„Praktisch unmöglich“ Drosten erklärt, warum wir so wenig Impfstoff haben

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Christian Drosten, hier am 13. Februar 2020, klärt über die Probleme der Bundesregierung bei der Beschaffung des Corona-Impfstoffs auf.

Berlin – Der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, erwartet in der Corona-Krise für 2021 herausfordernde erste sechs Monate. „Ich schaue schon optimistisch auf das neue Jahr, aber ich glaube, dass die erste Jahreshälfte sehr kompliziert werden wird“, sagte Drosten der „Berliner Morgenpost“.

Er gehe davon aus, „dass ab der zweiten Jahreshälfte eine Entspannung eintreten könnte, aber nur, wenn man es schafft, ganz viele Personen in den ersten sechs Monaten zu impfen“. Dabei ging Drosten auch auf die Kritik an der Bundesregierung ein. Der Politik wird wegen des langsamen Starts der Corona-Impfungen vorgeworfen, im Vorfeld zu wenig Impfstoff geordert zu haben.

Christian Drosten: Kritik an der Impfstoffbeschaffung

Zur Kritik am Vorgehen bei der Impfstoffbeschaffung sagte Drosten, es sei „jetzt praktisch unmöglich, das im Nachhinein zu bewerten“. Die EU habe den Impfstoff mit Monaten Vorlauf bestellen müssen und zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gewusst, „ob der betreffende Impfstoff auch funktionieren würde“.

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Drosten deutete an, dass die Politik sich in einem komplizierten Zwiespalt befunden habe. Hätten Deutschland und weitere EU-Länder etwa noch größere Mengen Impfstoff geordert, der dann womöglich gar nicht gewirkt hätte, wäre schnell der Vorwurf der Geldverschwendung aufgekommen.

Der Wissenschaftler verwies darauf, dass nach dem Biontech-Impfstoff nun in Großbritannien der AstraZeneca-Impfstoff bereits zugelassen sei. „Da sollte man in der EU ganz schnell hinterherkommen, denn dieser Impfstoff kann auch in normalen Arztpraxen geimpft werden. Bei diesem Impfstoff hat man nicht die besondere Kühlpflicht.“

Drosten: Verlängerung des Lockdowns möglicherweise nötig

Mit Blick auf die Diskussion über eine Verlängerung des Lockdowns in Deutschland sage der Virologe, angesichts einer geringeren Zahl an Test über die Feiertage lägen derzeit keine belastbaren Daten vor. Der Anteil der positiven Tests zeige jedoch, „dass die Zahlen derzeit nicht nach unten gehen. Das ist nicht gut“.

Erst Mitte Januar könne gesagt, werden, ob der Lockdown bis in den Februar hinein verlängert werden müsse.

Drosten besorgt: „Wird eine Fehleinschätzung sein“

Für das nächste halbe Jahr sagte der Chef-Virologe der Berliner Universitätsklinik Charité sehr kontroverse Diskussionen über das richtige Vorgehen voraus.

Drotsten: „Wir werden in eine Situation kommen, wo wir große Teile der Risikogruppen geimpft haben und es dann Kräfte geben wird, die sagen, dass es jetzt keinen Grund mehr gibt für Einschränkungen. Letzteres wird allerdings eine Fehleinschätzung sein, denn wir dürfen grundsätzlich keine sehr hohe Inzidenzen zulassen. Auch nicht bei den Jüngeren.“

Spahn befürwortet längeren Lockdown

Einer, der sich bereits jetzt für eine Verlängerung des Lockdowns ausspricht, ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er erklärte gegenüber „RTL Aktuell“: „Angesichts der immer noch zu hohen Zahlen ist es notwendig, die Maßnahmen, die Einschränkungen, zu verlängern“.

Man müsse das Infektionsgeschehen „unbedingt“ senken und niedrig halten, da auf den Intensivstationen mittlerweile ein Höchstwert an Corona-Patienten erreicht sei, so Spahn. „Das ist besser, als zu früh zu lockern und dann möglicherweise in einigen Wochen schon wieder vor möglichen schwierigen Fragen zu stehen.“

Verlängerung des Lockdowns bereits beschlossen?

Carola Reimann, Gesundheitsministerin von Niedersachsen, befürchtet einen massiven Anstieg der Infektionszahlen nach den Feiertagen. Sie schließt nicht aus, die Maßnahmen zu verschärfen, erklärte sie gegenüber Deutschlandfunk

Die „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ berichtet bereits, dass sich die Chefs der Staatskanzleien bereits am Samstag, 2. Januar 2021, in einer Telefonschalte auf eine Verlängerung des Lockdowns geeinigt haben. Man sei sich aber noch nicht einig geworden, ob der Lockdown vorerst um zwei oder drei Wochen verlängert werden solle. 

Am Dienstag, 5. Januar 2020, finden die Bund-Länder-Beratungen über weitere Corona-Schutzmaßnahmen statt. Besonders die Schulen und Kitas sollen ein Streitpunkt unter den Ländern sein. Es sei daher möglich, dass es keine einheitliche Regelung für Deutschland geben wird. (mie/afp/jv)

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