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Trauer um Band-Mitgründer Warum diese Tür Kraftwerk den Weg in die Welt öffnete

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Der Eingang zum ehemaligen Kling-Klang-Studio im Hinterhof der Mintropstraße 16 in Düsseldorf. Hier entwickelten Kraftwerk ihren legendären Sound.

Düsseldorf – Einer der Pioniere der elektronischen Musik ist tot. Florian Schneider-Esleben, Mitbegründer der legendären Gruppe Kraftwerk, ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

Florian Schneider-Esleben starb nach kurzer Krebserkrankung

Das gab das Musikunternehmen Sony am Mittwoch (6. Mai) in Berlin unter Berufung auf Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter bekannt. Schneider-Esleben sei bereits Ende April nach kurzer Krebserkrankung in Düsseldorf bei seiner Familie gestorben.

Seine musikalische Karriere begann der Sohn von Star-Architekt Paul Schneider-Esleben als Querflötist. In den Sechzigerjahren studierte er das Instrument viele Jahre an der Robert-Schumann-Musikhochschule in seiner Heimatstadt Düsseldorf, nebenher spielte er in verschiedenen Jazz-Bands.

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Kraftwerk-Auftritt aus dem Jahr 2015: Schneider-Esleben und seine Band-Kollegen gelten als Pioniere der elektronischen Musik.

Die Zusammenarbeit von Schneider und Hütter begann 1968 mit dem Musikprojekt „Organisation“. 1970 gründeten sie das Kling-Klang-Studio an der Mintropstraße und starteten Kraftwerk.

Kraftwerk: Ins Kling-Klang-Studio kam noch nicht einmal Bowie rein

In dem unscheinbaren Studio, das sich im Hinterhof der Mintropstraße 16 befand, entwickelte die Gruppe ihren elektronischen und minimalistischen Sound. Nicht einmal David Bowie soll Zutritt bekommen haben, als er in Düsseldorf zu Besuch war und sich das Studio ansehen wollte. Bowie war ein großer Bewunderer von Kraftwerk.

Wie viele andere Künstler auch: Tausende junger Musiker beriefen sich schon kurz nach der Gründung Kraftwerks auf die verschwiegenen und öffentlichkeitsscheuen Düsseldorfer Avantgardisten, die zunehmend Weltruhm erlangten.

Bei ihren ersten Auftritten wurden die Düsseldorfer „Ton-Architekten“ noch ausgebuht. Zu groß war der Bruch mit dem dominierenden Rock.

Kraftwerk beeinflusste Bands wie Depeche Mode und OMD

Doch das änderte sich bald: Schon in ihrer Anfangsphase wurden Kraftwerk als Sensation wahrgenommen, 1971 wählten die Leser des Musikmagazins Sounds sie zur „Gruppe des Jahres“. Florian Schneider-Esleben erreichte in der Rubrik „Musiker des Jahres“ Platz Zwei und kam unter den „Instrumentalisten des Jahres“ auf den dritten Platz. Das Stück Ruck Zuck, mit dem das Debütalbum Kraftwerk begann, war ab 1971 die Titelmelodie des ZDF-Politmagazins Kennzeichen D.

Mit „Autobahn“ hatte Kraftwerk dann 1974 den internationalen Durchbruch. Das Album war der erste Exportschlager deutscher Popmusik in die USA.

Besonders erfolgreich waren Kraftwerk in Großbritannien, wo sie ab 1975 Konzerte gaben. Ihre Musik beeinflusste junge Leute, die daraufhin eigene Bands gründeten. Darunter Depeche Mode, Human League, OMD und New Order. „Für jeden unserer Generation, der sich mit elektronischer Musik beschäftigt, waren Kraftwerk der Pate“, zitiert der Tagesspiegel Depeche Mode-Mitglied Martin Gore.

Florian Schneider-Esleben: Hochschulprofessur habe er nie angetreten

Juan Atkins, der Anfang der 80er Jahre den Begriff Techno prägte und als „Godfather des Techno“ gilt, bezeichnete die Band als seine „Götter“. Der musikalische Einfluss der Gruppe gilt als epochal.

Florian Schneider-Esleben war an den wegweisenden Kraftwerk-Alben Autobahn (1974), Radio-Aktivität (1975), Trans Europa Express (1977), Die Mensch-Maschine (1978) und Tour De France (2003) beteiligt.

1998 wurde Florian Schneider zum Professor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe berufen. Er sollte dort „Medienkunst und Performance“ lehren. „Er hat die Professur damals aber unseres Wissens nie angetreten“, sagte ein Hochschulsprecher nach Bekanntwerden des Tods von Schneider-Esleben.

Längst ist der weltweite musikalische Einfluss des Musikers und seiner Gruppe unbestritten. Kraftwerks Retrospektive wurde vor einigen Jahren in einigen der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt aufgeführt.
In der Kunstwelt wird Kraftwerk neben Mondrian und Kandinsky zwischen Minimalismus und Konstruktivismus sortiert. So eingängig ihr digitaler Sound, ihre Rhythmen und Melodien heute sind, so revolutionär und unerhört waren sie es in den 1970er Jahren.

Zuletzt sind Kraftwerk in Museen aufgetreten oder gaben anlässlich des Grand Départ am 1.Juli 2017, dem Start der Tour de France, im Düsseldorfer Ehrenhof ein 3-D-Konzert. Schneider-Esleben war da schon nicht mehr in der Band dabei.

Schneider-Esleben soll im Militärjeep durch Düsseldorf gefahren sein

Ende 2008 verließ er die Gruppe im Alter von 61 Jahren. 2014 erhielt er für sein Lebenswerk den Grammy.

Manchmal, so berichtet der Tagesspiegel, fuhr Schneider-Esleben in einem alten Militärjeep durch Düsseldorf.

„Mein lieber Florian“, twitterte der französische Elektro-Musiker Jean-Michel Jarre (71) am Mittwoch, „Deine Autobahn wird niemals enden, die Tour de France wird nie wieder dieselbe sein.“

Auch Oberbürgermeister Thomas Geisel sprach zum Tod Florian Schneider-Eslebens sein Mitgefühl aus: „Wie wir erst gestern erfahren haben, ist Florian Schneider-Esleben verstorben. Florian Schneider-Esleben war Mitbegründer und gemeinsam mit Ralf Hütter das Gesicht von Kraftwerk. Einer Band, die von Düsseldorf aus Musikgeschichte geschrieben hat. Kraftwerk hat seine Aufnahmen hier in Düsseldorf gemacht im berühmten Kling Klang Studio. Kraftwerk gilt als Pionier und Begründer der elektronischen Musik. Einer Stilrichtung, die weltweit für Furore gesorgt hat und den Ruf von Düsseldorf als Musikstadt, als Stadt der modernen Musik, der elektronischen Musik begründet hat."

OB Geisel weiter: „Wir werden Florian Schneider-Esleben ein ehrendes Andenken bewahren. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie und den Angehörigen." (dpa, nari)

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