Unterwelt-Krieg in NRW Bordell-Boss wegen angeblicher Sex-Erpressung vor Gericht

Mehmet R. sitzt im Anzug im Gerichtsaal und hält einen Zeitungsartikel hoch, in dem über die Festnahme eines Konkurrenten berichtet wurde.

Bordell-Betreiber Mehmet R. (Name geändert) stand am 20. Dezember 2022 vor dem Amtsgericht Düsseldorf.

Die Düsseldorfer Unterwelt verzichtet offenbar auf Selbstjustiz und klärt ihre Angelegenheiten fortan vor Gericht: Am Dienstag ging es vor dem Amtsgericht um einen kuriosen Erpressungsfall.

Schießereien auf offener Straße, Attentate aus dem Hinterhalt – das gehört zur Vergangenheit. Auch die Unterwelt hat sich angepasst. Man zeigt sich eher gegenseitig an und bemüht die Justiz zum Lösen von Problemen.

Und so stand  „Oceans“- Chef Mehmet R. (53, Namen geändert) am Dienstag (20. Dezember 2022) wegen Erpressung vor Gericht.

Düsseldorf: „Oceans“-Chef steht vor Gericht

Mehmet R. soll einen Konkurrenten beim Sex gefilmt und später 100.000 Euro verlangt haben. Um es vorwegzunehmen: Dem Bordell-Besitzer konnte nichts nach gewiesen werden. Freispruch!

Doch es ist interessant, was sich hinter den Kulissen so tut. Die Hauptrolle spielt Ahmet D. (43), ein Mitglied des sogenannten „Casino-Clans“.

Ahmet D. und Mehmet R. waren befreundet. Der Angeklagte vor Gericht: „Wir sind gemeinsam mit unseren Frauen essen gegangen. Ich habe ihm mit meiner Baufirma sein Haus gebaut.“

Ahmet D. hatte Geld wie Heu. Sein Reichtum stammte aus Steuerhinterziehung. Er und sein Bruder hatten Spielautomaten im großen Stil manipuliert und Geld am Fiskus vorbeigeschleust.

Mal kam er mit einem Ferrari, mal mit einem Porsche oder Lamborghini

Im „Oceans“ fiel er durch seine Luxusautos auf. Mal kam er mit einem Ferrari, mal mit einem Porsche oder Lamborghini. Ständig redete er auf seinen Kumpel ein, er solle den Puff verkaufen. Angeblich hätten ihn die Ermittler auf dem Kieker.

Mehmet A. dachte damals: „Die kleine Maus will im ‚Oceans‘ den Chef spielen. Ich muss die Mickey Mouse bestrafen.“ Also habe er den Clan bei der Steuerbehörde angezeigt. Die beschlagnahmte Millionen und etliche manipulierte Spielgeräte.

In einer seiner Vernehmungen erzählte Ahmet D. von der angeblichen Erpressung. Sein ehemaliger Kumpel Mehmet R. habe gedroht, die Sex-Bilder der Ehefrau zu zeigen. Als Beweismittel gab er Zeugen an – alles enttäuschte ehemalige Mitarbeiter des „Oceans“. Darunter auch ein V-Mann der Polizei.

„Wir können nicht feststellen, ob es eine Erpressung gegeben hat“

Die Zeugen widersprachen sich teilweise. Und selbst das angebliche Opfer wusste nicht einmal, wann er erpresst wurde. Nicht mal, ob es im Sommer oder Winter war. Bei drei Razzien im Club wurden weder Aufnahmen noch Kameras auf den Zimmern gefunden.

Der Staatsanwalt plädierte: „Es gilt nicht nur, ohne Leiche kein Mord. Sondern auch ohne Video keine Erpressung.“ Er forderte Freispruch. So auch der Anwalt von Mehmet R.. Er sprach von einer Inszenierung gegen seinen Mandanten. Und dem schloss sich am Ende des Prozesses dann auch der Richter an, das so kommentierte: „Wir können nicht feststellen, ob es eine Erpressung gegeben hat. Es gibt keine objektiven Beweismittel.“

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