Schülerin (14) zum Sex gezwungen? Bizarr! Bonner Lehrer mit Madonna auf Anklagebank

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Der Angeklagte, ein ehemaliger Bonner Vertrauenslehrer, drapiert vor Prozessbeginn mehrere Utensilien auf der Anklagebank. Darunter auch eine kleine Mutter Gottes-Statuette.

Bonn – Ob die Mutter Gottes ihm helfen wird? Der ehemalige Lehrer (57), angeklagt wegen Missbrauchs einer Jugendlichen und versuchter Körperverletzung, scheint auf Beistand vom Himmel zu hoffen. Zu Beginn seiner Verhandlung vor der Jugendschutzkammer des Bonner Landgerichts wickelte er am Mittwochmorgen eine kleine hölzerne Madonna aus einem Stück Papier und stellte sie vor sich auf die Anklagebank.

Neben die Heiligenfigur legte er einen Stapel von 45 DIN-A-4-Seiten, eher weltlichen Inhalts, eine Einlassung, in der er sein Tun rechtfertigte und gleichzeitig schwere Vorwürfe gegen Polizei, Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin erhob.

Vertrauenslehrer in Bonn angeklagt: dreistündige, wirre Verteidigungsrede des Pädagogen

Von Mai 2018 bis zum 2. Juli 2018 soll der Angeklagte achtmal Sex mit einer 14-jährigen Schülerin seiner Schule gehabt, ihre „fehlende sexuelle Selbstbestimmung“ ausgenutzt, sie mit Geschenken „bezahlt“ haben. Außerdem soll er, der an einer Geschlechtskrankheit leide, keine Kondome benutzt und das Mädchen somit in gesundheitliche Gefahren gebracht haben. Sagt die Staatsanwaltschaft. Verteidiger Michael Kurth stellt es anders dar: Die Anklage sei „voller Spekulationen und Mutmaßungen“, die Staatsanwaltschaft habe nicht objektiv ermittelt und das Gericht habe nun die Chance, „diese Fehler zu korrigieren“.

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Alsdann hob der Lehrer zu einer fast dreistündigen Erklärung in eigener Sache an. Er wolle „aus der Herzkammer eines Liebesverhältnisses“ berichten, obwohl es eigentlich nicht „Gegenstand öffentlichen Diskurses“ sein sollte. Aber wegen „des skandalösen Verlaufs der Ermittlungen“ sei eine umfangreiche Gegendarstellung notwendig. Es war herauszuhören, dass der 57-jährige Lehrer für Philosophie und Geschichte vor 25 Jahren auch Rechtswissenschaft studiert hatte, denn immer wieder streute er juristisches Vokabular in seine Suada ein, erwähnte auch, ganz Philologe, den Philosophen Martin Heidegger und das Newtonsche Weltbild.

Bonner Lehrer behauptet: Sex geschah auf Wunsch der 14-Jährigen 

Der 15. Mai 2018, so schilderte es der Pädagoge, war ein schicksalhafter Tag für ihn. Damals besuchte ihn die 14-Jährige, seine „beste Schülerin“, Zuhause, weil sie ihm „was ganz Schlimmes“ erzählen wolle. Sie stehe nämlich auf ältere Männer, habe mit einigen auch Chatkontakte. Er, sagt der ehemalige Vertrauenslehrer, habe sie davor gewarnt. Zwei Tage später trafen sich beide wieder, da habe sie die Arme um ihn gelegt und ihn auf den Mund geküsst, „sie explodierte förmlich“. Und ihm war, „als wenn der Blitz eingeschlagen hätte“. Denn er, ein Homosexueller, der lange mit einem Mann zusammengelebt hatte, habe „ein generelles sexuelles Desinteresse an Frauen“ gehabt.

Nun also trat das Mädchen in sein Leben. Er quittierte den Schuldienst, weil er wusste, dass er sich wegen der Beziehung zu einer Schutzbefohlenen strafbar machte. Anfang Juni kam es zum ersten Oralsex, ein paar Tage später zum Beischlaf „auf ihren Wunsch“ hin, sie habe die Initiative ergriffen. Er habe Kondome benutzt und sei auch nicht geschlechtskrank gewesen. Zum Beweis legte der Angeklagte ein Attest seines Hausarztes vor.

Bonner Lehrer wollte seine 14-jährige Schülerin heiraten und „finanziell absichern“

Weil er die Familie des Mädchens über dieses „ungewöhnliche Liebesverhältnis“ in Kenntnis setzen wollte, traf er sich sogar mit der Mutter der 14-Jährigen und versprach ihr, die Tochter zu heiraten und „ausreichend finanziell absichern“ zu wollen. Das Gespräch sei „in angenehmer Atmosphäre“ verlaufen; die Mutter aber sah das anders, sie zeigte den Lehrer an. Die Folge: ein halbes Jahr Kontaktverbot, das Mädchen kam in eine Jugendschutzstelle. Dennoch gab es heimliche Treffen, unter anderem in einer Kirche und im Haus der Geschichte, sie schrieben sich auch über WhatsApp.

Bonner Lehrer vor Gericht: „es wird mit Dreck geschmissen“

In einer ersten Aussage vor der Polizei hatte die Schülerin beteuert, sie sei freiwillig mit dem Lehrer zusammen gewesen. Später aber zog sie die Aussage zurück und belastete den Mann. Diesen Schritt habe sie mittlerweile bereut, sagte er und verlas weinend eine entsprechende Handynachricht vom 5. September 2019, in der sie alle Vorwürfe gegen ihn bestritt.
Er scheint noch immer unter der Trennung zu leiden, ist in Depression verfallen und hatte sich freiwillig für vier Monate in eine psychiatrische Klinik in München begeben. Verwandte und Freunde hätten sich von ihm abgewandt. Der Angeklagte: „Es wird mit Dreck geschmissen“.

Das Mädchen soll am Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört werden. (ucs)

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