Sexueller Missbrauch über Jahrzehnte hinweg Bischof von Münster will seinen Job behalten

Bischof Felix Genn spricht auf einer Pressekonferenz zur am Montag (13.6.) vorgestellten Studie am 17. Juni zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster. dpa

Bischof Felix Genn spricht auf einer Pressekonferenz zur am Montag (13.6.) vorgestellten Studie am 17. Juni zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster.

Über Jahrzehnte hinweg wurde in einem der größten deutschen Bistümer sexueller Missbrauch durch Priester gedeckt und vertuscht. Jetzt kündigt Bischof Genn Konsequenzen an - auch, was die Ruhestätte seiner Vorgänger betrifft. Er selbst will im Amt bleiben.

Der Bischof von Münster, Felix Genn, lehnt trotz persönlicher Kritik in einer Studie zu sexuellem Missbrauch in seinem Bistum einen Rücktritt ab. In der am Montag veröffentlichten Studie wird dem Bischof ein zu lascher Umgang mit Priestern vorgeworfen, die nach ihren Taten Reue gezeigt hatten. Genn räumte am Freitag Fehler ein. Er habe aber nichts vertuscht.

„Ich möchte daher die mir verbleibende Amtszeit als Bischof von Münster mit höchstem Engagement nutzen, weiterhin und verstärkt auf das zu hören, was Betroffene und unabhängige Gremien mir für den Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bistum Münster empfehlen und versuchen, das umzusetzen.“ Münster ist eines der größten deutschen Bistümer.

Genn kündigte in einer ersten längeren Stellungnahme an, dass sein Bistum Konsequenzen aus der Studie ziehen werden, in der fast 200 katholische Geistliche als Straftäter ausgemacht wurden. Dazu gehört, dass die Bischofsgruft im Dom vorerst geschlossen bleibt. Dort liegen drei Amtsvorgänger begraben, die sich der Studie zufolge im Umgang mit Missbrauchsfällen schwerer Versäumnisse schuldig machten.

„Ich werde die Toten ruhen lassen, die Wahrheit aber muss ans Licht“, sagte Genn. In welcher Form dies geschehen soll, sei noch offen. Dabei sollen auch Betroffene mitreden können.

Münster: Sexueller Missbrauch sei „immer auch Missbrauch von Macht“

Der Bischof sprach von falsch verstandener Brüderlichkeit im Umgang mit Tätern. Sexueller Missbrauch sei „immer auch Missbrauch von Macht“. Deshalb werde er prüfen lassen, ob eine kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit eine Lösung sein könnte.

Deren Entscheidungen müsste sich der Bischof fügen. Die Bischofskonferenz prüft bereits eine solche Einführung. Außerdem will Genn Personalentscheidungen transparenter machen. Die Personalkonferenz bestehe bis heute nur aus Männern und Priestern. Der Studie zufolge gibt es „männerbündische Strukturen“.

Genn schlug auch vor, dass im Bistum eine Aufarbeitungskommission eingerichtet wird. Eine entsprechende Vereinbarung gibt es in einer gemeinsamen Erklärung des früheren Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, und des Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann. In der Kommission sollen auch der Autor der Studie, der Historiker Thomas Großbölting, und der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller einen Sitz haben.

Münster: Personelle Konsequenzen nach Studie über sexuellen Missbrauch

Die Studie hat nach Angaben des Bischofs auch personelle Konsequenzen. Der bisherige Domkapitular Theodor Buckstegen bat um seine Entpflichtung. Ihm wurde in der Zeit von 1986 bis 2009 als Leiter der Hauptabteilung Seelsorge/Personal massives Fehlverhalten im Umgang mit sexuellem Missbrauch nachgewiesen. Der frühere Bischof von Hamburg, Werner Thissen - früher Weihbischof und Generalvikar in Münster -, bat darum, sich die Studie in Ruhe anschauen zu dürfen. Erst danach soll entschieden werden, ob er den Titel Ehrendomkapitular behält.

Zwischen 1945 bis 2020 gab es nach den Untersuchungen des fünfköpfigen Forscherteams mindestens 196 Kleriker als Täter und 610 minderjährige Opfer von sexuellem Missbrauch. Münster zählt nach dem Erzbistum Köln neben Freiburg und Stuttgart gemessen an der Zahl der Katholiken zu den größten Bistümern in Deutschland. Zum Bistum zählen auch Teile des Oldenburger Münsterlandes in Niedersachsen. Nachweisen konnten die Forscher auch jahrzehntelanges Versagen in der Bistumsleitung, Vertuschen und Strafvereitelung durch Personalverantwortliche in verschiedenen Fällen. (dpa)

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