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Generalbundesanwalt Anschlag in Hanau – Rechtsterror-Verdacht bestätigt sich

Hanau – Ein schweres Gewaltverbrechen erschüttert ganz Deutschland. Insgesamt gibt es bei der offenbar rassistisch motivierten Tat elf Tote, weitere Menschen werden schwer verletzt.

Generalbundesanwalt Peter Frank schaltet sich ein

Der Todesschütze von Hanau hatte nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank eine „zutiefst rassistische Gesinnung“. Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internetseite ergeben, sagte Frank in Karlsruhe.

NRW-Innenminister Herbert Reul tritt vor die Presse

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NRW-Innenminister Herbert Reul trat vor ein paar Minuten vor die Presse.„Der Rechtsextremismus ist eine der größten Bedrohungen neben dem Islamismus“. „ Wir müssen ein Gegengift finden gegen solche Menschen finden. Keine Toleranz gegen Intoleranz.“ Zu den aktuellen Ermittlungsstände darf er sich noch nicht äußern.

Menschen verkünden bei Twitter ihre Anteilnahme 

Mit dem #Hanau nehmen die Menschen auf der Nachrichtenplattform Twitter Anteil an der Trauer.

Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund Hans-Joachim Watzke äußerte sich ebenfalls über den Twitter-Kanal der Dortmunder. 

Neun Menschen sind am Mittwochabend in Hanau erschossen worden, alle von ihnen haben einen Migrationshintergrund, wie Sicherheitskreise mitteilten. Laut türkischer Nachrichtenagentur Anadolu sind fünf türkische Staatsbürger darunter.

Stunden nach dem Verbrechen in zwei Shisha-Bars entdeckte die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung in Hanau. 

Dort fanden Spezialkräfte noch eine weitere tote Person. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte, bei der zweiten Leiche handele es sich um die 72-jährige Mutter des Tatverdächtigen.

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1: Der Täter erschießt in einer Shisha-Bar am Heumarkt in Hanau mehrere Menschen; 2: Anschließend fährt der Täter weiter Richtung Kesselstadt, erschießt dort in einer zweiten kioskähnlichen Bar weitere Menschen. Insgesamt gibt es neun Tote. 3: Später stürmt das SEK eine Wohnung und findet zwei weitere Tote, darunter den Täter.

Die genauen Hintergründe für die außergewöhnliche Gewalttat sind bislang unklar. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen sind ein Bekennerschreiben und ein Video gefunden worden. Beides werde nun ausgewertet, hieß es am Donnerstag.

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen, aufgrund von „Anhaltspunkten für eine fremdenfeindliche Motivation“. Es bestehe der „Verdacht einer „terroristischen Gewalttat”. Bayerns Innenminister Joachim Hermann sprach von einem rechtsradikalen Hintergrund.

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Ein Kriminalbeamter sucht in der Nähe des Tatortes nach Spuren.

Tödliche Schüsse in Hanau: Das wissen wir vom Täter

Bei dem mutmaßlichen Täter von Hanau handelt es sich laut hessischem Innenministerium um einen 43-jährigen Deutschen aus Hanau, der zuvor nicht im Visier der Ermittler war. Er sei noch nie polizeilich in Erscheinung getreten, hieß es.

Laut „FAZ” habe der Mann auf einer eigenen Homepage angegeben, eine Lehre zum Bankkaufmann in Frankfurt gemacht zu haben. Vor dem Gewaltverbrechen hat er eine umfangreiche Sammlung von Erklärungen und Weltanschauungs-Theorien im Internet verbreitet. 

Täter teilt wirre Verschwörungstheorien im Netz

In einem knapp einstündigen Video behauptet er unter anderem, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei. 

In einem YouTube-Video spricht der Mann zudem in fließendem Englisch von einer „persönlichen Botschaft an alle Amerikaner“. Der Clip, der am Donnerstagmorgen weiter im Internet zu sehen war, wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen, ins Netz gestellt wurde er vor wenigen Tagen.

