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Eltern-Aufstand Jugendamt plant Kürzungen und Kontrollen bei Großtagespflegen

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Großtagespflege-Betreiberin Birgit Schlebusch mit ihren Schützlingen in den Räumen der „Fleher Engelchen“. Müssen die Betreuungszeiten bald eingeschränkt werden?

Düsseldorf – Seit 2013 hatte die Stadt private Großtagespflegen für die U3-Betreuung gefördert.

Doch jetzt die Wende: Man will den Einrichtungen nur noch 35 Stunden pro Woche bezahlen. Die Betreiber fürchten um ihre Existenz. Und die Eltern um die Betreuungszeiten.

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Sorgen sich um ihre Großtagespflegen: Kristin Karakus („Tageslicht“ in Bilk), Birgit Schlebusch („Engelchen“ in Flehe) und Franz Paschmann („Flohnest“ Unterrath).

Birgit Schlebusch betreibt zwei Großtagespflegen in Flehe und Benrath. „Wenn diese Regelung so umgesetzt wird, ist das für mich existenzbedrohend“, sagt die Unternehmerin.
Bislang betreibt sie ihre Tagespflege (maximal neun Kinder erlaubt) auf 42-Stunden-Basis.

„Ich halte dafür das Personal und die Infrastruktur vor“. Das Jugendamt plant nun, den Tagespflegen generell nur noch 35 Stunden pauschal zu bezahlen. Den Rest nur gegen den Nachweis der Anwesenheit der Kinder.

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Irina Rehag (29), Erzieherin, und Mila (1 ): „Momentan arbeite ich in der Einrichtung, in der mein Kind ist, das soll sich aber bald ändern. Dann wäre auch ich an die Zeiten gebunden – käme hier eine Mutter zu spät, müsste ich länger arbeiten, käme ich auch zu spät.“

Das Problem der Tagespflegen

Durch den ohnehin schon reduzierten Tagessatz, den sie im Vergleich zu Kitas für die Betreuung bekommen, ist die gesamte Finanzierung gefährdet.

Denn wenn viele Kinder früher abgeholt werden, das Personal aber für die gesamte Zeit bereitgestellt werden muss, tut sich eine Finanzierungslücke auf. Die Konsequenz: „Ich muss dann meine Angestellten auf Teilzeit setzen und generell um 14 Uhr zumachen. Die Eltern, die eine längere Betreuung brauchen, haben dann ein Problem.“

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Alexa Kasper (32), Juristin, und Felix (2): „Für mich ist Flexibilität sehr wichtig. Ich möchte mich gar nicht festlegen lassen auf eine feste Zeit, weil es ja auch sein kann, dass sich früh abzeichnet, dass ich es nicht schaffe. Am liebsten wäre mir, wenn alles bleibt, wie es ist.“

Rund 3000 Kinder unter drei sind in Düsseldorf in der Großtagespflege – 25 Prozent der gesamten Betreuungsplätze in dieser Altersklasse. Dazu geschätzte weitere 3000 bei privaten Tagesmüttern und -vätern.
Jugendamtsleiter Johannes Horn: „Es hat Fälle von Betrug gegeben. Großtagespflegen haben früher geschlossen, aber die vollen Stunden erstattet bekommen. Wir wollen jetzt eine Kontrolle, die aber auf freiwilligen Angaben der Einrichtungen basiert.“

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Viktoria Pachinger (31), Zahnärztin, und Josephine (2): „Bei diesem Modell, was vorgeschlagen wird, müsste ich ja, wenn ich mal später aus der Praxis komme, vielleicht  dazuzahlen – und früher kommen könnte ich nicht. Mich da so einzuschränken, das halte ich für falsch.“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, für die FDP im Jugendhilfeausschuss meint: „Der Steuerzahler soll nur das bezahlen, was auch geleistet wird.“
Paula Elsholz von den Grünen sagt: „Wir brauchen die Großtagespflege. Sollte das Jugendamt mit so einem Plan in den Ausschuss kommen, werden wir nicht zustimmen.“

Auch Ausschusskollege Andreas-Paul Stieber (CDU) sieht die Pläne eher kritisch. „Wenn die Verwaltung Sparpotenziale sieht, soll sie uns deutlich machen, dass sie ohne Zerstörung der Strukturen möglich sind.“

Und die Ausschuss-Vorsitzende Ursula Holtmann-Schnieder betont: „Wenn es Härtefälle gibt, muss das geregelt werden. Wir warten ab, wie die Vorlage von Herrn Horn aussieht. Dann entscheiden wir, ob wir dem zustimmen können.“  

Kommentar von EXPRESS-Reporter Marc Herriger: Hände weg von der U3-Betreuung

Im Kindergartenjahr 2016 fehlten über 2000 Plätze in der U3-Betreuung, dieses Jahr werden es wohl wieder rund 1500 sein. Ausgerechnet jetzt sorgt das Jugendamt für Unruhe in der Kinderbetreuung.

Die Großtagespflegen werden allesamt von privaten Unternehmern getragen. Die brauchen wirtschaftliche Sicherheit. Die Eltern brauchen die Sicherheit, dass ihr Kind in den Zeiten betreut wird, die sie brauchen.

Durch die Umstellung drohen aber viele Vollzeitplätze verloren zu gehen, weil die Tagespflegen sie nicht mehr finanziert bekommen. Wenn die Stadt mehr 35-Stunden-Plätze will, muss sie die ausreichend finanzieren.

Sonst verspielt die Stadt Düsseldorf ihren Nimbus als familienfreundlichste Großstadt des Rheinlands schneller, als ein Kleinkind „Mama“ sagen kann.

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