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Von wegen „Weltmeister“ Müll-Experte aus NRW: So werden wir beim Recycling belogen

Plasti_Müll_Säcke

Seit 1950 ist die weltweite Plastikproduktion von 1,7 Millionen Tonnen auf 348 Millionen Tonnen pro Jahr gestiegen. In Europa ist Deutschland ganz vorne dabei.

Köln – Deutschland ist Recycling-Weltmeister. Diesen Titel geben wir uns gerne selbst. Dabei ist das nur die halbe Wahrheit.

Denn auch wenn wir trennen, trennen, trennen – kein Volk in Europa produziert mehr Verpackungsmüll. Und wirklich wiederverwertet wird davon nur ein Bruchteil.

Laut einer Statistik des Umweltbundesamts fallen in Deutschland 18,16 Millionen Tonnen Verpackungsmüll pro Jahr an, das entspricht 220,5 Kilogramm pro Kopf. Davon sind 37,4 Kilogramm Plastikmüll.

Die größten Plastikmüll-Sünder in der EU pro Jahr

(Quelle: Eurostat, EU-Durchschnitt: 31,1 kg)

Glauben wir dem Umweltbundesamt, werden 39 Prozent recycelt. Keine überragende Quote, aber annehmbar. Doch die Wahrheit sieht anders aus.

Grüne bezeichnen Recycling-Statistiken als „Schummelquoten“

Die Grünen sprechen von „Schummelquoten“ und kommen auf einen Anteil von 17,3 Prozent.

Dr. Henning Wilts, Abteilungsleiter für Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, glaubt nicht einmal daran. Er berechnet eine Recycling-Quote von nur 5,6 Prozent.

Müllverbrennung_Köln_Niehl

Was nicht verwertet werden kann, kommt in Müllverbrennungsanlagen wie diese in Köln-Niehl.

Beim Erfassen der Müllmengen sei in Deutschland „der Weltmeister noch gerechtfertigt“, sagte Wilts im Interview mit dem „Spiegel“, doch: „Danach tun sich Abgründe auf.“

Deutschland exportiert Plastikmüll – oft landet er im Meer

So werden in die offizielle Recyclingquote auch Müll-Exporte in andere Länder einbezogen.

Dabei ist nicht einmal klar, was mit diesem Müll passiert, wenn er einmal die deutsche Grenze passiert hat. Nicht selten landet er im Meer – die Horrorbilder von an Plastik verendeten Meerestieren haben wir alle im Kopf.

Kunststoffe sind zwar oft nur für den einmaligen Gebrauch geschaffen, halten aber ewig.

Plastiktüten haben sich erst nach zehn bis 20 Jahren im Meer aufgelöst, Plastikflaschen erst nach 450 Jahren. Ganz abgesehen von den freigesetzten Giftstoffen.

Das Recycling-Problem fängt beim Verbraucher an

Die Probleme sind vielfältig und fangen bei den Verbrauchern an. Stichwort: Essen und Trinken to go, Shopping im Internet.

Die Hauptverantwortung tragen jedoch die Unternehmen, die Dosierhilfen in den Verpackungen anbieten, aufwendige Verschlüsse herstellen und ihre Produkte in kleine Portionen verpacken.

Das wäre ein geringes Problem, wäre Plastik einfach recycelbar. Doch Polyethylen, Polysterol und Co. sind beschichtet und bedampft, teils werden verschiedene Plastikarten miteinander verklebt („Multilayer-Materialien“). Das Endprodukt: oft nicht recycelbar.

Lesen Sie hier, was sich in Deutschland 2019 durch das neue Verpackungsgesetz alles geändert hat.

Lukratives Geschäft mit dem Plastikmüll

In Deutschland kämpfen zwölf duale Systeme um die Entsorgung der gelben Tonnen. Je mehr Müll, desto lukrativer das Geschäft.

Auch Müllverbrennungsanlagen wie in Köln-Niehl leben davon, dass der Verbraucher verbraucht. „In der Recyclingbranche ist in den vergangenen dreißig Jahren gar nichts passiert“, sagte Öko-Forscher Michael Braungart der „Zeit“.

Es hakt im System. Weder gibt es in Deutschland Anreize, sparsam mit Rohstoffen umzugehen, noch werden Unternehmen für zu hohen Plastikverbrauch bestraft.

Experte Wilts fordert ein Umdenken: „Für eine leere Flasche am Strand von Myanmar muss ich denen eine Rechnung schicken können.“

(mah)

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