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Ein Auto ist mit Thermofolie abgedeckt, neben dem Wagen liegen Glassplitter, Rettungskräfte sind im Einsatz. Durch Schüsse sind im hessischen Hanau mehrere Menschen getötet worden.

Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände „jetzt kämpfen“.

Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten. 

Schießerei in Hanau: So lief die Tat ab

Hessens Innenminister erläuterte, der Todesschütze habe am späten Mittwochabend in zwei Shisha-Bars und in einem Kiosk das Feuer eröffnet. Auch ein Auto sei beschossen worden. Die ersten Schüsse fielen den Ermittlern zufolge gegen 22 Uhr. Der Mann habe wohl allein gehandelt.

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Blick auf die erste Shisha-Bar „Midnight” am Heumarkt im Zentrum Hanaus, in der mehrere Menschen erschossen wurden.

Nach der Tat sei der mutmaßliche Täter tot zuhause aufgefunden worden. Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass der Mann seine Mutter und sich selbst erschossen hat. „Beide wiesen Schussverletzungen auf, die Tatwaffe wurde bei dem mutmaßlichen Täter gefunden”, sagte Beuth.

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In der zweiten kioskähnlichen Bar „Arena Bar & Café” erschießt der Täter weitere Menschen.

Schreckliches Verbrechen in einer beschaulichen Stadt

Es ist ein Verbrechen, das die beschauliche und nur wenige Kilometer östlich von Frankfurt gelegene Stadt in ihrer jüngeren Geschichte noch nicht erlebt hat.

Einer der Tatorte ist eine Shisha-Bar am Heumarkt, einer Straße, die etwas am Rande der Innenstadt von Hanau mit seinen rund 100.000 Einwohnern liegt.

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SEK-Beamte sind in der Nähe des Tatorts im Einsatz.

Es ist keine schmucke Gegend, Spielhallen, Wettlokale und Döner-Imbissbuden prägen das Straßenbild – und am späten Mittwochabend auch Polizeisirenen, Blaulicht und Absperrband.

Schießerei in Hanau: Nachricht verbreitete sich rasant in sozialen Medien

Die Polizei fordert Passanten und Schaulustige auf, den Bereich zu verlassen. Beamte mit Maschinenpistolen sichern die Umgebung ab. Menschen stehen in der Nähe der mit Flatterband abgesperrten Bereiche und weinen. In der Gegend kurven wuchtige Sportkarossen umher.

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Ein Auto ist mit Thermofolie abgedeckt, neben dem Wagen liegen Glassplitter und eine Jacke, der Tatort ist mir Polizei-Band abgesperrt. 

Männer versammeln sich in mehreren Grüppchen nahe der Absperrungen. Die Stimmung pendelt zwischen Entsetzen, Sprachlosigkeit und Wut. Eine laut wehklagende Frau wird von Sanitätern in ein nahe gelegenes Hotel gebracht. Dort sitzen später im Frühstücksraum noch weitere Frauen versammelt, mit Tränen in den Augen.

Schießerei in Hanau: Zahlreiche Videos in sozialen Medien aufgetaucht

Die Nachricht von den Schüssen hat sich wie ein Lauffeuer über die Sozialen Medien verbreitet. Anwohner posten mutmaßliche Videos vom Tatort, offenbar kurz nach der Tat aufgenommen.

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Ein Überbleibsel der blutigen Nacht: Ein Projektil liegt auf dem Boden in der Nähe des Tatorts.

Der zweite Tatort ist fast in Laufnähe, mit dem Auto sind es bis dahin nur etwa fünf Minuten. Der Kurt-Schumacher-Platz liegt in einem Wohnviertel. Dort befindet sich im Erdgeschoss eines Wohnblocks eine Art Kiosk, mit der Aufschrift „24/7 Kiosk“ auf der großen Glasscheibe, auf einem Reklame-Leuchtschild steht „Arena Bar & Café“.

