Wut wegen brisantem Brief Empörung über Kassenärztlichen Vereinigung: So hart trifft es Pflegeheim-Patienten

Triage in Pflegeheimen: Brief der KV Nordrhein

Dieser Brief der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sorgt für Wut und Empörung in den Düsseldorfer Pflegeheimen.

In Düsseldorf sorgt ein vom Gesundheitsamt verschicktes Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung zum Umgang mit Pflegeheim-Patienten bei Notfällen für Empörung.

Die Lage ist ernst, sehr ernst in den Düsseldorfer Krankenhäusern: „Die Intensivstationen sind zu 99 Prozent ausgelastet“, warnte OB Stephan Keller am Donnerstag (9. Dezember). „Zeitweise gab es nur noch zwei freie Beatmungsplätze.“

Verständlich, dass sich die Ärzte möglichst wenige neue Patienten in den Kliniken wünschen. Aber ein Brief der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) an die Düsseldorfer Pflegeheime sorgt jetzt dort für Empörung und Wut: „Die Ärzte wollen die Triage zu uns verschieben“, lautet der Vorwurf eines Pflegeheim-Leiters.

Düsseldorf: Wut über „Triage“-Brief, den Gesundheitsamt weiterleitete

Dass es immer wieder zu Krankenhaus-Einweisungen aus Pflegeheimen kommt, liegt in der Natur der Sache. Hätte die KV die Heime bitten wollen, auf vermeidbare Einweisungen zu verzichten, um den überlasteten Krankenhäusern eine Atempause zu verschaffen, dann wäre das leicht in einem Satz zu formulieren gewesen.

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Aber der Vorsitzende der KV-Kreisstelle Düsseldorf schreibt ein paar ganz andere Dinge: Es sei „kein einfaches Thema“, aber er bitte die Pflegeheime „zeitnah im Vorfeld zu prüfen, ob bei bestimmten Patientinnen und Patienten entsprechende Patientenverfügungen vorhanden sind, die einen Krankenhausaufenthalt per se ausschließen“.

Das ist nach der Erfahrung der Pflegeheime ein praxisferner Ansatz, denn die wenigsten Patientenverfügungen enthalten den Satz „Ich möchte auf keinen Fall in ein Krankenhaus eingeliefert werden“.

In aller Regel enthalten Patientenverfügungen hingegen Festlegungen, welche medizinischen Maßnahmen wie künstliche Ernährung oder das Am-Leben-Halten mit Apparatemedizin in bestimmten Situationen nicht mehr durchgeführt werden sollen.

Und indirekt versucht die KV mit dem Schreiben auch, die Alarmierung eines Notarztes möglichst unwahrscheinlich zu machen. Die Heime werden aufgefordert, Maßnahmen mit den Hausärzten zu besprechen.

Bei Nichterreichbarkeit sollten sie die „Arztrufzentrale“ kontaktieren und die „dringende Bitte“ nach einem ärztlichen Hausbesuch anbringen. Nur im äußersten Fall solle der Rettungsdienst gerufen werden.

„Dieses Schreiben macht mich richtiggehend wütend“, schimpft der Pflegeheim-Leiter. „Was soll denn unser Nachtdienst machen, wenn einer der betagten Menschen einen Schlaganfall erleidet? Soll er zuerst herumtelefonieren und dann womöglich selbst entscheiden, ob dem Patienten noch geholfen werden soll. Nein! Das ist eine Entscheidung, die nur ein Notarzt treffen kann und darf! Wir können doch nicht entscheiden, dass jemand hierbleibt und dann womöglich hier stirbt …“

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All diese Vorwürfe weist die KV zurück - darum sei es in dem Brief nicht gegangen, wie Pressesprecher Sven Ludwig betont: „Das Schreiben ist so zu verstehen, dass aufgrund der hohen Auslastung der Krankenhäuser nicht wirklich notwendige Krankenhauseinweisungen nach Möglichkeit vermieden werden sollten.“

Übrigens: Die KV hat den Brief über das Gesundheitsamt der Stadt an die Heime geschickt, als quasi amtlich. Die Stadt betonte auf Anfrage des EXPRESS, man habe das Schreiben der KV „nur weitergeleitet“.

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