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„Das schaffen wir nicht“ Scharfe Kritik aus NRW an Corona-Maßnahmen

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Vor allem Lokal-Betreiber sehen sich von den neuen Corona-Maßnahmen bedroht (hier ein Symbolfoto aus der Düsseldorfer Altstadt vom 27. Oktober).

Düsseldorf – Angesichts neuer Corona-Maßnahmen haben Vertreter von Gastronomie, Kinos und Fitnessstudios drohende Betriebsschließungen als unverhältnismäßig zurückgewiesen.

„Wir sehen uns als Bauernopfer“, sagte Cineplex-Geschäftsführer Kim Ludolf Koch am Mittwoch in Wuppertal.

Es gebe bislang weltweit keinen belegbaren Ansteckungsfall in einem Kino. „Wir werden für etwas zur Mitverantwortung gezogen, für das wir nichts können“, sagte der Chef der Cineplex-Gruppe, zu der rund 90 Kinos in fast 70 Städten gehören.

„Lichtburg“-Chefin in Essen: „Das schaffen wir nicht“

Kritik kam auch von Marianne Menze, der Chefin von Deutschlands größtem Kino „Lichtburg“ in Essen. Das Kino biete mit seinen zahlreichen Schutzmaßnahmen „größtmögliche Sicherheit“, betonte sie.

Wenn sie nun wieder schließen müsse, werde der Umsatzverlust im laufenden Jahr wohl 80 Prozent betragen. „Wenn das bis Mitte oder Ende nächsten Jahres so weiter geht – das schaffen wir nicht.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder haben am Mittwoch angesichts steigender Infektionszahlen schärfere Corona-Maßnahmen vorgestellt.

Die Regelung betreffe auch den Freizeit- und Amateursportbetrieb, Individualsport soll ausgenommen werden.

Dehoga NRW warnt in offenem Brief an Armin Laschet

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga NRW warnte in einem Brief an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vor weiteren Einschränkungen im Gastgewerbe. Die Frustration in der Branche sei extrem, sagte ein Sprecher. Alle Vorgaben seien mit gravierenden Folgen für das Geschäft umgesetzt worden. Durch die Mindestabstände seien im Schnitt 40 Prozent der Plätze weggefallen.

Wenn die Politik weitere Maßnahmen für die Gastronomie ergreife, müsse dieser Schaden vollumfänglich ausgeglichen werden.

„Das ist die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte der Chef der Düsseldorfer Hausbrauerei „Füchschen“, Peter König. Bereits die geltende Sperrstunde in Düsseldorf habe dramatische Auswirkungen. „Die Stadt ist tot“, sagte er. Das Gästeaufkommen sei stark gesunken, Reservierungen storniert und Weihnachtsfeiern abgesagt.

Seine Kollegin Isa Fiedler von der Kneipe „Knoten“ sieht es ähnlich. Mit den vorhandenen Abstandsregeln, Hygienevorschriften und der Belüftung sei es in der Gastronomie sicherer, als bei einem großen Besuch auf engem Raum im Wohnzimmer, sagte die Sprecherin der Düsseldorfer Altstadtwirte.

Dorint-Chef in Köln sieht erneutes Sonderopfer

Der Chef der Hotelkette Dorint mit Sitz in Köln, Dirk Iserlohe, forderte in einem Brief unter anderem an Merkel und Laschet „einen dringenden Ausgleich des nun folgenden erneuten Sonderopfers“.

Die Gewerkschaft NGG warnt, viele der landesweit 28.000 Betriebe mit ihren insgesamt über 330.000 Beschäftigten könnten einen „erneuten Lockdown“ nicht verkraften.

Niemand wolle, dass Gaststätten wie in Ischgl zum Corona-Hotspot werden. Aber die Politik müsse abwägen, wo Schließungen wirklich Sinn machten. Es dürfe keine Branche pauschal geopfert werden.

Die bisherigen Hilfen reichten nicht aus, damit die Branche den Winter überstehe. „Hier muss deutlich nachgelegt werden. Andernfalls drohen ein Gastro-Sterben und eine Entlassungswelle historischen Ausmaßes“, sagte NGG-Landeschef Mohamed Boudih.

Betreiber von Fitnessstudios protestieren in offenem Brief

Die Betreiber von Fitnessstudios protestierten mit einem offenen Brief an Laschet gegen Schließungen. „Hierbei handelt es sich genau um das falsche Signal und eine unzumutbare Benachteiligung von Menschen, die ganz bewusst und gerade jetzt ihre Immunabwehr stärken wollen und sollen“, schrieb die Präsidentin des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV), Birgit Schwarze.

„Die Fitness-Anlagen verfügen über ausgezeichnete Abstands- und Hygienekonzepte und tun alles dafür, der Bevölkerung in Deutschland bei der Bewältigung dieser Corona-Krise bestmöglich zu helfen“, erklärte Schwarze. Auch der Deutsche Industrieverband für Fitness und Gesundheit in Düsseldorf betonte, Fitnessstudios böten trotz steigender Corona-Infektionszahlen ein sicheres Trainingsumfeld.

Der nordrhein-westfälische Landtag wird sich voraussichtlich an diesem Freitag in einer Sondersitzung mit den neuen Corona-Regelungen befassen. Die Opposition aus SPD und Grünen hat die Sitzung beantragt und fordert von Laschet eine Regierungserklärung. Bei den in der Beschlussvorlage für die Bund-Länder-Schalte genannten Maßnahmen handele es sich um gravierende Grundrechtseingriffe, die der Landtag „als der zentrale Ort politischer Debatten“ beschließen müsse, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty am Mittwoch. (dpa)

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