Bedroht, beschimpft Streeck schreibt Kritiker, der entlarvt sich mit Reaktion selbst

Streeck

Das Leben von Corona-Experte Hendrik Streeck hat sich stark verändert. Der Top-Virologe braucht mittlerweile sogar Polizeischutz. Unser Foto zeigt den Bonner Ende September 2020 in Gangelt.

Köln – Der Bonner Virologe Hendrik Streeck (43) ist durch die Pandemie zu einem der bekanntesten Corona-Experten Deutschlands geworden.

Vorher kannte ihn jenseits des Virologen-Kosmos keiner, heute ist seine Expertise gefragt, wenn es um Fragen rund um das Coronavirus geht – Hendrik Streeck ist gern gesehener Gast in den verschiedensten Talkshows, zuletzt etwa bei „maischberger. die woche“. Dort hatte er appelliert, nicht nur auf die Zahl der Neuinfektionen zu schauen, sondern auch andere Aspekte in die Bewertung der Corona-Lage mit einzubeziehen.

Erst vor kurzem hatte Hendrik Streeck zudem einen Blick in das Leben hinter dem Viren-Experten offenbart, im „Kölner Treff“ über Privates gesprochen – seinen Mann Paul Zubeil, seinen Hund, seine Musik.

Durch Corona-Pandemie in aller Munde: Virologe Hendrik Streeck über neues Leben

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Jetzt erklärt der 43-Jährige im Gespräch mit ntv, wie die Corona-Pandemie sein Leben verändert hat. „Es ist nichts mehr so, wie es vorher war“, bringt es Hendrik Streeck auf den Punkt. Er habe „wenig bis keine Freizeit mehr“, käme gar nicht hinterher, alle E-Mails und Anfragen zu bearbeiten.

Hendrik Streeck ist ein gefragter Mann, hat alle Hände voll zu tun. Vor einer Woche hat er die Bevölkerung in der kleinen Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg zur Teilnahme an seiner neuen Studie aufgerufen. Man wolle zum Beispiel verstehen, ob man sich nach einer Infektion wieder infizieren könne, erklärte der Forscher.

Der Appell richtete sich an Menschen, die Hendrik Streeck und sein Team bereits für eine Vorgängerstudie – die sogenannte Heinsberg-Studie – untersucht hatten. Die Wissenschaftler hatten dabei die Ausbreitung des Coronavirus in Gangelt unter die Lupe genommen, das nach einer Karnevalssitzung im Frühjahr zu einem der ersten deutschen Corona-Hotspots geworden war. Die Studie sorgte für Aufsehen, es gab aber auch Kritik an der Methodik und der Begleitung durch eine PR-Agentur.

Hendrik Streeck: Corona-Experte über Morddrohungen und Beschimpfungen

Soweit die anstrengende Seite des Lebens als Top-Virologe Deutschlands. Doch da sind noch mehr: die unangenehme und die vielleicht sogar gefährliche.

So werde er auf der Straße erkannt. Wenn er essen gehen wolle zum Beispiel, so Streeck. Es gebe aber Momente, „da möchte man einfach nicht gerne erkannt werden. Wenn ich im Fitnessstudio bin und Sport mache, dann mache ich das doch lieber für mich alleine“, erzählt der Virologe.

Und dann ist da noch die ganz andere Seite: „Wir haben eben auch Polizei vor der Tür, weil ich Morddrohungen bekommen habe“, sagt Hendrik Streeck.

Und weiter: „Ich glaube, sobald man sagt, dass das ein Virus ist, das man nicht bagatellisieren sollte, dann passt das einigen nicht in den Kram. Ich nehme diese Bedrohungen ernst, aber ich lasse mein Leben davon nicht leiten.“

Kritik und Hass in sozialen Medien: Menschen reagieren nicht auf Gesprächsangebot

Die Kritik und der Hass, der ihm und anderen Experten entgegenschlägt, lässt den Virologen dabei nicht kalt. „Es gibt schon Situationen, in denen ich wachliege. Vor allem, wenn man so angegangen wird.“ Als Beispiel nennt er die Heinsberg-Studie. Er habe helfen wollen das sei „irgendwie falsch verstanden“ worden.

Der 43-Jährige versuche schon, abzuschalten, die Zeit, in der er schlafe, habe sich aber in den vergangenen Monaten halbiert.

Gerade die Beschimpfungen in den sozialen Medien findet Hendrik Streeck „oft ungerecht“.

„Eine Person habe ich sogar direkt angeschrieben und gefragt, ob man sich nicht mal austauschen will. Aber leider kam da dann nichts zurück. Da merkt man dann einfach, dass es oft nur darum geht, Stimmung zu machen und nicht darum, kontrovers zu diskutieren und zu helfen“, erzählt der Virologe ernüchtert. (so)

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