Troisdorf Angreifer kehrt in Supermarkt zurück - Mitarbeiter reagieren sofort

Supermarkt_Angriff_Maskenpflicht

In einer Troisdorfer Kaufland-Filiale wurden am Samstag zwei Polizisten bei einem Streit um die Maskenpflicht verletzt. Unser Symbolfoto zeigt den Hinweis auf die Maskenpflicht vor einem Berliner Supermarkt.

Bonn/Troisdorf – Nach der blutigen Attacke auf zwei Polizisten am 9. Mai, in einem Troisdorfer Kaufland-Supermarkt, soll einer der Verdächtigen nun in das Geschäft zurückgekehrt sein und einen Mitarbeiter beleidigt haben.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Bonn ermitteln nach Angaben vom Freitag nun auch in diesem Fall. Demnach soll der 37-Jährige am Freitag wieder in dem Supermarkt aufgetaucht sein und dort einen Angestellten, der bei der Auseinandersetzung am vergangenen Samstag als Zeuge dabei war, beleidigt haben.

Troisdorf: Verdächtiger kehrt in Supermarkt zurück 

Dann sei der Mann wieder abgezogen. Die Supermarkt-Mitarbeiter erstatteten daraufhin Anzeige. Zuvor hatten die Ermittler bei Razzien umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Darunter auch eine GoPro-Kamera, mit welcher der Vorfall vermutlich gefilmt worden war. 

Am Donnerstag äußerte sich auch NRW-Innenminister Herbert Reul zu dem Eklat. Im Düsseldorfer Landtag sagte er, dass der Streit aus seiner Sicht „ganz bewusst provoziert worden“ sei, die Aktion „sollte Stimmung machen, mehr nicht“. Einer der beiden bisher Verdächtigen sei den Ermittlungsbehörden inzwischen „ganz klar“ als Reichsbürger bekannt.

Nach Angriff auf Polizisten: GoPro-Kamera bei Bonner Tatverdächtigem gefunden

Mittwochvormittag waren zwei Wohnungen in Troisdorf sowie eine Dachgeschosswohnung in der Bonner Altstadt durchsucht worden. In Bonn ist einer der Tatverdächtigen (35) gemeldet. Bei der Razzia wurde er allerdings nicht angetroffen, sondern er erschien während der Durchsuchungsmaßnahmen in Troisdorf. 

Bei dem 35-Jährigen fanden die Beamten ein Klappmesser. In seinem Auto wurde zudem eine GoPro-Kamera, eine sogenannte Action-Cam, die man auf einen Helm montieren oder am Körper tragen kann, entdeckt und beschlagnahmt. Der Mann musste mit ins Präsidium, wo unter anderem seine Fingerabdrücke genommen wurden. 

Wie sich herausstellte, wohnt der Bonner Tatverdächtige inzwischen mit einer Frau (30) in Troisdorf zusammen. Die 30-Jährige bei dem Vorfall in den Supermarkt dabei gewesen sein. In der Wohnung des Paares stellten die Beamten neben mehreren Computern und Speichermedien auch einige Ausweisdokumente sowie eine Machete und einen Baseballschläger sicher. 

Nach Angriff auf Polizisten: Zweiter Tatverdächtiger erschien auf Troisdorfer Polizeiwache

Auch die Wohnung des zweiten Tatverdächtigen (37), die sich in demselben Mehrfamilienhaus befindet, wurde in dessen Abwesenheit durchsucht. Der Mann erschien dann am Donnerstag auf der Troisdorfer Polizeiwache. Auch er konnte nach der erkennungsdienstlichen Erfassung wieder gehen. Er lässt sich anwaltlich vertreten. 

„Die Auswertung der Speichermedien sowie die weiteren Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung sowie tätlichem Angriff auf Polizeibeamte dauern derzeit noch an“, so Polizeisprecher Frank Piontek. 

Nach Angriff auf Polizisten: Razzia in Bonner Altstadt sorgte für Aufregung

Der Einsatz in der Bonner Altstadt hatte am Mittwoch für tüchtig Aufregung gesorgt. Vermummte Polizisten der Hundertschaft drangen in ein Haus auf der Heerstraße ein, sie hatten eine Ramme dabei, um Türen gewaltsam zu öffnen. Offenbar gibt es Hinweise, dass die beiden Täter, die eventuell zur Gruppierung der Reichsbürger gehören, weitere Taten geplant haben. 

Razzia Reichsbürger1

Der Verdächtige ist in diesem Mehrfamilienhaus (r.) in der Bonner Altstadt gemeldet. 

