Dieter Wolf aus Neuss Er enttarnte Agenten und jagt bis heute die Mörder seines Sohnes 

Dieter Wolf trainiert mit Gewichten.

Dieter Wolf aus Neuss jagte früher Agenten. Jetzt jagt er immer noch die Mörder seines Sohnes und hält in seiner Altersklasse alle Rekorde im Steinwerfen

Dieter Wolf hat ein spannendes Leben hinter sich. Er war Agent und Sicherheitschef einer Rüstungsfirma, jagte Doppelagenten und ist noch immer auf der Jagd nach den Mördern seines Sohnes. 

Neuss. Die Tarnung des Wolfs ist perfekt. Ein Reihenhäuschen in Neuss-Norf, lustige Vogelhäuschen im Garten, viel Klimbim in den Fenstern. Ein älterer Herr im dunklen Pique-Shirt öffnet die Tür. Wer genau hinschaut, wundert sich vielleicht über die kräftigen Unterarme von Opa Dieter. Wow!

Aber warum eigentlich? Der Wolf, der früher Agenten aufstöberte, ist auch mit 84 Jahren noch  auf der Jagd nach sportlichen Rekorden – und nach den Mördern seines Sohnes.

Der Wolf gewann unzählige Medaillen

Im Kellerfenster, direkt zwischen Waschmaschine und Hantelbank, hängen sie. Unzählige von Medaillen. „Um es genau zu sagen – 248 Goldmedaillen“, schmunzelt der Senior. 172 Mal gewann er die Deutsche und 75 Mal Internationale Meisterschaften in diversen Wurfdisziplinen, bis jetzt hält er 44 Weltrekorde.

Wolf bei einem Wettkampf.

Eine ruhige Kugel schiebt Dieter Wolf aus Neuss auch mit 84 Jahren nicht. Er hält sich sportlich fit mit Krafttraining, Gymnastik und Radfahren, will in Wurfdisziplinen noch weitere Rekorde aufstellen.

Seine Paradedisziplin: Steinstoßen. Seine Bestweite mit dem 30-Kilo-Stein liegt in der Altersklasse M80 bei 2,62 Metern. Hat bisher keiner geschafft. Eisern achtet der Wolf auf sein Gewicht, isst kaum noch Wurst und Fleisch, macht Krafttraining und Gymnastik. Eine ruhige Kugel zu schieben liegt ihm einfach nicht im Blut. Kein Wunder.

Dieter Wolf enttarnte Doppelagenten

Sein Leben war ein echter Thriller – mit lustigen und tieftraurigen Einlagen. Eigentlich wollte der drahtige Mann Jetpilot werden, doch bei einer Flugstunde hätte er fast einen Kirchturm abrasiert. „Gewackelt hatte er schon.“ Trotzdem machte der Wolf Karriere beim Militär, war schon mit 28 Jahren Hauptmann, schließlich Oberstleutnant beim Militärischen Abschirmdienst, Dezernatsleiter der Spionageabwehr.

Der Wolf, „mein Deckname war übrigens Peter Storm“, enttarnte Doppelagenten und trieb Überläufer auf. Davon erzählt er gern. „… und dann war da noch der Oberstleutnant, bei dem alle befürchtet hatten, dass er sich in die DDR abgesetzt hatte. Ich konnte seine Unschuld beweisen, habe ihn in einer Nervenheilanstalt in Bayern aufgetrieben.“

Vom Agenten zum Sicherheitschef

Mit 49 Jahren schied er aus dem Dienst aus, suchte eine neue Herausforderung und wurde Sicherheitschef beim Rüstungskonzern Rheinmetall, verdiente „richtig gut Geld“ in der Zeit des Kalten Krieges mit der Terroristenabwehr.

Musste er jemals um sein Leben fürchten? Er zeigt auf die Narbe am rechten Arm, die von einer Begegnung mit eine Zuhälter zeugt. „Der gute Mann bekam allerdings weitaus schmerzhafter zu spüren, dass ich eine Nahkampf- und Boxausbildung habe“, lacht er.

Dieter Wolf führt EXPRESS in sein Allerheiligstes, sein Arbeitszimmer unter dem Dach. In den Regalen stapeln sich Agententhriller, Sportbände und zig Aktenordner. Wolf schreibt an seinem Lebenswerk, hat auch schon einen Verlag gefunden. Das traurigste Kapitel seines Lebens will er nicht ausklammern.

Wolfs Sohn wurde ermordet

Er zeigt auf ein Foto an der Wand. Ein junger Mann, braungebrannt und mit Stirnband, hockt vor seinem Fahrrad im Wüstensand. „Mein Sohn Matthias“, sagt er leise. 1994 kam die Todesnachricht aus Kambodscha. Die Roten Khmer sollen ihn umgebracht haben, berichteten angebliche Augenzeugen der Botschaft vor Ort. Die schickte Wolf später die sterblichen Überreste seines Sohnes.  

Dieter Wolfs Sohn sitzt in der Wüste vor einem Fahrrad und trinkt.

Sein Sohn Matthias, der Prototyp eines Abenteurers, wurde 1994 in Kambodscha umgebracht.

Er lässt die DNA analysieren: Knochen von Hühnern und einem Asiaten, nicht von Matthias. Seltsam. „Mein Frau hat den Verlust unseres einzigen Kindes nie verwunden.“ Sie bekam Krebs, wurde depressiv – und schließlich dement. Bis vor wenigen Monaten pflegte der Senior seine Bärbel noch selbst. Jetzt ist sie im Heim – und der Wolf allein im großen Haus. „Nur gut, dass ich meinen Sport habe“, lächelt der Medaillenjäger. Aufgeben gilt nicht!

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