Wie im Actionfilm Düsseldorfer Polizei fasst Bande – warum Ermittler anonym bleiben muss

Staatsanwalt Christian Wirtz zeigt einen der gestohlenen Katalysatoren, die bei der Festnahme der Bande sichergestellt wurden.

Staatsanwalt Christian Wirtz zeigt einen der gestohlenen Katalysatoren, die bei der Festnahme der Bande sichergestellt wurden.

Die Polizei hat jetzt in Düsseldorf eine Katalysator-Bande hochgenommen. Der Einsatz erinnert an einen Action-Thriller.

Es sind die Versatzstücke eines Action-Thrillers: die Suche nach schier unauffindbaren Spuren, verdeckte Einsätze mit dutzenden Polizisten und Polizistinnen, eine spektakuläre Flucht entlang der Fassade eines Hochhauses, Ermittlungen über Landesgrenzen hinweg und am Ende eine Festnahme wie ein Paukenschlag.

Doch all das ist nicht Fiktion, sondern ein ganz realer „Krimi“, den die Düsseldorfer Polizei am Donnerstag (19. Januar 2023) vorstellte. Im Mittelpunkt: eine dreiste Bande von Katalysator-Dieben.

Düsseldorf: Flucht entlang der Fassade eines Hochhauses

Auch das ist filmreif: Der Super-Ermittler, der in monatelanger Kleinarbeit die Bande zur Strecke brachte, muss anonym bleiben, darf nicht fotografiert werden und wird nur „Ralf B.“ genannt – die Polizei will einen solchen Top-Fahnder nicht „verbrennen“, indem sie ihn öffentlich macht – schließlich ist er noch an anderen schweren Straftaten „dran“.

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Aber wenn „Ralf B.“ davon erzählt, wie er und seine Kollegen und Kolleginnen der „EK Kat“ die Bande überführt und sieben von acht Tätern festgenommen haben, dann staunen selbst erfahrene Beobachter und Beobachterinnen. So liefen die Ermittlungen:

Die Ausgangslage: Die Polizei stellte fest, dass sich die Diebstähle von Katalysatoren speziell in Düsseldorf und im Umland häuften: „Es ist eine zweistellige Zahl von Taten jeden Monat“, bestätigt der Kriminalinspektionsleiter Martin Mehlhorn. „Wir haben also im Schnitt einen geklauten Kat pro Tag.“ Die „EK Kat“ wurde gegründet, mit „Ralf B.“ an der Spitze.

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Einkreisen der Täter: Die Ermittler und Ermittlerinnen fuhren das gesamte moderne Know-how auf, sicherten Tatortspuren, untersuchten Telefondaten und Videos aus der Tatortnähe. Sie bildeten „Schnittmengen“ und stießen auf zwei Autos, einen Audi und einen BMW, die immer in der Nähe waren, wenn geklaut wurde.

Suche nach Tatfahrzeugen: Um die dazugehörigen Täter zu finden, brauchten die Fahnder und Fahnderinnen diese Autos. 14 Tage schwärmten verdeckte Ermittler und Ermittlerinnen in großer Zahl aus, fanden schließlich den BMW im Düsseldorfer Süden – und brachten einen GPS-Peilsender an.

Identifizierung der Täter: Langsam wurden die Identitäten der Katalysator-Diebe klar: „Es sind acht Männer im Alter von 19 bis 28 Jahren“, erläutert „Ralf B.“ Und diese Acht kommen offenbar aus dem selben Dorf, sind teilweise miteinander verwandt. „Wir konnten nachweisen, dass sie zwischen März und Juni 2022 17 solche Diebstähle begangen haben. Die Beweise reichten für Haftbefehle.“ Er beschreibt die Gangster als „höchst aggressiv, gewalttätig, bewaffnet und mit hohem Fluchtpotenzial.“

Internationale Fahndung: Bald wurde klar, dass die Bande von ihrer Zentrale in Düsseldorf aus nicht nur hier, sondern auch im niederländischen Den Haag aktiv war. „Wir haben also aus dem nationalen Haftbefehl einen europäischen Haftbefehl gemacht und eng mit den sehr kooperativen niederländischen Kollegen zusammengearbeitet“, erzählt der Ermittler.

Die Festnahmen: Nun war das Ziel, die acht Täter möglichst zeitnah festzunehmen, damit nicht nach einer Festnahme die anderen spurlos verschwinden konnten. Dieser Tag war am 2. November gekommen, als einer der Täter in einem BMW X5 an einem Hochhaus in Hassels gesichtet wurde. Man entschloss sich zum Zugriff und umstellte das Haus. Aber als die Polizisten und Polizistinnen die Tür zu der konspirativen Wohnung aufbrachen, legte der Mann eine unglaubliche Flucht hin: vom Balkon in der vierten auf den in der fünften Etage, dann aufs Flachdach und durch eine Dachluke im Nachbarhaus wieder abwärts. Doch hier klickten dann die Handschellen. Innerhalb von zwei Wochen wurden sechs seiner Mittäter verhaftet, auch in Rumänien und in Madrid.

„Wir werden schweren Bandendiebstahl anklagen“, sagt der zuständige Staatsanwalt Christian Wirtz.

Und warum klaut man Katalysatoren? Im Inneren sind seltene Metalle wie Platin, Palladium und Rhodium – „wertvoller als Gold“, sagt Mehlhorn.

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