„Den habe ich schon seit Monaten nicht gesehen“, erzählte ein Mitbewohner des 35-Jährigen aus der Altstadt. „Er wohnt meist bei seiner Freundin, kommt nur noch nach Bonn, um seinen Briefkasten zu leeren.“

Attacke auf Polizisten: Staatsschutz der Bonner Polizei ermittelt

Nach dem schockierenden Vorfall in einem Kaufland-Supermarkt in Troisdorf hatte das Kommissariat des Staatsschutzes der Bonner Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Weil die beiden Tatverdächtigen im Geschäft in Troisdorf ihren Mund- und Nasenschutz nicht tragen wollten, war es dort zu einer Konfrontation zwischen ihnen und zwei Polizisten kommen. Die Beamten waren dabei schwer im Gesicht verletzt worden, beide sind nach dem Vorfall vorerst dienstunfähig. 

Wirbel um Video nach Vorfall in Troisdorfer Supermarkt – Bonner Polizei ermittelt

Ermittler gehen nach dpa-Informationen dem Verdacht nach, dass die Beamten in eine Falle gelockt wurden. Demnach besteht die Vermutung, dass die beiden Verdächtigen die Situation absichtlich provozierten. Einer der beiden hatte den Ablauf mit einer an seinem Körper befestigten Kamera gefilmt und offenbar eine Teilsequenz ins Internet gestellt. Wie die dpa erfuhr, prüfen die Ermittler auch, ob einer der beiden Beschuldigten Bezüge zur Reichsbürgerszene hat.

Laut Ermittler hat das Duo möglicherweise Komplizen. Zumal aus verschiedenen Positionen gefilmt worden war. In dem Video ist auch eine Frau zu hören, bei der es sich vermutlich um die Freundin des 35-Jährigen handelt. Diese wiederum soll die Schwester des 37-Jährigen sein. 

Videos des Vorfalls wurden kurz darauf im Internet verbreitet und tausendfach in sozialen Netzwerken geteilt. Danach hatte es auch Online-Anzeigen von Zuschauern gegen die beiden beteiligten Beamten gegeben. „Aufgrund der Gesamtumstände haben wir die Ermittlungen übernommen“, sagte Sprecher Frank Piontek von der Bonner Polizei auf EXPRESS-Nachfrage.

„Wir gehen davon aus, dass das Video nicht das gesamte Geschehen zeigt und werten weitere Videos und Zeugenaussagen aus“, so Piontek weiter. Tatsächlich setzt das viel verbreitete Video, das einer der Angreifer offenbar mit einer Action-Kamera gefilmt hatte, erst ein, als die Beamten die beiden Männer bereits zur Rede stellen und wenig später einen Platzverweis aussprechen.

Polizei sollte Streit um Gesichtsmasken in Troisdorfer Supermarkt schlichten

Gegen 14.45 Uhr wollten die Polizisten einen Streit im Eingangsbereich des Kaufland-Supermarkts am Theodor-Heuss-Ring schlichten. Die Männer aus Bonn und Troisdorf hatten das Geschäft ohne die erforderlichen Gesichtsmasken betreten und wollten diese auch nach eindringlicher Aufforderung nicht anziehen.

Als die Polizisten das Duo zur Rede stellten, hatte der Bonner seine Maske inzwischen zwar aufgezogen. In diesem Moment setzt auch das Video ein. Als die Polizei die Personalien der beiden feststellen wollte, weigerte sich der 37-Jährige allerdings, seinen Ausweis zu zeigen. Es fielen Sätze wie „Ich bin ein Mensch, ich brauche keinen Personalausweis.“

In brüchigem Deutsch spricht der Mann den Polizisten eine „Vorwarnung“ aus. Der Mann mit Maske kündigt derweil an, dass sein Begleiter „ein souveräner Mensch“ sei: „Der wird sich verteidigen, falls sie versuchen, ihm Schaden zuzufügen. Mit allen Mitteln.“

Angriff in Supermarkt in Troisdorf: Polizist mit Faustschlag verletzt

Dem 35-Jährigen wird anschließend ein Platzverweis erteilt, dem dieser allerdings nur zögerlich nachkommt. Dabei kommt es zu einem kurzen Handgemenge mit einem Beamten. Wenige Sekunden später stürmt der Mann auf einen zweiten Polizisten zu und attackiert diesen unvermittelt mit einem Schlag ins Gesicht.

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Anschließend wird die Lage unübersichtlich, im Supermarkt sind Schreie zu hören, auch eine Frau, die offenbar zu den Angreifern gehört, mischt sich ein. Einem der Polizisten tropft bereits Blut aus der Nase. Zahlreiche Kunden verfolgen das Geschehen.

Ein Beamter bittet unterdessen das Personal des Supermarkts, weitere Unterstützung zu rufen. Wenig später bringen die beiden Polizisten den Angreifer unter Kontrolle.

Während es für die beiden Angreifer auf die Polizeiwache ging, musste einer der Polizisten mit einer Gesichtsfraktur ins Krankenhaus. Sein Kollege erlitt schwere Prellungen im Gesicht, die ebenfalls behandelt werden mussten.

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