Prozess in Düsseldorf Enkelin krank: Da wurde Opa zum Juwelen-Dieb

Osman K. vor dem Düsseldorfer Amtsgericht. Hier mit seiner Anwältin Tanja Kretzschmar

Am Donnerstag (6. Oktober 2022) wurde Osman K. (r.) vor dem Düsseldorfer Amtsgericht der Prozess gemacht. Hier mit seiner Anwältin Tanja Kretzschmar.

Um seiner Enkelin zu helfen, wurde ein 60-Jähriger kriminell. Am Donnerstag stand er deswegen vor Gericht.

Mit seinen sechzig Jahren war Osman K. (Name geändert) bisher tadellos durchs Leben gegangen. Doch für seine kleine Enkelin kam er dann doch auf die schiefe Bahn. Und landete zum ersten Mal in seinem Leben in Haft.

Am Donnerstag (6. Oktober 2022) war sein Prozess. Ins Amtsgericht wurde Osman K. in Handfesseln geführt.

Düsseldorf: Prozess gegen Möchtegern-Ganoven

Als der 60-Jährige damals einen Hilferuf seiner alleinerziehenden Tochter bekam, zögerte er nicht lange: Sofort reiste er zu ihr in die benachbarten Niederlande. Osmans Enkelin ist geistig und körperlich behindert. Der Vater hatte sich aus dem Staub gemacht.

Osmans Tochter war völlig überfordert. Vor allem, weil gerade zu diesem Zeitpunkt dringend medizinische Behandlungen für die Kleine erforderlich waren. Opa Osman, der gelernter Schlosser und Maurer ist, versuchte, einen Job in den Niederlanden zu bekommen, um seine Tochter und die Enkelin finanziell unterstützen zu können. Doch alle seine Mühen waren vergeblich.

Düsseldorf: 60-Jähriger wollte seiner Enkelin helfen

In einem Café in Middelburg vertraute der 60-Jährige seinen Frust einem Landsmann an. Der schlug vor, in Düsseldorf einen Juwelier zu überfallen. Anwältin Tanja Kretzschmar erklärte: „Man sagte meinem Mandanten, das sei ein Kinderspiel und völlig ungefährlich, weil es keine Überwachungskameras gibt.“

Für den Job sollte Osman 2000 Euro bekommen. Zwei weitere Landsleute waren ebenfalls angeheuert worden. Man stattete das Trio mit einem Auto aus, rüstete es mit Taschen, schwarzer Tarnkleidung und einer Brechstange aus.

Prozess in Düsseldorf: Gericht trifft Entscheidung

Die Möchtegern-Ganoven fuhren nach Düsseldorf und übernachteten im Auto. Morgens gegen vier Uhr traf man am Tatort ein: einem Juwelier-Geschäft an der Rethelstraße. Dort hatten die Anstifter wohl schon alles ausbaldowert und einen angeblich todsicheren Plan ausgeheckt.

Die drei hebelten mit der Brechstange die Rollläden des Geschäftes auf und brachen die Tür auf. Drinnen griffen sie nach den Auslagen und dem Schmuck in Vitrinen und Schubladen. Opa Osman stopfte alles in einen Beutel.

Doch Nachbarn hatten den Bruch bemerkt und die Polizei gerufen. Die fahndete nach den Tätern, entdeckte das Trio in einer Nebenstraße. Die zwei Komplizen gaben Fersengeld. Doch Opa Osman ließ sich festnehmen. Der Ersttäter hatte die gesamte Beute (Wert: 83.566 Euro) noch bei sich – zur Erleichterung des Juweliers und dessen Frau.

Am Ende des Prozesses kam der 60-jährige Osman K. mit zehn Monaten auf Bewährung davon. Er durfte das Gericht ohne Handfesseln als freier Mann verlassen.

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