Anklage in Bonn Reichsbürger trug im Kaufland keine Maske – Polizisten in der Falle

Screenshot Facebook Troisdorf

Reichsbürger sollen am 9. Mai in einem Troisdorfer Supermarkt einen Angriff auf Polizisten bei einem Maskenstreit provoziert haben. Die Szene aus einem Video zeigt den Angriff auf einen Polizisten.

Bonn/Troisdorf – Dieser Fall beschäftigte sogar den Landtag in Düsseldorf: Am 9. Mai sollen zwei Männer und eine Frau im Kaufland in Troisdorf gegen die Maskenpflicht demonstriert haben. Als die Polizei erschien, wurden zwei Beamte krankenhausreif geprügelt. Die gesamte Aktion wurde von dem Trio gefilmt und das Video ins Internet gestellt.

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat die 35 und 38 Jahre alten Männer und die 30-jährige Frau jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung und Angriffs auf Polizeibeamte angeklagt. Das teilte am Montag (19. Oktober) die Sprecherin des Landgerichts, Patrizia Meyer, mit.

Das war geschehen:  Am Nachmittag des 9. Mai, einem Samstag, betrat das Trio den Supermarkt am Theodor-Heuss-Ring, der 35-Jährige soll dabei keine Maske getragen haben. Als ihn zwei Mitarbeiter des Geschäfts aufforderten, einen Mundschutz anzulegen, sollen die Männer immer aggressiver geworden sein und über die Maskenpflicht geschimpft haben, so dass schließlich zwei Polizisten erschienen, um den Streit zu schlichten.

Eklat im Kaufland: Ermittler gehen davon aus, dass Polizisten in Falle gelockt wurden

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Die Ermittler gehen davon aus, dass die Beamten in eine Falle gelockt wurden und die Angeklagten die Situation absichtlich provoziert haben. Denn auch gegenüber den Polizisten soll sich der 35-Jährige geweigert haben, eine Maske aufzusetzen, die Frau wollte ihre Personalien nicht nennen und soll einen Einkaufswagen gegen einen Beamten geschoben haben.

Der Mann mit Maske, so ist es in dem Video zu hören, behauptete, sein Begleiter sei „ein souveräner Mensch“.

Schließlich erteilten die Polizisten dem 35-Jährigen einen Platzverweis, dem er nur zögernd nachkam; er ging scheinbar zum Ausgang, drehte sich dann aber um und baute sich vor den Einsatzkräften auf. Daraufhin eskalierte die Situation: Dessen Kumpel soll, nach Angaben der Gerichtssprecherin, einen Beamten mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ebenfalls auf den Kollegen eingeprügelt haben. Der 35-Jährige soll ebenfalls zugelangt und einen Polizisten im Gesicht getroffen haben, während die Frau dessen Arm hielt.

Kaufland in Troisdorf: Trio soll Aktion mit Handys und einer Bodycam gefilmt haben

Die beiden Beamten, die sich mit Pfefferspray verteidigten, erlitten erhebliche Verletzungen. Einer musste wegen einer Gesichtsfraktur operiert werden, der zweite zog sich schwere Prellungen zu. Im Video sind Blutstropfen auf dem Fußboden des Supermarkts zu sehen. Erst einer weiteren Polizeistreife gelang es, die Angreifer zu überwältigen.

Die Angeklagten sollen die ganze Aktion mit ihren Handys und einer an der Brust befestigten Body-Cam gefilmt haben, die Aufnahmen wurden im Internet verbreitet. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte später im Landtag, der Streit sei „ganz bewusst provoziert worden“, der Eklat „sollte Stimmung machen, mehr nicht“.

Nach den Feststellungen des Staatsschutzes beim Polizeipräsidium Bonn gehört der 35-Jährige der Reichsbürger-Szene an.

Anklage wegen Vorfall in Kaufland: Reichsbürger hatte Wohnung in Bonner Altstadt

Die Angeklagten wurden nach Aufnahme der Personalien nach Hause geschickt, ausreichende Gründe für eine Festnahme habe es nicht gegeben.  Am folgenden Mittwoch durchsuchten schwer bewaffnete Polizisten zwei Wohnungen der Verdächtigen in einem Mehrfamilienhaus in Troisdorf, in denen die Frau und der 38-Jährige wohnen, und die Dachgeschosswohnung des Jüngeren in der Bonner Altstadt. Dabei wurden ein Klappmesser, eine Machete, ein Baseballschläger, eine sogenannte Go-Pro-Kamera, Computer und Speichermedien beschlagnahmt.

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In der Bonner Heerstraße kam es zu einem Großeinsatz. In einem Mehrfamilienhaus wurde die Wohnung des 35-Jährigen durchsucht. 

Zwei Tage später tauchte der 35-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft erneut im Kaufland auf und beleidigte einen Mitarbeiter, der Zeuge des Vorfalls vom 9. Mai war. Die Ankläger werfen dem sogenannten Reichsbürger darüber hinaus vor, ein Auto ohne Fahrerlaubnis gefahren zu haben; in dem Fahrzeug war ein Schlagring gefunden worden.

Der Prozess vor der 1. Großen Strafkammer des Bonner Landgerichts ist noch nicht terminiert. (ucs)

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