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Analyse eines Desasters Bei der Bonner Beethovenhalle geht einfach alles schief

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Bis mindestens 2024 wird die Bonner Beethovenhalle noch saniert.

Bonn – Wo bleibt der Aufschrei der Bonner? Das Drama um die Beethovenhalle ist doch eigentlich kaum noch zu ertragen: Statt 61 Millionen Euro für die Sanierung sind jetzt 166 Millionen Euro „auf dem Deckel“. Und wer zahlt den? Klar, die Bonner Steuerzahler. Statt 2019 wird die denkmalgeschützte Halle frühestens 2024 fertig. Wer muss es ausbaden? Wieder die Bonner.

Bonner Beethovenhalle steht nicht zur Verfügung

Schließlich steht die zentrale Spielstätte fürs Beethoven-Orchester, der Ort für Partys, Sitzungen, Konferenzen noch lange nicht wieder zur Verfügung. Dabei sollte nach dem WCCB-Skandal doch alles besser werden…

Jetzt also der Skandal um die Beethovenhalle. Doch wo liegen die Knackpunkte, wo wurde geschlampt, wo wurden die falschen Entscheidungen getroffen?

Bonner Beethovenhalle: Desaster nahm 2016 seinen Anfang

Im Rückblick ist klar: Der Stadtrat – mit Ausnahme von SPD, Sozialliberalen und Bürger Bund Bonn – hat am 7. April 2016 eine Entscheidung getroffen, die die Bonner jetzt teuer zu stehen kommt. Viel zu optimistisch die Prognose, dass die Sanierung der maroden Halle 60,7 Millionen Euro kosten würde. Viel zu optimistisch der Glaube von CDU, Grünen und FDP, dass die Arbeiten zum Beethovenjubiläum 2019 fertig sein würden. Viel zu blauäugig die Annahme, dass auf dem Nachkriegsbaugrund der Beethovenhalle nicht böse Überraschungen warten würden.

Bonner Beethovenhalle: Zeitplan ging schief

Fahrlässig? Der Zeitplan, den maroden Bau innerhalb von knapp drei Jahren sanieren zu können, war schon fragwürdig. Und das Thema Kostenexplosion bei städtischen Bauten (siehe WCCB oder „Haus der Bildung“) wurde von der Ratsmehrheit nicht so wirklich als Problem gesehen. Zu groß war das Vertrauen in – tja – eigentlich renommierte Berater, die Zahlen, Daten, Fakten vorgelegt hatten.

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Stadtdirektor Wolfgang Fuchs ist gerade nicht wirklich zum Lachen.

Als Verantwortlicher für das Mammut-Projekt wurde Stadtdirektor Wolfgang Fuchs noch zur OB-Zeit von Jürgen Nimptsch erkoren. Als sowohl der damalige Bau- als auch der Kulturdezernent zögerten, hob Fuchs den Finger. Doch im Rückblick überschätzte sich da der anerkannte Verwaltungsfachmann. Der 58-Jährige, der mit dem Thema Bauen nun so gar nichts zu tun hat, meinte es vielleicht gut – doch viel zu viel ging in die Hose. Und das Städtische Gebäudemanagement, das dem Dezernenten eigentlich zur Seite stehen sollte, glänzte durch… eigentlich nichts.

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Oberbürgermeister Ashok Sridharan wird von der Opposition attackiert.

Und der Nachfolger von Nimptsch, Oberbürgermeister Ashok Sridharan? Der betont, dass er die preiswertere Sanierungslösung für die Beethovenhalle gefordert hat. Was das Drama letztlich aber auch nicht verhindert hätte. Und so konstatiert er auch: „Wir werden es zu Ende bringen und die Fehler, die bisher gemacht worden sind, bei künftigen Projekten nicht wiederholen.“

Die politische Verantwortung? Die trägt nach Auffassung der Opposition jedenfalls Sridharan.

Bonner Beethovenhalle: Das ging beim Projektplaner schief

Dann wäre da die Wahl des Projektplaners: Nieto Sobejano Arquetectos (NSA) erwies sich nach Aussagen der Stadt als absoluter Rohrkrepierer, hatte keinen Überblick, vergab Aufträge an Subunternehmer, schlampte bei Zeitplänen. So jemanden sollte man eigentlich feuern. Aber hier kommt die Stadtverwaltung ins Spiel. Denn die hat mit NSA einen Vertrag geschlossen, der nicht einfach kündbar war. Als die Stadt dann endlich eine Möglichkeit sah, NSA loszuwerden, blieb nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Denn NSA hat Unterlagen und Wissen, die für die Sanierung dringend nötig sind. Also blieb NSA.

Hier lesen Sie mehr: Ein Rundgang über die Baustelle Beethovenhalle

Und welche Rolle spielt die Stadtverwaltung, wenn es um Informationen zum Baugrund geht? Der inzwischen ebenfalls umstrittene Projektsteuerer Drees&Sommer, der für viel Geld eingekauft werden musste (zuletzt 67000 Euro pro Monat), um noch größeres Chaos zu verhindern, machte in einem Geheimpapier klar: Probleme mit dem Baugrund der Beethovenhalle wurden völlig ignoriert, was zu enormen Kostensteigerungen führte. Dabei lag der Stadt seit den 1990er Jahren ein Gutachten vor, das deutlich machte, dass der Baugrund „aus heterogenen, nicht tragfähigen Ausfüllungen“ bestand. Doch genau diese Unterlagen hatte die Verwaltung NSA zur Verfügung gestellt.

Bonner Beethovenhalle: Baufirmen sahnen ab

Auch Baufirmen spielen bei dem Drama um die Beethovenhalle eine unrühmliche Rolle. Aktueller Fall: Die Wärmedämmung, die im Winter 2017/18 für die Kuppel eingebaut wurde, ist mit dem Untergrund mies verklebt worden. Folge: Das Kupferdach für die Beethovenhalle kann erst im nächsten Frühjahr angebracht werden. 

Die Geschichte der Bonner Beethovenhalle – hier gibt mehr dazu.

Außerdem hatten die Pannen bei NSA dazu geführt, dass Baufirmen wegen heftiger zeitlicher Verschiebungen kündigten. Die Stadt musste entweder neue Firmen engagieren oder in den sauren Apfel beißen, wenn „Altfirmen“ nur unter der Bedingung zurückkommen wollten und wollen, dass es dafür einen satten Millionen-Zuschlag gibt. 

Bonner Beethovenhalle: Geld für zusätzliche Problemlöser

Ebenfalls eine Folge der Probleme auf der Baustelle: Die Stadt musste zusätzliche „Problemlöser“ engagieren. Und die kosten. Da müssen dann für ein Ingenieurbüro mal eben 190.000 Euro zusätzlich locker gemacht werden.

Fazit: Alles, was beim Projekt Beethovenhalle schief gehen kann, geht schief. Und wer wird zur Rechenschaft gezogen? Von den Beteiligten wohl keiner. Aber der Steuerzahler wird’s merken. Also eigentlich alles wie immer in Bonn... (ms)

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