Entlassungen bei der Düsseldorfer „D.Live“ Wusste der Aufsichtsrat von nichts?

Neuer Inhalt (3)

Klaus Mauersberger ist Aufsichtsrat von „D.Live“ und wurde nach eigenen Angaben von der Mitteilung der Kündigungen völlig überrascht.

Düsseldorf – Die Entlassung von 190 Mitarbeitern der Düsseldorfer „D.Live“ - sie hat den eigenen Aufsichtsrat kalt erwischt. So sagt das jedenfalls ein Mitglied des Gremiums.

Klaus Mauersberger sitzt für die CDU-Fraktion im Aufsichtsrat der 100-prozentigen Stadttochter und ist fassungslos: „Für den Sch... hat die Geschäftsführung eine SMS geschickt - aber wenn 190 Leute vor die Tür gesetzt werden, erfahren wir das im wahrsten Sinne des Wortes aus der Zeitung.“

Mauersberger ist stocksauer auf die „D.Live“-Chefs: „Wenn die solche Maßnahmen ergreifen, dann müssen sie sich die Frage gefallen lassen, ob man nicht auch ihre eigenen Jobs mal auf den Prüfstand stellen sollte.“

Alles zum Thema Corona

Dieser Aussage widerspricht „D.Live“ heftig: Mauersberger sei bei allen Aufsichtsratssitzungen, in denen das Thema besprochen und abgesegnet wurde, dabeigewesen. Das sei durch Protokolle und Audioaufzeichnungen der durchgeführten Sitzungen belegbar.

Düsseldorf: 190 Entlassungen bei „D.Live“: So kamen die Kündigungen ans Licht

Kaum einer Branche geht es in Corona-Zeiten so schlecht wie der, die sich mit Veranstaltungen beschäftigen.

Und so waren die Mitarbeiter der städtischen Veranstaltungstochter „D.Live“ heilfroh, als OB Thomas Geisel am 19. Juni in seinem „Corona-Talk“ verkündete, dass man bei der 100-prozentigen Stadt-Tochter auf betriebsbedingte Kündigungen verzichte.

Jetzt allerdings bekamen 190 Mitarbeiter doch eine solche Kündigung …

Düsseldorf: Diese 190 D.Live-Mitarbeiter sind von Kündigungen betroffen

Auf EXPRESS-Anfrage bestätigte „D.Live“-Sprecher Stefan Korff die Kündigungen: „Es handelt sich um zehn Festangestellte sowie 180 Aushilfen/kurzfristig Beschäftigte/Abrufverträge. Der ganz überwiegende Teil der Mitarbeiter wurde dabei in der Gastronomie beschäftigt.“

Die meisten der Betroffenen seien weniger als zwei Jahre bei „D.Live“ beschäftigt. Es gibt allerdings auch vier Gekündigte, die 15 bis 20 Jahre bei dem Unternehmen oder seinen Vorgängerorganisationen im Dienst waren.

Düsseldorf: Nur zehn D.Live-Mitarbeiter bekamen Job- oder Abfindungsangebote

Einer dieser Mitarbeiter habe ein vertragliches Rückkehrrecht in den Dienst der Stadt. Auch den anderen Festangestellten habe die Stadt angeboten, in ihre Dienste zu wechseln, wie Geisel gegenüber dem EXPRESS betont.

Neuer Inhalt (3)

„D.Live“-Chef Michael Brill ließ 190 Mitarbeitern die Kündigung schicken.

Diesen Mitarbeitern wurden auch Abfindungen angeboten, wenn sie ausscheiden – und sogar erhöhte Abfindungen, wenn sie auf den Gang vor das Arbeitsgericht verzichten (diese Angebote liegen dem EXPRESS vor).

Düsseldorf: 180 Mitarbeiter wurden in Corona-Zeiten vor die Tür gesetzt

Keine solche Chance haben die 180 Klein-Beschäftigen, die oft „Abrufverträge“ haben, also bei Veranstaltungen bei Bedarf hinzugerufen wurden. Sie bekamen eine „knallharte“ Kündigung, also einen schlichten Rauswurf.

Und auch wenn sie das in Corona-Zeiten besonders hart trifft, betonen „D.Live“ und der OB gemeinsam, dass die Kündigungen nichts mit der Pandemie zu tun hätten:

Düsseldorf: Das sagt OB Thomas Geisel zu den Kündigungen bei D.Live

„Kündigungen auszusprechen zu müssen, ist grundsätzlich die schwierigste Aufgabe eines Verantwortlichen in einem Unternehmen. Ich weiß, dass sich die Geschäftsführung von 'D.Live' diese Entscheidung, über die seit Herbst 2019 diskutiert wurde, nicht leicht gemacht hat“, betont der Oberbürgermeister.

Hier der Corona-Talk von OB Thomas Geisel: Spannend wird es zum Thema „D.Live“ ab Minute 30:

„Wie mir die Geschäftsführung darlegte, sei der Gastronomie-Bereich immer defizitär gewesen. Die Entscheidung, diesen Geschäftsbereich aufzugeben, hat mit der Corona-Krise nichts zu tun. Dementsprechend gilt meine Aussage im Corona-Talk im Juni weiterhin, dass wir auf betriebsbedingte Kündigungen bei städtischen Töchtern, die durch die Corona-Folgen begründet wären, verzichten.“

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.