Häusliche Gewalt in Düsseldorf in Corona-Zeiten Frauenhäuser sind bereits überfüllt

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Häusliche Gewalt: In den Zeiten der Kontaktsperre wegen der Corona-Krise könnte sie erheblich zunehmen (Symbolbild),

Düsseldorf – Es ist ein unter Kriminalisten und Psychologen bekanntes Phänomen: Sind die Menschen allzu lange gemeinsam zu Hause, dann steigt die Gefahr, dass es Fälle von häuslicher Gewalt gibt. An den Weihnachtstagen ist das regelmäßig so, beim Jahreswechsel auch.

Passiert das jetzt auch während der Kontaktsperre in der Corona-Krise?

Häusliche Gewalt bei Corona-Kontaktsperre: Politiker sind alarmiert

Diese Befürchtung hat auch schon NRWs Innenminister, Herbert Reul (CDU), vor wenigen Tagen geäußert und dabei den Ernst dieses Themas betont.

Auch der Düsseldorfer OB Thomas Geisel erwähnt diesen Aspekt in einer Stellungnahme, bezieht sich dabei jedoch vor allem auf die jüngere Generation in Zusammenhang mit der Schulschließung.

Häusliche Gewalt bei Corona-Kontaktsperre: Polizei hält Auseinandersetzungen für wahrscheinlich

Der EXPRESS fragte im Düsseldorfer Polizeipräsidium nach – und auch hier wird ganz offensichtlich die Befürchtung geteilt: „Die Vermutung ist da“, sagt ein Polizeisprecher. Seriöse Angaben oder Zahlen gäbe es zur Zeit zwar noch nicht, aber es sei durchaus wahrscheinlich, dass „es öfter zu Streitigkeiten kommen kann.“

Häusliche Gewalt bei Corona-Kontaktsperre: Frauenhaus voll belegt

Die Geschäftsführerin des Frauenhauses in Düsseldorf „Frauen helfen Frauen e.V.“, Birgit Rossdeutscher, beschreibt die aktuelle Situation so, dass das Haus generell schon voll belegt sei und der Austausch durch das Corona-Virus dazu noch „deutlich erschwert“ wird: „Wir wollen die Frauen und Kinder in unserem Haus schützen, deshalb mussten wir als Reaktion auf die aktuelle Situation die Türen nach außen hin schließen.“

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Rossdeutscher bestätigt außerdem das erhöhte Risiko von häuslicher Gewalt, welches dadurch entsteht, dass die Menschen und Familien mehr Zeit auf engem Raum, ohne Ausweichmöglichkeiten, verbringen. Davon sind meist nicht nur Frauen, sondern auch Kinder betroffen.

Häusliche Gewalt bei Corona-Kontaktsperre: Politik regt ungewöhnliche Lösung vor

In dieser Lage fordert die Politik bereits spektakuläre Konsequenzen aus der verschärften Situation: Die CDU-Fraktion im Düsseldorfer Rathaus regte an, angesichts der vollen Frauenhäuser für die Zeit der Corona-Krise Hotels anzumieten – die würden ja genau wegen der Pandemie zurzeit ohnehin leerstehen.

„Die Stadt sollte jetzt überlegen, wie der Mangel an Plätzen in den Frauenhäusern kurzfristig aufgefangen werden kann“, sagt Ratsfrau Sabine Schmidt, Vizevorsitzende des Gleichstellungsausschusses. „Die Ausgangssperren könnten vermehrt zu häuslichen Gewalttaten führen. Frauen und Kinder müssen dann dringend in eine geschützte Umgebung ausweichen.“

Ihr Fraktionskollege Andreas Auler ergänzt: „Der Platzmangel in den Frauenhäusern ist auch wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus kritisch.“

Sollte es zu Krankheitsfällen kommen, würden die Einrichtungen unter Quarantäne gestellt: Die Frauenhäuser bekämen einen fatalen Aufnahmestopp verordnet.

An einer anderen Stelle steuert die Stadt Düsseldorf bereits gegen: Ihr sozialpsychiatrischer Dienst bietet in der aktuellen Situation der Corona-Krise verstärkt telefonische Beratungen für Betroffene an, auch und ausdrücklich für Familien. Telefon: 0211/8995391.

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