„Wiege der Weiberfastnacht“ Trauer in Bonn-Beuel – Corona macht alle Pläne zunichte

Weiberfastnacht 2020 in Beuel

Da schwebte sie über dem Beueler Rathausplatz: Romina I. (Makrmann), Wäscherprintzessin von 2020.

Über der Sonnenseite Bonns, in Beuel, liegen dunkle Schatten: Die Corona-Pandemie hat auch hier einmal mehr der Tradition einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Vor 198 Jahren wurde in Bonn-Beuel die Weiberfastnacht aus der Taufe gehoben – 1824 kam es zu einer legendären Revolte der Waschfrauen auf der heutigen „Schäl Sick“ Bonns (damals war Beuel noch eigenständig). Aus diesem Aufbegehren gegen das Patriarchat entstand im gleichen Jahr der erste Zusammenschluss der Wäscherinnen – das „Alte Beueler Damenkomitee von 1824 e.V.“

Legendäre Weiberfastnacht in Bonn-Beuel abgesagt

Der Karneval und die Weiberfastnacht in Beuel sind ganz besonders ursprüngliche und vergleichsweise familiäre Veranstaltungen – die auch 2022 der Geißel Corona zum Opfer fallen. Die Stadt Bonn hat am Montag (10. Januar) mitgeteilt, dass  der legendäre Beueler „Karnevalsdreiklang“ (Proklamation der Wäscherprinzessin sowie Festumzug und Rathaussturm an Weiberfastnacht) ausfallen müssen.

Leicht hatten es sich die Verantwortlichen nicht gemacht – im Gegenteil. „Zum zweiten Mal können wir unsere Wäscherprinzessin nicht proklamieren, das ist für uns alle eine schwere, aber alternativlose Entscheidung. Es tut mir besonders für Lena I. (Obliers) sehr leid, aber wir werden gemeinsam mit ihr jede Gelegenheit nutzen, unser Brauchtum und die damit verbundene Lebensfreude zu den Menschen und ganz besonders zu den Kindern zu tragen, damit sie die Tradition der Weiberfastnacht auch in diesem Jahr nicht ganz vermissen müssen“, sagt Obermöhn Ina Harder. Die Obermöhn ist jecke „Chefin“ im Karneval und sagt – besonders den Herren der Schöpfung – wo's langgeht.

Bonner Oberbürgermeisterin spricht von Solidarität und Verantwortung

Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) dankte allen Beueler Karnevalistinnen und Karnevalisten, die „sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht haben. Sie ist Ausdruck von Solidarität und Verantwortung, wenngleich sie mich und alle, die sich mit Lena Obliers auf die Session gefreut haben, schmerzlich berührt. Fastelovend geht nur gemeinsam - und so gilt mein Respekt allen, die mit dieser Entscheidung ihren Beitrag dazu leisten, dass wir gut und schnellstmöglich durch die Pandemie kommen.“

In Bonn war bereits in der vergangenen Woche der Rosenmontagszug coronabedingt abgesagt worden. Und nun folgen die Beueler mit der Absage ihrer jecken Aktivitäten. (smo)

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