„Es geht nicht um die Oma“Kinderchor-Beitrag gelöscht: Chorleiter erklärt die Parodie

Kinderchor_Dortmund

Der WDR hat einen Beitrag des Dortmunder Kinderchores gelöscht.

Dortmund/Köln – Es war als Satire geplant, ging aber mächtig nach hinten los. Am Ende sah sich der WDR sogar gezwungen, das Video des Kinderchors zu löschen.

Die Reaktionen waren am Ende „unerträglich“ für den Sender, hieß es in einem Statement auf Facebook. Am Samstagabend lief eine Sondersendung zum Beitrag auf WDR2, in die sich auch Intendant Tom Buhrow per Telefon vom Krankenbett seines Vaters (92) zuschalten ließ. 

Am Sonntag äußerte sich dann auch Chorleiter Zeljo Davutovic. 

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WDR Kinderchor: Ärger um Umwelt-Parodie

Aber der Reihe nach: Der Sender hatte ein lustig gemeintes Video seines Dortmunder Kinderchores veröffentlicht. Die Kinder singen darin eine umgedichtete Version des Klassikers „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“.

Auf der entsprechenden Melodie des Liedes hieß es dort nun beispielsweise: „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“. An anderer Stelle singen die Kinder: „Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett. Weil Discounter-Fleisch so gut wie gar nix kostet. Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“.

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WDR löscht Kinderchor-Beitrag, weil er bei Zuschauern nicht ankam

Am Ende des Liedes ist die Stimme Greta Thunbergs zu hören. Die Mädchen bewegen zu Zeilen aus ihrer vielbeachteten Rede auf dem UN-Klimagipfel die Lippen: „We will not let you get away with this“ – „Wir werden euch nicht damit davonkommen lassen“, erklären die Mädchen, während sie ernst in die Kamera blicken.

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Der Beitrag kam bei vielen Zuschauern nicht besonders gut an – auch, wenn der WDR extra auf den satirischen Charakter hingewiesen hatte. So teaserte der Sender den Beitrag etwa auf Facebook mit den Worten an: „In Zeiten des Klimawandels müssen auch Klassiker wie 'Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad' ganz neu getextet werden (Achtung, Satire)“.

Dennoch hagelte teils heftige Kritik in sozialen Netzwerken.

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WDR löscht Kinderchor-Beitrag: „Für die Redaktion unerträglich“

Mit „sehr unterschiedlichen Reaktionen“ habe der Sender bereits gerechnet, heißt es schließlich in der Stellungnahme, die sei „im besten Falle auch Sinn einer Satire“, schließlich handele es sich um die „Zuspitzung eines Themas“. Es waren aber auch Vorwürfe zu hören, die Kinder seien instrumentalisiert worden.

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Einem Vorwurf, dem der Sender deutlich widerspricht. „Dies ist absolut nicht der Fall, trotzdem haben wir uns entschlossen, das Video zu löschen, da schon die Mutmaßung, WDR 2 hätte die Kinder des Chores instrumentalisiert, für die Redaktion unerträglich ist“, heißt es in einem Statement. Das Video sei deshalb gelöscht worden.

Den WDR Kinderchor Dortmund gibt es seit 2017. Neun- bis 13-jährige Kinder „aller Schulformen und Sozialschichten aus dem Ruhrgebiet“ üben dort zusammen, wie es auf der offiziellen Seite heißt.

Focus Online“ hatte darüber berichtet.

WDR-Intendant Tom Buhrow entschuldigt sich

Am Samstagabend stellte sich WDR 2 Chef Jochen Rausch stellvertretend für die Redaktion in einer WDR-Sondersendung im Radio: „Wir hätten das sehen müssen. Wir haben das Wort Umweltsau mit der lieben Omi in Verbindung gebracht. Darüber haben wir nicht lange genug nachgedacht.“

Einer der Anrufer, die zu Moderatorin Steffi Neu ins Studio durchgestellt wurden, war niemand geringerer als WDR-Chef Tom Buhrow. „Als Intendant bin ich letztverantwortlich für alles. Das Video mit dem verunglückten Oma-Lied war ein Fehler. Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür", sagte Buhrow, der aus einer Siegburger Klinik anrief.

Dort besuchte er seinen Vater (92), der seit Heiligabend im Krankenhaus liegt. Sein Vater habe immer hart gearbeitet. „Er ist keine Umweltsau“, sagte Buhrow.

WDR Kinderchor Dortmund: Chorleiter äußert sich zu „Umweltsau“-Ärger

Am Sonntag meldete sich dann auch Zeljo Davutovic, Leiter des WDR Kinderchors Dortmund, zu Wort. In einem Statement, das auf der Internetseite des Chors veröffentlicht wurde, heißt es:

WDR-Kinderchor: Sänger wurden über Parodie aufgeklärt

Davutovic betonte, dass den Kindern erklärt worden sei, was die Parodie bezwecken solle. „Mit Überspitzung und Humor den Konflikt zwischen den Generationen aufs Korn nehmen.“

Der Begriff Oma sei wegen des Originaltextes auch in der Parodie erhalten geblieben. Viele Hörer hatten sich und ihre eigenen Großmütter dadurch persönlich verletzt gefühlt. „Es geht nicht um die Oma, sondern um uns alle. Hier schließe ich mich persönlich ein. Ich möchte mich als beteiligter Musiker bei allen entschuldigen, die sich trotz der Einordnung als Satire von uns persönlich angegriffen fühlen“, so Davutovic. 

In der Vergangenheit habe der Chor immer größten Respekt vor Senioren gezeigt, nicht zuletzt mit vielen Auftritten in Seniorenheimen. Diese soll es auch in Zukunft geben. (dpa, susa, sku)