„Wir sind dabei, die Altstadt aufzugeben“ Gewaltbereite Jugendliche dominieren Karneval in Düsseldorf

Drei Polizisten stehen vor feiernden Jugendlichen.

In Düsseldorf feierten mehrere Hundert Jugendliche Karneval. Die Polizei war, wie hier am Samstag (26. Februar 2022), vor Ort.

Die Karnevalsbilanz 2022 fällt in der Düsseldorfer Altstadt mehr als ernüchternd aus. Anstatt der Jecken dominierte überall das Blaulicht. Wieder gab es lebensgefährliche Messerstechereien.

Schlägereien, Raub, Messerattacken. Auch die Narren vermochten ihre Altstadt nicht mehr zurückzuerobern. Die Straßen gehören längst den gewaltbereiten jungen Männern, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, die in Scharen aus dem Düsseldorfer Umland an der mittlerweile „längsten Prügelmeile der Welt“ einfallen.

Feiern und Spaß haben wollen sie nicht. Sie suchen nur eins: Streit. Und die Probleme durch gewaltbereite Jugendliche haben trotz verschiedener Maßnahmen eher noch zugenommen. Was treibt die jugendlichen Straftäter zu solch unfassbaren Aggressionen? EXPRESS befragte den Psychologen Sebastian Bartoschek.

Karneval in Düsseldorf: Prima, um Dampf abzulassen

„Die Jungen sind frustriert, haben keine Perspektive. Die meisten von ihnen stecken noch in der Pubertät“, sagt Sebastian Bartoschek. „Sie wollen sich beweisen, bekommen dazu aber wegen Corona keine Gelegenheit. Alles, wo sie sich vorher trafen, hat zu. Auch Sport- und Freizeitaktivitäten waren lange nicht gegeben. Und dann ist die erste Gruppe nach Düsseldorf gefahren und hat festgestellt, dass man dort prima Dampf ablassen kann.“

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In der Altstadt trat dann das ein, was man die „Broken Windows“-Theorie nennt. Bartoschek: „Wenn das erste Fenster zu Bruch geht, schenkt man dem noch überhaupt keine Beachtung. Auch beim zweiten schlägt man keinen Alarm – was sind schon zwei kaputte Fenster in der ganzen Altstadt? Und ehe man sich versieht, sind alle Fenster kaputt. Heißt: Man hat die Entwicklung schlicht und einfach verschlafen.“

Sebastian Bartoschek sitzt auf einer Treppenstufe.

Sebastian Bartoschek (42) ist promovierter Diplom-Psychologe.

Psychologe: „Die Düsseldorfer sind dabei, ihre Altstadt aufzugeben“

Und wie bekommt man die Situation nun wieder in den Griff? Sebastian Bartoschek: „Die Düsseldorfer sind dabei, ihre Altstadt aufzugeben. Das darf nicht passieren. Deshalb müssen nun zwei Dinge gleichzeitig passieren: Die Polizei muss nun endlich knallhart und rigoros gegen die Straftäter vorgehen, ihnen die Lust auf die Altstadt nehmen. Gleichzeitig muss die Altstadt wieder für die Düsseldorfer attraktiv gemacht werden. Damit diese gleich wieder ihren Platz einnehmen.“

Von heute auf morgen werde das allerdings laut Sebastian Bartoschek nicht gehen: „Man braucht einen langen Atem, der Prozess kann Monate dauern. Aber man muss endlich damit anfangen. Denn je mehr Gewalttaten in der Altstadt passieren, desto länger werden die Düsseldorfer brauchen, um wieder dorthin zurückzukehren.“

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