Nach zwölf Jahren: Sohn fleht Gerichte an „Liefert den Mörder meines Vaters aus!“

IMG_E4870

Der EXPRESS-Reporter fand Kevin (29), der als angeblicher Vatermörder acht Monate unschuldig in Haft saß, in einer Brasserie in Antwerpen.

Düsseldorf/Krefeld/Antwerpen (Belgien) – Ein Justizskandal erschüttert das Vertrauen in das  „vereinte“ Europa und lässt Angehörige Ermordeter verzweifeln.

Kevin Huypens (29) saß 2007 als „Vatermörder“ acht Monate unschuldig in Haft, ehe der Krefelder Mordermittler Gerhard Hoppmann vor elf Jahren den wahren Mörder fand:  Fred W., der in Krefeld einen Autohändler erschoss, war auch der Mörder seines Vaters!

Bis heute wurde Wittig nicht ausgeliefert und nicht  bestraft – weil die Justiz in beiden Ländern zu versagen scheint - ein Jahrzehnt und keine Lösung?

MDS-EXP-2016-07-15-71-101983945

Steve Huypens: Der Autohändler aus Schilde (Belgien) soll  ebenfalls von Fred W. erschossen worden sein.

Sein Sohn in Antwerpen:  „Es ist ein Alptraum"

EXPRESS fand Kevin Huypens in Antwerpen. Der völlig überraschte 29-Jährige mit stockender Stimme:

„Das ist ein Alptraum, der schon zwölf Jahre andauert.  Er verfolgt mich. Herr Hoppmann hat mein Leben gerettet. Ich wäre sonst verurteilt worden.  Das hätte ich nie überlebt. Meine Mutter,  meine Großmutter und ich können nicht abschließen.  Ich appelliere an die deutsche Justiz: „Liefert den Mörder meines Vaters endlich aus!“

Angeblich soll bald eine Entscheidung fallen … aber das hat ein ganzes Jahrzehnt auch nicht geklappt.

Grund: In den beiden Nachbarländern liefern sich die Justiz in Antwerpen und das zuständige Oberlandesgericht Hamm seit Jahren Paragrafenkämpfe.

Hamm will, dass W. auch wieder zurücküberstellt wird und dass er nicht noch mal lebenslänglich bekommt – denn so etwas ist im deutschen Gesetz nicht vorgesehen.  Einmal lebenslänglich hat er ja  – für den Mord in Krefeld, ein Urteil des Schwurgerichts in Krefeld im August 2009.

Erklärung des Generalstaatsanwalts

Zuständig für einen Beschluss über die Auslieferung nach Belgien ist der 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts in Hamm. Der Senat verweist auf eine noch nicht beantwortete Anfrage aus Belgien und im Weiteren auf die Generalstaatsanwaltschaft Hamm. 

Oberstaatsanwalt Tim Engel erklärt für die Generalstaatsanwaltschaft Hamm:

„Der Senat hält es nach vorläufiger Bewertung für erforderlich, dass der Verfolgte nach etwaiger Verurteilung in Belgien nach Deutschland zurücküberstellt wird und dass die Rücküberstellung nicht an die Übernahme der Vollstreckung der Strafe aus einem etwaigen belgischen Urteil geknüpft werden würde. Nach Ansicht des Senats könnte eine möglicherweise in Belgien zu verhängende weitere lebenslange Freiheitsstrafe neben der in Deutschland bereits verhängten, die der Verfolgte derzeit verbüßt, nicht vollstreckt werden."

Zum Zeitablauf: „Die von dem Oberlandesgericht Hamm gestellten Bedingungen für eine Auslieferung und unsere Erinnerung aus Oktober 2018 ist bislang unbeantwortet geblieben."

Eine Zustimmung sei bereits erfolgt. Belgien hat zugesagt, dass Fred W. nach einem Prozess in Belgien wieder nach Deutschland überstellt wird.

EXPRESS fordete mehrfach die belgischen Justizbehörden zur einer Erklärung auf, auch zu der Frage, warum Anfragen der deutschen Justizbehörden nicht oder nur schleppend beantwortet werden. Die Anfrage wurde zwar bestätigt, aber nicht beantwortet. Der Vorgang soll jetzt beim belgischen Justizminister Koen Geens liegen.

Belgien: Kein Interese am Mordprozess?

Man muss den Eindruck haben, dass Belgien an der Auslieferung nicht sonderlich interessiert ist. EXPRESS fand heraus, dass ein europäischer Haftbefehl gegen Fred W. erst 2013 beantragt und erlassen wurde, obwohl der Mordverdacht gegen Fred W. bereits seit dem Jahre 2008 besteht.

Wird der Fall zur europäischen Affäre?

Nach diesen Sachverhalten scheint es eine Frage der Zeit zu sein, wann der Europäische Gerichtshof und/oder der Generalanwalt angerufen wird, um die Rechte der Angehörigen der Opfer in Belgien und Deutschland durchzusetzen, so auch die Frage der bislang abgelehnten Haftentschädigung für Kevin Huypens, der 2007/2008 acht Monate unschuldig in belgischer Untersuchungehaft saß und bislang keinen Cent Haftentschädigung bekam. .

Täter

Fred W. vor dem Krefelder Schwurgericht wo er wegen des Mordes am Krefelder Autohändler Askihn Uludag  lebenslänglich bekam.

Kevin Huypens: „Für mich ist klar, warum Belgien den Mörder nicht will. Dann kommt nämlich öffentlich heraus, wie  die Polizei in Antwerpen mich zum Vatermörder stempelte und warum die Richter das  mitmachten.“

Kugel im kopf

So berichtete EXPRESS wiederholt über den Doppelmord und über den Mord in Krefeld, der auch als Skandal in die Kriminalgeschichte einging. Der Gerichtsmediziner hatte im Kopf des Toten eine Kugel übersehen bis Gerhard Hoppmann den Toten exhumieren kleiß...

„Die wollten einen Mörder haben“

Ex-Ermittler Marius van G. (Name geändert) aus Antwerpen vertraulich: „Ein schlimmer Fall, bei dem wir uns von Kollegen aus Krefeld vormachen lassen mussten, wie man einen Mordfall klärt. Der Fall ist klar: Der Junge war immer unschuldig. Die Kollegen hier wollten einen Mörder haben. Wir bekamen aus Krefeld 2009 die klaren Beweise auf den Tisch gelegt. Der W. hatte Huypens mit der gleichen Waffe erschossen. Das war beschämend für uns.“

Kevin: „Die Justiz hat hier auch keinen Anstand. Bis heute habe ich keinen Cent Entschädigung bekommen.“

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.