Urteil in Bonn Ehemann tötete Frau mit 18 Stichen – Gericht zweifelt an Motiv

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Der schmächtige Angeklagte beim Prozessauftakt am 4. Mai mit einem Beamten, seinem Verteidiger und einer Dolmetscherin vor Gericht.

Bonn/Waldbröl – Der Traum vom großen Geld, das ein Ehepaar aus Rumänien in Deutschland verdienen wollte, um sich in der Heimat ein Haus bauen zu können, endete grausam: Die Frau, 28 Jahre alt, lebt nicht mehr, sie wurde am 26. November 2019 in Waldbröl von ihrem 42-jährigen Mann erstochen, der am Montag vom Bonner Schwurgericht wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt wurde.

Die Kammer folgte damit dem Antrag der Staatsanwältin, der Verteidiger hatte wegen eines minderschweren Falls auf vier Jahre Freiheitsstrafe plädiert. Der Gutachter war nicht von einer Affekttat ausgegangen, die zu einer Minderung der Schuldfähigkeit hätte führen können. 

Angeklagter bei Totschlags-Prozess in Bonn verloren im Gerichssaal

Verloren wirkte der ungewöhnlich kleine und schmächtige Angeklagte beim Prozessauftakt am 4. Mai in dem weitläufigen Bonner Schwurgerichtssaal.

Nicht zuletzt, weil sein Verteidiger nach neuen Corona-Abstandsregeln auf der langen Anklagebank zwei Meter von ihm entfernt saß, so auch die Dolmetscherin für Rumänisch, mit der er durch ein Headset akustisch verbunden war.

Prozess in Bonn: Angeklagter fühlte sich nach Affäre seiner Frau verletzt

In einer schriftlichen Erklärung, die sein Verteidiger am Montag vortrug, schilderte der Angeklagte die letzten dramatischen Wochen, Tage und Stunden vor der Bluttat. Demnach soll es seit Monaten viel Streit zwischen ihm und seiner Frau gegeben haben, da sie einen gemeinsamen Arbeitskollegen zum Liebhaber hatte.

Als sie das Verhältnis ihm gegenüber eingeräumt habe, habe er sich „verletzt gefühlt und konnte es dennoch nicht realisieren“. Immerhin war das Paar, seit acht Jahren verheiratet, unter anderem nach Deutschland gekommen, weil sie einen gemeinsamen Kinderwunsch hatten.

Sie hätten gehofft, so der Rumäne, hier medizinische Hilfe zu bekommen. Mit der Affäre sei er überhaupt nicht zurechtgekommen. Schließlich war damit auch ein großer gemeinsamer Traum  geplatzt: so viel Geld zu verdienen, dass man sich ein eigenes Haus in der Heimat leisten kann. 

Polizei im Einsatz: Angeklagter forderte Nebenbuhler auf Parkplatz heraus

Vier Tage vor der Bluttat eskalierte die Geschichte. Am 23. November, machte die 28-Jährige reinen Tisch und gestand ihrem Mann die Beziehung zu dem Kollegen, sie wolle die Scheidung. Eine Nachbarin hörte in der Wohnung, in der seit September auch die Großmutter der jungen Frau lebte, lautstarken Streit, es wurde auch mit Gegenständen geworfen.

Um 17.30 Uhr forderte der 42-Jährige seinen Nebenbuhler auf, zum Parkplatz von McDonald’s in Waldbröl zu kommen, offenbar wollte er die Sache unter Männern regeln. Die Auseinandersetzung zwischen den Kontrahenten war so energisch, dass der Angeklagte die Polizei holte.

Ehestreit eskalierte, als Ehefrau Weihnachten beim Liebhaber verbringen wollte

Einen Tag vor der Tat, so erinnert sich der Angeklagte weiter, spitzte es sich erneut zu. Seine Ehefrau habe ihm eröffnet, dass sie nicht mit ihm über die Weihnachtstage 2019 nach Rumänien fliegen, sondern wegen des Liebhabers in Waldbröl bleiben werde.

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Auch soll sie ihn beleidigt und verletzt haben: Er sei  ja ein „kleiner hässlicher Zwerg“, den sie „nur aus Mitleid geheiratet“ habe. „Ich war fassungslos!“ An diesem Tag habe er versucht, sich umzubringen. Mit dem kurz zuvor gekauften Pkw war er gegen einen Baum gefahren, überlebte jedoch den Unfall.

Angeklagter berichtet von Beleidigungen, Gericht zweifelt an dessen Version

Das Gericht nahm dem Angeklagten nicht seine Einlassung ab, er sei von seiner Frau schwer beleidigt worden. Vielmehr habe er in seiner Vernehmung vor der Polizei ausgesagt, er habe sie getötet, weil sie ihn „belogen und betrogen“ habe.

Der Rumäne habe, so Reinhoff, „seinen Willen über das Lebensrecht eines Menschen“ gestellt. Der Angeklagte, der während der Urteilsbegründung bitterlich weinte, wird möglicherweise nach der Hälfte der Haftzeit in seine Heimat abgeschoben.

Angeklagter berichtet von Beschimpfung und Angriff seiner Frau

Am Tattag - das Paar hatte noch gemeinsam zu Mittag gegessen - eskalierte der Streit erneut: Sie warf ihm verärgert vor, das Auto kaputt gemacht zu haben, und verschwand im Schlafzimmer. Er folgte ihr: Wieder soll sie ihn als „hässlichen Zwerg“ beschimpft und mit einer Tischlampe nach ihm geworfen haben.

Daraufhin habe er das Schälmesser (Klingenlänge: neun Zentimeter) genommen, das immer im Schlafzimmer gelegen hätte, und zugestochen. „Ich hatte keine Kontrolle mehr über mich.“

Großmutter des Opfers erlebte Tat hinter geschlossener Schlafzimmertür mit

An der Schlafzimmertür, die verschlossen war, klopfte verzweifelt die 79-jährige Großmutter der Getöteten, die das Schreien gehört hatte. Als der Angeklagte voller Blut das Zimmer verließ, wählte er sofort den Notruf und informierte die Polizei.

Aber jede Hilfe kam zu spät: Die Verletzungen seiner Ehefrau waren so schwer, dass sie nicht mehr zu retten gewesen war; sie verstarb noch am Tattag im Krankenhaus. Diese Tat, so endete das Geständnis des Angeklagten, „wird mich mein ganzes Leben begleiten, ich werde sie mein ganzes Leben lang bereuen.“ (ucs)

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