Streeck öffnet riskantes Päckchen Bonner Virologe sieht jetzt neue Gefahr nach Corona

Hendrik_Streeck_Labor_29052020

Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, steht im März in einem Labor seines Institutes. Für seine Forschungen an Covid-19 hat er nun, wie seine Kollegen, ein Drohschreiben erhalten.

Köln/Bonn – Nun wird der nächste Wissenschaftler Opfer von Hass und Feindseligkeit: Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat offenbar das gleiche Drohschreiben erhalten wie bereits sein Kollege Christian Drosten, SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

„Ich habe auch Flüssigkeiten geschickt bekommen, auf denen stand, dass ich sie doch trinken solle, damit ich immun werde“, sagte Streeck der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

„Ich habe das jetzt nicht als Morddrohung verstanden. Ich habe das einem Kollegen gegeben und ihn gebeten, das Päckchen unter Überdruck zu zerstören. Dann war die Sache für mich auch erledigt.“

Virologe Hendrik Streeck: „Das kann noch sehr viel emotionaler werden”

Bei dem Hass gegen ihn und andere Experten gehe es letzten Endes um Angst, sagte Streeck. Nach der eigentlichen Pandemie sieht er nun die nächste Gefahr: „Die einen haben Angst vor dem Virus, die anderen vor dem Verlust der Existenz. Das kann noch sehr viel emotionaler werden. Da müssen wir wirklich aufpassen.“

Klar ist: Corona polarisiert die Menschen in Deutschland. Nach einem anfänglich „Wir-Gefühl“ nach dem Ausbruch des Virus stehen nun auf der einen Seite die Befürworter der strengen Maßnahmen, Menschen, welche die Lockerungen der Politik sehr kritisch sehen.

Auf der anderen Seite die Tausenden, die gegen die ihrer Meinung nach zu starken Einschränkungen der Freiheitsrechte im Kampf gegen das Coronavirus demonstrieren. Darunter auch Extremisten von links und rechts, Impfgegner, Anhänger von Verschwörungstheorien.

Virologe Hendrik Streeck: „Werden wohl weiter mit dem Virus leben müssen”

Wird die Pandemie wohl bald endlich enden? Der Bonner Virologe Streeck erklärt der „RP“ weiter, dass er nicht daran glaube. „Wir werden weiter mit dem Virus leben müssen“, sagte er. „Ob wir einen Impfstoff haben werden, weiß man nicht. Das kann sehr schnell gehen, das kann aber auch sehr lange dauern.“

Bisher habe man gegen kein Coronavirus einen Impfstoff gefunden. „Es wird wohl so sein, dass wir in der Gesellschaft eine Teilimmunität entwickeln, wodurch das Virus endemisch wird. Es wird also immer mal wieder auftauchen, aber keine starken Infektionswellen hervorrufen. Das Virus wird jedoch nicht ausrottbar sein.“

Virologe Hendrik Streeck: „Mir wurde von vielen Seiten zu viel gewarnt”

Der Experte kritisiert, dass in der Krise zu viele warnende Töne angeschlagen wurden. „Mir wurde von vielen Seiten zu viel gewarnt, zu viele Ängste wurden geschürt“, sagte Streeck im Interview weiter. Es sei immer leicht zu warnen, „aber schwierig, eine realistische Einschätzung zu geben. Das ist wie beim Wetterdienst", so Streeck.

„Ich bin meiner Einschätzung von Anfang an treu geblieben. In der Hochzeit wurde ich dafür kritisiert, dass ich eine viel schlimmere Welle riskieren würde. Es wurde auch über Ostern eine Todeswelle vorhergesagt. All das ist nicht eingetreten. Mittlerweile schwenken auch die anderen ein.“

Karl Lauterbach und Christian Drosten haben Drohbrief erhalten

Ein Virus, das nicht auszurotten ist? Ein Leben mit Corona? Andere Experten haben in der Woche bereits vor einer sich immer weiter zuspitzenden Debatte gewarnt, darunter auch der SPD-Gesundheitsexperte.

Karl Lauterbach hatte am Mittwoch öffentlich gemacht, dass er, so wie nach ihm Streeck, anonyme Morddrohungen erhalten hatte, die sich auch gegen seine Familie richten (hier lesen sie mehr). Zudem zeigte er auf Twitter das Foto eines Päckchens, das ein Fläschchen enthält, dessen Inhalt laut Aufschrift Corona-positiv sein soll. Dazu ein Zettel mit der Nachricht: „Trink das – dann wirst du immun.“

Der Berliner Virologe Christian Drosten teilte den Beitrag und schrieb dazu: „Dasselbe Paket habe ich heute auch bekommen.“ (dpa/mg)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.