Heftiger Medikamenten-Mangel Düsseldorfer Apotheker verzweifelt: Selbst Aspirin ist ein Problem

Apotheker Alexis Jeremias zeigt eine Packung Buscopan in die Kamera.

Alexis Jeremias in der Lueg-Apotheke in Düsseldorf. Buscopan ist bei ihm nur noch als Zäpfchen erhältlich, schuld sind Lieferengpässe.

Der Medikamenten-Notstand wird immer heftiger. Ein Düsseldorfer Apotheker schildert den Alltag mit dem Mangel.

Kurz zur Apotheke, um ein Medikament abzuholen – das ist schwierig. Ob Hustensaft oder Krebspräparat: Die Lieferengpässe für Medikamente sind im Moment so schlimm wie nie.

Neben Apothekern und Apothekerinnen leiden vor allem ihre Patienten und Patientinnen unter dem Medikamentenmangel.

Düsseldorfer Apotheker: „15 Prozent unseres Lagers nicht belegt“

Alexis Jeremias ist Inhaber der Lueg-Apotheke in Düsseldorf-Oberkassel. „Wir sind eine ganz klassische, handelsübliche Apotheke. Aktuell sind 15 Prozent unseres Lagers nicht belegt: Die Medikamentenvorräte sind unvollständig oder erst gar nicht da.“

Das gehe jetzt schon seit Wochen so, betreffe die unterschiedlichsten Arzneimittel. „Vor zwei Wochen hatten wir kein Aspirin mehr“, erzählt Jeremias. „Doch nicht nur handelsübliche, sondern auch lebensnotwendige Medikamente sind betroffen: Es gab bereits Engpässe für das Medikament Tamoxifen, dieses wird in der Brustkrebs-Therapie eingesetzt. Ich musste meine Patienten und Patientinnen schon oft wieder nach Hause schicken. Jeder Zweite ist davon betroffen, das ist makaber“, ärgert sich der Apotheker.

Die Gründe für die Lieferengpässe sind vielfältig. Lieferengpässe, weil Schiffscontainer z.B. in China festhängen. Aber auch, dass Hersteller von Medikamente ihre Produktion einstellen – das Geschäft ist für die Unternehmen einfach nicht mehr rentabel.

Das betrifft vor allem Medikamente, für die man ein Rezept braucht: „In erster Linie geht es darum, dass die verschreibungspflichtigen Medikamente in Deutschland zu günstig verkauft werden“, erklärt Jeremias.

Auch Jens Krömer, Sprecher der Apothekerkammer Nordrhein, bestätigt dies gegenüber EXPRESS.de: „Hersteller halten die Produktion mancher Präparate für unwirtschaftlich, zudem sind die weltweiten Lieferketten gestört.“

Gründe für den großen Medikamenten-Notstand

Weiterer Grund für das Medikamenten-Dilemma: Die Konkurrenz der ortsansässigen Apotheker und Apothekerinnen macht Probleme, insbesondere Internetapotheken und Großhändler kaufen in großen Mengen ein und lassen nichts übrig.

Die Apotheker und Apothekerinnen tun alles, um ihre Patienten und Patientinnen zu versorgen, man sei kollegial miteinander vernetzt und schicke die Kundschaft zu den Apotheken, die noch Ware auf Lager haben.

Oder wechselt in Absprache mit den Hausärzten und -ärztinnen den Hersteller des Medikamentes: „Wir benutzen dann ein anderes Medikament und verringern die Dosis. Der Patient oder die Patientin nimmt dann anstatt einer nur eine halbe Tablette“, erläutert Jeremias.

Momentan ist der Hustensaft Nurofen kaum zu bekommen

Doch auch das sei auf Dauer keine Lösung. Zu groß die Gefahr, dass alte oder eingeschränkte Patienten und Patientinnen aus Versehen eine falsche Dosis einnehmen. Dann kann es schnell lebensgefährlich werden. Ein Ende des Mangels ist nicht in Sicht.

Im Moment sei besonders Nurofen stark von Lieferverzögerungen betroffen, ein Fieber- und Hustensaft für Kinder: „Ich habe an Heiligabend Notdienst und werde dann wohl den Eltern erklären müssen, dass ich keine Medikamente für ihre Kinder habe“, befürchtet Jeremias. „Da muss sich etwas ändern. Ich bezahle lieber 50 Cent mehr für ein Medikament aus Deutschland, anstatt auf Produzenten anderer Länder angewiesen zu sein.“ (sd)

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