Jens Spahn hat RechtWas Corona-Leugner nicht wissen: So funktioniert Wissenschaft

Jens Spahn Corona

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40/CDU) erklärte auf einer Wahlkampfveranstaltung, das es mit dem Wissen von heute keine so harten Corona-Maßnahmen im Frühjahr getroffen hätte. Das Foto zeigt Jens Spahn am 01. Septembervor dem Pflege-Campus der St. Elisabeth-Gruppe in Herne (NRW)

von Mirko Wirch (wir)

Köln – „Man würde mit dem Wissen heute, das kann ich Ihnen sagen, keine Friseure mehr schließen und keinen Einzelhandel mehr schließen.“ Mit diesen Worten ließ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40/CDU) an einem Wahlkampftermin am Marktplatz in Bottrop am Mittwoch (2. September) aufhorchen. Seitdem wird darüber diskutiert, wie „klug“ diese Aussage war. Gerade vor dem Hintergrund vieler Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker eine relevante Fragestellung. Ein Kommentar.

Betrachtet man Spahns Aussagen aus wissenschaftlicher Sicht, könnten sie treffender nicht sein. In der Wissenschaftstheorie gibt es den Grundsatz, dass eine Hypothese, die als „wahr“ oder „richtig“ gilt, diesen Status nur solange hat, bis sie von einer anderen Hypothese widerlegt wird.

Übertragen auf die Coronakrise und die im Frühjahr getroffenen Maßnahmen des Lockdowns, unter anderem mit Schließung des Einzelhandels und Friseure, waren diese Entscheidungen zu jenem Zeitpunkt die Besten für die Sicherheit und Gesundheit der Bundesbürger – und damit richtig.

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Spahns Aussagen sind eigentlich gute Nachrichten

Die Wissenschaft war, ist und wird auch in Zukunft der erste, weil beste Ansprechpartner und Dialogpartner der Politik sein.

Denn die Wissenschaftler, in erster Linie Virologen und Infektiologen wie Christian Drosten (48) oder Hendrik Streeck (43), sind die Experten, die sich jeden Tag mit hochkomplexen Themen wie Viren beschäftigen. Man würde ja auch einen Bäcker fragen, wenn man wissen wollte, wie man ein Brot backt. 

Die Aussagen von Bundesgesundheitsminister Spahn sind eigentlich gute. Denn am Ende bedeuten sie, dass es keinen zweiten Lockdown geben wird.

Es wird nicht noch mal solche brutale Einschnitte in unseren Alltag und unser Wirtschaftsleben geben wie zu Beginn der Krise. Wir dürfen wieder zur Arbeit, zur Kita, zur Schule und generell rausgehen und Menschen, Familie, Freunde und Verwandte treffen. Das, was uns so lange gefehlt hat. 

Corona zeigt: Gute Nachrichten haben es schwer 

Doch trotzdem schaffen es Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker, auch in dieser Aussage wieder eine politische Finte zu sehen und sie schlecht zu reden. 

Wenn man das beobachtet, wundert es nicht, dass wir kaum mehr gute Nachrichten in unserem Alltag wahrnehmen. Wenn wir heute eine gute Nachricht erhalten oder lesen, fragen wir uns viel schneller: „Kann das wirklich wahr sein?“

Viel zu häufig ist unsere Antwort darauf dann „Nein“, und wir fangen an, uns zu hinterfragen, was wohl „die Falle“ an dieser guten Nachricht ist. Eine bedenkliche Entwicklung hin zu einer pessimistischen, schwarz malerischen Gesellschaft, die zum Lachen in den Keller geht.

Corona: Deutschland muss dazulernen

Das Entscheidende bei etwas so Unbekannten wie dem Coronavirus ist, dass man immer wieder dazulernen und seine Handlungen und Entscheidungen entsprechend anpassen muss, wenn man etwas Neues gelernt hat. 

Dazulernen gehört zum Leben, kleine Kinder machen das jeden Tag mehrmals. Und wir müssen es jetzt als Gesellschaft in größeren Abständen auch, um das Coronavirus gemeinsam zu überwinden. Oder zumindest mit ihm leben zu können.