkel.

Annegret Kramp-Karrenbauer als Chefin der CDU ist Geschichte, auch wenn sie noch eine Weile an Deck ausharren will – doch wie lange?

CDU-Chefin AKK hat's verbockt – aber nicht alleine

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Ja, AKK hat es verbockt, doch ihr allein die Misere anzulasten, wäre zu einfach. Ihr Scheitern ist auch ein Indiz dafür, dass das System Merkel kollabiert. Kramp-Karrenbauer, so war zu hören, wollte sich wohl den „Nahles-Effekt“ wie bei der SPD ersparen – eine Abwärtsspirale, aus der es kein Entkommen mehr gab.

Wohl auch, weil ihr dämmerte, dass sie sich nicht mehr auf die Rückendeckung von Merkel verlassen konnte.

CDU hat ihren politischen Instinkt verloren

Politische Freundschaften waren für die Kanzlerin ohnehin nie etwas für die Ewigkeit. Ihr war stets ihr eigenes Hemd näher als der Rock der Partei. Doch diesmal hat sie sich verzockt. Schon ihre Entscheidung, Annegret Kramp-Karrenbauer aus der saarländischen Provinz zu ihrer Kronprinzessin zu machen, war ein Fehler.

Das zeigt, wie sehr sie der politische Instinkt verlassen hat. Denn schnell war allen klar, dass AKK überfordert war. Sie trat von einem Fettnäpfchen ins nächste – doch Merkel ließ die Dinge laufen, auch als allen längst bewusst war, dass mit AKK kein Staat zu machen ist – weder bei Wahlen, Umfragen noch in der Partei. Führungsstärke sieht anders aus.

Angela Merkel, die Ewig-Kanzlerin – wie einst Kohl

Trotz ihrer Verdienste und immer noch hohen Sympathiewerte hat die Ewig-Kanzlerin ihren Zenit überschritten. Die Frau, die einst die CDU nach dem Ende der Ära Kohl wieder aufrichtete und bis heute im Zentrum der Regierungsmacht etablierte, scheint sich schon lange nicht mehr für das mühsame Geschäft der Innenpolitik zu begeistern.

Das erinnert fatal an ihren einstigen Ziehvater Helmut Kohl, dem es am Schluss nur noch um seinen Logen-Platz in den Geschichtsbüchern ging. Abwarten und sich möglichst nicht zu konkret festlegen lassen – das war Merkels Erfolgsrezept. Doch das, was Jahre gut ging, droht jetzt die CDU zu zerreißen.

CDU-Kanzlerin Merkel: Machterhalt um jeden Preis

Der Basis wird zwar langsam bewusst, dass Merkel eine große Mitschuld am aktuellen Schlamassel trägt, aber so richtig trauen sich nur wenige, Ross und Reiter zu nennen.

Jetzt rächt sich, dass sie wie Kohl die CDU zum reinen Kanzlerwahlverein geformt hat. Es kann nur eine geben – das Programm hieß stets Merkel, garniert mit schönen Parteitagsbildern von jubelnden Claqueuren.

Es war Merkel, die den Machterhalt um jeden Preis zur Maxime erhoben hat – auch ihren ganz persönlichen. Solange das System Merkel erfolgreich war, folgte ihr die Partei blind und legte sich zur Ruhe. „Mutti“ wird es schon richten. Das tat sie auch. Zuweilen knallhart.

CDU steuert auf schwere Zeiten zu

All ihre Rivalen hat sie kaltgestellt und zu Fußnoten der Parteigeschichte degradiert – darunter Friedrich Merz, der das nicht vergessen hat und jetzt zu den Bewerbern für den Vorsitz zählt.

Wie heißt es so schön: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Erschrocken im letzten Akt der Merkel-Götterdämmerung aufgewacht, fragen sich jetzt viele: Für was steht der aufgescheuchte, wild durcheinander gackernde Hühnerhaufen CDU noch?

Auch wenn die Führungsfrage fix geklärt werden sollte, geht sie schweren Zeiten entgegen – mit einer Kanzlerin, deren Lorbeer welk geworden ist.

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