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Corona bei Tönnies Laschet äußert sich zu Lockdown – Lauterbach reagiert hart

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NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bei einer Pressekonferenz am 22. Mai 2020 in Düsseldorf.

Gütersloh – Nach dem massiven Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik von Tönnies hat Ministerpräsident Armin Laschet sich nach Krisengesprächen zur Lage geäußert.

  • Mehr als ein Fünftel der Belegschaft ist infiziert, die Angestellten wurden in Quarantäne geschickt
  • Ein Teil der Stadt Verl ist abgeriegelt
  • Drei Hundertschaften der Polizei unterstützen die Ordnungsämter dabei, die Quarantäne aller rund 6500 Mitarbeiter durchzusetzen

Laschet: Kein flächendeckender Lockdown in Gütersloh

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies sehen die Behörden keinen Grund für einen Lockdown im Kreis Gütersloh, also das massive Runterfahren des öffentlichen Lebens. 

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Die Zahl der bekannten Corona-Infizierten bei Tönnies ist derweil durch die umfangreiche Tests auf 1331 gestiegen. Damit sind mehr als ein Fünftel der Belegschaft infiziert. Dies teilte der Kreis Gütersloh am Sonntag mit. Die Reihentestungen auf dem Gelände der Firma seien am Samstag abgeschlossen worden, hieß es. Insgesamt 6139 Tests seien gemacht worden, 5899 Befunde lägen bereits vor.

Es gebe zwar „ein enormes Pandemie-Risiko“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Sonntag.

Das Infektionsgeschehen sei aber klar bei der Firma Tönnies lokalisierbar, und es gebe keinen „signifikanten Übersprung“ hinein in die Bevölkerung. Deshalb gelte weiterhin der Satz, „dass wir einen flächendeckenden Lockdown im Moment nicht ausschließen können, aber solang' wir alles tun, dass es gelingt, dass es nicht überspringt auf die Bevölkerung, können wir andere bessere zielgerichtetere Maßnahmen ergreifen“, sagte Laschet.

Lauterbach: Laschet macht sich lächerlich

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte die Entscheidung, keine Ausgangsbeschränkungen im Kreis Gütersloh zu verhängen. Die vereinbarte Grenze von 50 Neuinfektionen pro Woche je 100.000 Einwohner sei in Gütersloh klar überschritten. „Es ist völlig falsch, dass jetzt kein lokaler Lockdown im Kreis Gütersloh verhängt wird”, sagte Lauterbach.

Armin Laschet macht sich und die gesamte Politik von Bund und Ländern im Umgang mit lokalen Infektionsausbrüchen lächerlich und unglaubwürdig, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“.

Damit bekommen die Menschen den Eindruck, dass die Politik sich nicht an die eigenen Regeln hält, so der Epidemiologe. In Heinsberg habe man damals mit einem Lockdown die Ausbreitung schnell kontrollieren können. Die Behörden hätten die Situation nach dem Ausbruch bei Tönnies aber keinesfalls im Griff. 

Laschet will neue Regeln für Fleischindustrie

„Wir werden auch Herrn Tönnies beim Wort nehmen, dass er gesagt hat, es kann keinen Zustand geben wie zuvor. Wir brauchen neue Regeln, neue Bedingungen – und das ist auch das, was wir vom Unternehmen erwarten”, erklärte Laschet zudem.

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Zu einer Aussage von Clemens Tönnies, das Unternehmen habe aus datenschutzrechtlichen Gründen den Behörden nicht die Wohnadressen aller Mitarbeiter nennen können, sagte Laschet: „Wir müssen einen Zustand herstellen – gerade als Lehre aus der Pandemie –, dass zu jeder Zeit feststellbar ist: welcher Mitarbeiter arbeitet im Unternehmen und wo wohnt er“, sagte Laschet. In dieser Frage gebe es im Moment verschiedene Rechtsauffassungen. Gegebenenfalls müssten Gesetze entsprechend geändert werden.

Mitarbeiter verließen Deutschland: Laschet warnt

Heute war zudem bekannt geworden, dass Mitarbeiter von Tönnies vor der Quarantäne vermutlich das Land verließen. Hinweise dazu hat der Kreis Gütersloh. 

Laschet erinnerte die Mitarbeiter, dass sie die „bestmögliche medizinische Behandlung” in Deutschland bekämen. Es würden nun so viele Dolmetscher wie möglich in die Unterkünfte der Beschäftigten geschickt.

Rund die Hälfte aller Beschäftigten in der gesamten Tönnies-Unternehmensgruppe arbeiten nach Angaben eines Sprechers über Subunternehmen für Tönnies. Insgesamt seien Menschen aus 87 Nationen für Tönnies tätig. Die mit Abstand größten Gruppen kämen aus Rumänien und Polen. Rund ein Drittel der Beschäftigten mit ausländischer Nationalität lebe mit ihren Familien in Deutschland.

Lokale Ausbrüche bestimmen weiter Infektionsgeschehen in Deutschland

Lokale Ausbrüche wie im Kreis Gütersloh bestimmen weiterhin das Infektionsgeschehen in Deutschland. Insgesamt haben die lokalen Behörden dem Robert Koch-Institut (RKI) 687 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet, wie das RKI meldete (Datenstand 21. Juni, 0 Uhr).

Die Zahl der Neuinfektionen liegt deutlich über den Werten, die bis etwa Mitte Juni täglich gemeldet wurden. In den vier Krankenhäusern im Landkreis werden derzeit 21 Covid-19-Patienten stationär behandelt. Davon liegen 6 Personen auf der Intensivstation, zwei von ihnen müssen beatmet werden. Fünf der sechs sind nach Angaben des Kreises Tönnies-Beschäftigte. (dpa)

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