„Menschenverachtend“ Soll störende Jugendliche vertreiben – Düsseldorf diskutiert über Ultraschallgerät

Leere Flaschen, die vorher mit alkoholischen Getränken gefüllt waren, stehen am Rheinufer vor einem Krankenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht.

In Düsseldorf wird über das Gerät „Mosquito“ diskutiert, das störende Jugendliche mit einem Piepsen vertreiben soll. Das Symbolbild wurde am 1. Januar 2022 aufgenommen.

Düsseldorf diskutiert darüber, ob in der Altstadt künftig ein unangenehmer Piepton ertönen darf. Was es mit der seltsamen Idee auf sich hat.

Trauriger Trend auch in Düsseldorf: Provokationen, Beleidigungen und Gewalttaten werden in der Innenstadt und Altstadt zunehmend zum Problem – betroffen sind auch Ordnungs- und Sicherheitspersonal.

Allein in den letzten zehn Jahren habe sich die Zahl der Fälle mehr als versechsfacht, so eine Mitteilung der Stadt vom 4. Mai.

Nun diskutiert die Landeshauptstadt über Möglichkeiten, die unerwünschten Gäste zu vertreiben. Im Zentrum der Debatte: ein kleines, nerviges Gadget.

Projekt soll Düsseldorfer Innenstadt und Rheinufer sicherer machen

Das Gerät, das die einen für die Rettung, die anderen für grundgesetzwidrig halten, hat den eingängigen Namen „Mosquito“ und funktioniert de facto wie eine Hundepfeife. Nur, dass damit weder Stechmücken noch Haustiere angesprochen werden sollen.

Stattdessen soll es Jugendlichen auf die Nerven gehen: Dazu sendet das umstrittene Tool Störwellen zwischen 17 und 18,5 Kilohertz aus, die nur für Menschen bis 25 Jahren hörbar seien, wie die „Rheinische Post“ berichtet.

Bisher hat man sich gegen das Instrument gesträubt, nun wird es aber im Rahmen des Projekts „Sicherheit in der Innenstadt“ neu evaluiert. Hintergrund seien „vermehrt gewaltbereite und störende Personen“ in der Innenstadt, am Rheinufer und in der Altstadt, so die Stadt Düsseldorf.

Besonders am Wochenende oder am Abend vor Feiertagen würden sich kriminelle Vorkommnisse häufen.

Mit dem Maßnahmenbündel wolle man eine sichere Innenstadt schaffen, „in der sich Düsseldorferinnen, Düsseldorfer und ihre Gäste gerne aufhalten“, betont der leitende Polizeidirektor Dietmar Henning.

Doch der neueste Lösungsvorschlag wirft Fragen auf. Nicht nur, dass sich im betroffenen Viertel in der Altstadt in der Nähe vom Rheinufer neben Gaststätten auch Wohngebiete befinden. Man stempele auch alle Jugendliche als Kriminelle ab und würde sie letztlich nur in andere Gebiete verdrängen, moniert Erik Stephan vom Jugendrat gegenüber der „Rheinischen Post“: „Das kann nicht die Lösung sein“.

Düsseldorf: „Mosquito“ soll störende Jugendliche vertreiben

Schockiert zeigt sich auch Bezirksbürgermeisterin Annette Klinke von den Grünen: Das sei geradezu „menschenverachtend“. Damit bestrafe man eine große Gruppe junger Menschen, die keineswegs nur aus Störenfrieden bestehe.

Zudem ist nicht geklärt, ob das Gerät überhaupt gesundheitlich unbedenklich ist. In ihrem Antrag gegen den Einsatz des „Mosquito“-Geräts warnt die Ratsfraktion der Linken gegen bleibende Hörschäden im hohen Bereich, die insbesondere bei längerer Einwirkung auftreten können. Das habe ein Gutachten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) 2007 ergeben.

Bürgermeister Stephan Keller habe das Projekt im Januar angestoßen und sei nach wie vor entschlossen, zu prüfen, ob man das Ultraschallgerät in der Innenstadt einsetzen könne, entrüstet sich die Linke. Ob dem Gegenantrag der Fraktion stattgegeben wird, soll in der Ratssitzung am Donnerstag (19. Mai) entschieden werden. (str)

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