Der Blick ins Innere ist versperrt, die Scheiben sind teils halbhoch mit orangefarbener Folie beklebt.

Hanau: Beschädigte Limousine in der Nähe vom Tatort

Auf dem Platz vor dem Café steht eine beschädigte Limousine, die Frontscheiben sind zum großen Teil mit Rettungsdecken abgedeckt. Später, die Spurensicherung läuft schon längst, wird ein Feuerwehrzelt, das auch als Sichtschutz dient, um das Auto herum aufgebaut.

Auch hier hat die Polizei die Gegend weiträumig gesichert, ein schwer bewaffneter Beamter steht dabei. Immer wieder fahren Einsatzwagen der Polizei zum Tatort, auch Krankenwagen fahren durch. Während tief in der Nacht unten auf dem Parkplatz die Spurensicherung läuft, sind manche Fenster in dem neunstöckigen Gebäude noch erleuchtet. Hier und da flimmert ein Fernseher.

Schock in Hanau: „Wir kennen uns schon jahrelang”

Nur wenige Menschen sind hier in der Nacht noch unterwegs, einige kommen aber bis an das Absperrband der Polizei. Sie seien Freunde oder Angehörige von den Opfern, berichten sie

Unter ihnen ist auch ein 24-Jähriger, der nach eigenen Angaben der Sohn des Kioskbesitzers ist. Er sei bei der Tat nicht vor Ort gewesen, sein Vater auch nicht, wie er erst später erfahren habe. Als er von den Schüssen gehört habe, sei er sofort hergekommen.

„Ich habe erstmal einen Schock bekommen.“ Die Opfer seien Leute, „die wir jahrelang kennen“. Es seien zwei Mitarbeiter und eine Person, die er schon von klein auf kenne. Wer verübt solch ein Verbrechen? Der 24-Jährige ist ratlos: „Wir kennen sowas nicht, wir sind auch nicht mit Leuten zerstritten. Wir können es uns gar nicht vorstellen. Es war ein Schock für alle.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Hass ist ein Gift”

Die Regierung hat bestürzt auf die Tat in Hanau reagiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat wegen der Gewalttat in Hanau eine geplante Reise zur Leopoldina nach Halle abgesagt.

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Angela Merkel hielt nach der Tat in Hanau eine Pressekonferenz ab.

In einer Pressekonferenz am Mittag drückte sie ihr Beileid aus und sagte, es gebe viele Hinweise auf ein rechtsextremistisches Motiv. Der Täter habe „aus Hass gegen Menschen mit anderer Herkunft, mit anderem Glauben und Aussehen” gehandelt.

„Hass ist ein Gift, und dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft”, fuhr Merkel fort. Und nannte die NSU-Morde, den Mord an Walter Lübcke und den jüngsten Anschlag in Halle im Oktober 2019 als Beispiele.

Auch OB von Hanau reagiert erschüttert

Auch der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zeigt sich in einer Sondersendung von „Bild live“ erschüttert über die Gewalttaten. „Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben.“

Die Hanauer Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich bin erschüttert darüber, was passiert ist.“ Auf Twitter schrieb sie: „In dieser fürchterlichen Nacht in Hanau wünsche ich den Angehörigen der Getöteten viel Kraft und herzliches Beileid.“ Und: „Den Verletzten eine hoffentlich schnelle Genesung. Es ist ein echtes Horrorszenario für uns alle. Danke an alle Einsatzkräfte!!“

Schießerei in Hanau: Bundesregierung ist erschüttert

„Die Gedanken sind heute morgen bei den Menschen in #Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde”, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstagmorgen auf Twitter.

„Tiefe Anteilnahme gilt den betroffenen Familien, die um ihre Toten trauern”, fügte er hinzu. Seibert äußerte die Hoffnung, dass die Verletzten bald wieder gesund werden. (dpa/afp/mg)

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