Kein Geld für Tickets Muss Düsseldorferin für Schwarzfahren in den Knast?

Gisa März kniet auf dem Bürgersteig mit ihrem Hund „Balu“.

Gisa März (56) hat Angst ihren Hund „Balu“ und ihre Wohnung zu verlieren. 

Die Düsseldorferin Gisa März wurde mehrfach beim Schwarzfahren erwischt. Nun musste sich die 56-Jährige vor dem Amtsgericht verantworten.

Ein Jahr ins Gefängnis wegen Schwarzfahrens mit der Rheinbahn? Klingt aberwitzig, ist es aber nicht. Denn genau dies drohte „fiftyfifty“-Verkäuferin Gisa März.

Die 56-Jährige soll in den Knast, weil sie sich die Tickets nicht leisten konnte. Sie könnte nun alles verlieren, was sie hat: ihre kleine Wohnung und ihren geliebten Hund.

Düsseldorferin Gisa kämpft weiterhin mit ihrer Heroinsucht

Seit elf Jahren verkauft Gisa März bei Wind und Wetter die Obdachlosen-Zeitung „fiftyfifty“. Stets an ihrer Seite: der treue Labrador „Balu“. Als Stadtführerin begeisterte sie zuletzt viele Menschen beim Projekt „Straßenleben“, bei dem Obdachlose die Stadt aus ihrer Sicht zeigen.

Obwohl Gisa nach wie vor mit ihrer Heroinsucht kämpft, hatte sie es irgendwie geschafft. Die Düsseldorferin ist seit vielen Jahren im Methadonprogramm.

Vor acht Jahren kam sie endlich von der Straße weg und zog in eine kleine Wohnung in Benrath. Die ist allerdings kilometerweit von der Methadonambulanz entfernt.

Weil sie sich die Tickets nicht leisten konnte, fuhr Gisa schwarz. 2019 wurde die 56-Jährige zweimal erwischt und bekam dafür sechs Monate auf Bewährung, da sie wegen bereits weit zurückliegender Vorfälle als Wiederholungstäterin eingestuft wurde.

Düsseldorfer Staatsanwaltschaft fordert ein Jahr Haft wegen Schwarzfahrens

Notgedrungen fuhr Gisa allerdings weiterhin ohne Ticket zum Arztbesuch. Und ging den Kontrolleuren zwei weitere Male ins Netz. Die Bewährung war nun natürlich hinfällig.

Nun forderte die Staatsanwaltschaft die doppelte Strafe: ein Jahr Knast! Für Gisa März der absolute Albtraum: „Ich habe nie einem Menschen etwas getan, und soll nun für ein Jahr ins Gefängnis“, so die Düsseldorferin unter Tränen. „Wenn das passiert, verliere ich alles“, sagt Gisa März.

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„Dann ist meine Wohnung weg, weil das Jobcenter sie nicht mehr bezahlt. Wenn ich rauskomme, schlafe ich also wieder auf der Straße. Und was passiert mit ‚Balu‘, während ich im Gefängnis bin? Er kommt dann ins Tierheim, und ich sehe ihn vielleicht nie wieder.“

Am Donnerstag (27. Oktober 2022) gab es zu Gisas Fall noch mal eine Anhörung vor dem Düsseldorfer Amtsgericht. Rückendeckung bekam sie von „fiftyfifty“-Mitarbeiter Oliver Ongaro, der Gisa begleitete.

„Das Ganze ist absoluter Irrsinn“, sagte der Sozialarbeiter zu EXPRESS.de. „Man ruiniert Gisas ganzes Leben und den Steuerzahler kostet ihre Haft 100.000 Euro.“

Mit Hilfe von „fiftyfifty“ hat Gisa jetzt ein Monatsticket

Immerhin: Die Staatsanwaltschaft bestand letztendlich nur noch auf sechs Monate Haft – für die letzten Beförderungserschleichungen.

Gisa durfte nun erst einmal als freie Frau das Gericht verlassen. Fortsetzung folgt ... Mit Hilfe von „fiftyfifty“ kann Gisa jetzt übrigens ein Abo für ein Monatsticket abschließen.

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