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Quasi geköpft Vor 70 Jahren wurde Bonn Hauptstadt – was davon noch übrig ist

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Im Museum Koenig tagte 1949 der Parlamentarische Rat mit Präsident Konrad Adenauer an der Spitze.

Bonn – Das Zentrum der Macht liegt am Rhein! Die wohl wichtigste Entscheidung für den deutschen Wiederaufbau nach dem Krieg fällt der Parlamentarische Rat am 10. Mai 1949. Bonn wird Sitz der Bundesorgane und somit – zumindest inoffiziell – Hauptstadt. Damit beginnt eine Zeit voller spektakulärer Staatsbesuche, heißer Debatten und kurioser Geschichten. 

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12. Juni 1989: Staatsbesuch von Michail Gorbatschow und Ehefrau Raissa in Bonn. Rechts: OB Hans Daniels.

Norbert Blüm erinnert sich an Zeit der Bonner Republik

Einige Jahre dieser spannenden Zeit erlebte Norbert Blüm (83), 16 Jahre Bundesarbeitsminister, hautnah mit. „Bonn war Hauptstadt einer bescheidenen, aber selbstbewussten Republik“, so Blüm im Gespräch mit unserer Redaktion. In Bonn sei es viel bodenständiger zugegangen als heute in Berlin. „Ich trauere einem Bundestag nach, der Typen hatte. Typen wie Strauß oder Wehner. Unverwechselbare Originale und keine schmalspurige Konfektionsware“, so Blüm. Inklusive „Debatten mit hoher politischer Spannung“.

Norbert Blüm: Hochzeitsgeschenk für Enkelin Lilli aus Bundestag-Protokoll

An einer der kuriosesten Debatten war Blüm direkt beteiligt. Weil er selbst kein Rederecht bekam, bat er den SPD-Abgeordneten Gerd Andres darum, seine Botschaft zu verkünden. „Herr Präsident, meine Damen und Herren. Ich habe dem deutschen Volk eine wichtige Mitteilung zu machen: Der Arbeitsminister Blüm ist soeben Großvater geworden“, verkündete Andres.

Blüm: „Nach dem Applaus hat er mich dann niedergemacht. Typisch parlamentarisch: Unterscheiden zwischen harter Auseinandersetzung in der Sache und dem Menschlichen – das ist doch toll.“ Den dazugehörigen Auszug aus dem Bundestagsprotokoll wird Enkelin Lilli (heute 22) übrigens zur Hochzeit bekommen, verrät er.

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1997 im Bonner Bundestag: Der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm im Gespräch mit Verteidigungsminister Volker Rühe. 

Kanzler Adenauer an der Würstchenbude

Verrückt auch die Szenen, wie Bundeskanzler Adenauer, von nur zwei Leibwächtern beschützt, durch die Straßen zur Wurstbude stapfte und sich ein Mittagessen gönnte. Heute, bei Angela Merkel, undenkbar.

Oder die Anfänge der Bonner Republik, als der Parlamentarische Rat im Museum Koenig an einer Verfassung arbeitet – und die Tische zwischendurch einer Theatertruppe überlassen musste, weil diese sie als Bühne für die Proben ihres Stückes brauchte. Nah dran am Volk. Dass das heute anders ist, sieht man laut Blüm der Art der Sprache. „Die Sprache des Berliner Parlaments ist terminologisch hochgezüchtet, aber nicht die Sprache des Volkes – das ist eine Hochstaplersprache, Wichtigtuersprache“, wettert er.

Das Ende der Hauptstadt: Bonn wurde quasi geköpft

Ein weiterer Gag der Bonner Regierungsjahre: Längst als wichtigste Stadt Deutschlands etabliert, erkennt Willy Brandt Bonn 1973 endlich auch offiziell als Bundeshauptstadt an.

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Die EXPRESS-Titelseite vom 21. Juni 1991: Am Abend zuvor hatte der Bundestag entschieden, dass Berlin zukünftig Regierungssitz sein soll.

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Bonn als Zentrum der Macht – bis der Bundestag 1999 nach Berlin umzieht. Bonn wird quasi geköpft, muss das „Haupt“ abgeben, darf sich aber immerhin noch Bundesstadt (ohne Haupt) nennen. 

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