Das steckt dahinter Hendrik Streeck entsetzt über Twitter-Trend: „Es erschreckt mich“

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Virologe Hendrik Streeck äußerte sich bei Twitter entsetzt über den Hashtag „SterbenmitStreeck“. Unser Foto zeigt ihn am 29. September in Gangelt.

Bonn – Das Corona-Jahr 2020 machte Hendrik Streeck (43) zu einem der gefragtesten Experten rund um das gefährliche Virus. Der Leiter der Virologie an der Bonner Uniklinik äußert sich seit Monaten regelmäßig zur Lage und machte sich auch mit seiner Heinsberg-Studie einen Namen.

Doch Streecks Einschätzungen kommen längst nicht überall gut an. So landete in den vergangenen Tagen der Hashtag „SterbenmitStreeck“ in den Trends auf Twitter. Genau dort zeigte sich der Virologe jetzt entsetzt über die Entwicklung.

Hendrik Streeck äußert bei Twitter Kritik über Hashtag „Sterbenmitstreeck“

„Wenn wissenschaftliche Debatte und Forschung dazu führen, dass mit # zu meinem Ableben oder sterben mit mir aufgerufen wird, ist das nicht nur sehr verletzend, es erschreckt mich gerade zu, wie gross der Hass und die Diffamierung im Netz geworden ist“, schrieb Streeck am Dienstag in dem sozialen Netzwerk

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Er versah seinen Tweet außerdem mit einem eigenen mahnenden Hashtag: „wasashtagsauslösenkönnen“. In den aufgeheizten Debatten rund um das Coronavirus teilt Streeck das Schicksal mit anderen Virologen wie etwa Christian Drosten (48), der im Internet regelmäßig angefeindet wird. Streeck selbst berichtete sogar schon von Morddrohungen und Polizeischutz für seine Familie.

Twitter-Hashtag „SterbenmitStreek“ als Kritik an lockerem Corona-Umgang?

Der Gedanke hinter dem makabren Hashtag war in diesem Fall aber offenbar ein anderer: Weil der Bonner Top-Virologe eher für einen liberalen Umgang mit Lockerungen votiert, warfen ihm viele Nutzer des Hashtags vor, höhere Todeszahlen in Kauf zu nehmen und als Berater Verantwortung zu tragen.

Schwung nahm die Debatte auf, nachdem die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) am Montag eine Video-Diskussion zwischen Streeck und Gesundheitsminister Jens Spahn unter dem Titel „Wie gefährlich ist Corona (noch)?“ ankündigte.

Doch nicht nur bei Streeck kam der Hashtag nicht gut an. Einige User schrieben, dass sie die Ansichten des Virologen zwar kritisch sehen, der Hashtag aber zu weit gehe. „Finde bei aller sehr berechtigter Kritik an Streeck, seinen öffentlichen Auftritten etc. den Hashtag #SterbenmitStreeck absolut würde- und respektlos“, lautete einer der Kommentare, der viel Zustimmung erhielt.

Hendrik Streeck polarisiert mit Einschätzungen zum Coronavirus

Seit Beginn der Pandemie hatte Streeck immer wieder betont, Bewertungen der Corona-Zahlen und die entsprechenden Maßnahmen in den richtigen Kontext zu setzen. Bei „maischberger. die woche“ kritisierte er am 14. Oktober etwa plakative Warnungen wie „es ist 5 vor 12“.

Besonders ein Satz aus der Sendung stieß Kritikern übel auf: „Ich finde es müßig, über Todesfälle zu reden“, erklärte Streeck, der damals jedoch auch konkretisierte: „Schäden sind eben auch verschobene Operationen, verlorene Existenzen – da gibt es eine ganze Facette an Schäden, die entstehen können.“

Hendrik Streeck konkretisierte Aussage zu Todesfällen

Nachdem die täglichen Todeszahlen deutschlandweit zuletzt stark angestiegen waren, bot das knapp zwei Monate alte Zitat jetzt offenbar viel Angriffsfläche bei Twitter. Die meisten User, die den Hashtag benutzten, warfen Streeck eine Vernachlässigung von Menschenleben und einen zu starken Fokus auf die wirtschaftlichen Folgen vor.

Schon Ende Oktober hatte Streeck sich in einem SZ-Interview um Richtigstellung bemüht und erklärt: „Es geht sicher jedem in dieser Diskussion darum, Todesfälle, schwere Verläufe und Langzeitfolgen zu verhindern.“ Langfristig müsse es das Ziel sein, „solches Leben zu ermöglichen, ohne Todesfälle zu verursachen.“

Im selben Interview sagte Streeck auch: „Ich wünsche mir, dass in die Diskussion etwas Ruhe reinkommt.“ Mit dem neuen Hashtag dürfte dieser Wunsch so schnell nicht in Erfüllung gehen.

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