Bonn hat gewählt Was passiert jetzt mit den ganzen Wahlplakaten?

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Nach der Wahl bleibt ein Haufen Wahlplakate übrig. Eine Bonner Firma gewinnt aus dem Müll einen wertvollen Kunststoff Polypropylen (PP).

Bonn – Bonn hat gewählt und der Haufen Plakate, der die letzten Wochen das Stadtbild prägte, hat ausgedient. Aber was passiert mit den Überbleibseln des Wahlkampfs? Papiermüll oder gelbe Tonne?

Die Firma „ASCON“ in Friesdorf sieht in dem Müllberg nach jeder Wahl eine Chance: Seit der Bundestagswahl 2017 recycelt das Unternehmen kostenlos Wahlplakate aus Kunststoff.

Wie entstand die Idee der Bonner Recycling-Firma?

„Wir haben gesehen, wie viele Plakate an den Masten hängen, und gedacht: Das wird danach alles verbrannt? Ist das sinnvoll?“, erklärt Geschäftsführer Sascha Schuh.

Er war bereits seit 2000 mit seiner Friesdorfer Firma in der Verwertung von Kunststoffen aktiv und nahm vor drei Jahren dann die Wahlplakate mit in sein Programm auf.

Bonner Firma recycelt Kunststoffplakate

Nach der Kommunalwahl in NRW rührt Schuh die Werbetrommel bei Parteizentralen und Wahlkampfbüros für sein Recycling-Angebot.

„8000 bis 9000 Plakate sammeln wir jetzt Anfang Oktober ein“, erzählt er. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Schuh hofft, dass sich sein Service rumspricht.

Sein Fazit nach den NRW-Kommunalwahlen: Die Grünen haben gar keine Kunststoffplakate, die Linken nehmen sein Angebot schon wahr, CDU und SPD haben sich nicht zurückgemeldet.

Wie recycelt die Bonner Firma die Wahlplakate?

Ab einer Menge von 70 Stück holt „ASCON“ die eingesammelten sogenannten Hohlkammerplakate bundesweit ab und bringt sie zu dem Werk in Sachsen.

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Kein Kandidat mehr zu erkennen: Eine Maschine mahlt die Kunststoffplakate auf, um das PP zu gewinnen.

„Hier wird das Material aufgemahlen“, sagt Schuh. Danach ist von lächelnden Kandidaten und Wahlslogans nichts mehr übrig.

Stattdessen gewinnt die Firma den Kunststoff Polypropylen (PP), aus dem zum Beispiel Joghurt-Deckel hergestellt werden.

Die PP-Pellets verkauft Ascon an andere Firmen, die daraus Gartenmöbel oder Pflanzen-Töpfe machen. Den Parteien nimmt Schuh die Plakate kostenlos ab, das Geschäft mit der Wiederverwertung zahlt sich aus.

Was machen die Bonner Parteien mit ihrem Müll nach der Wahl?

EXPRESS hat sich bei einigen Bonner Parteien umgehört. Die nutzen Schuhs Recycling-Anlage noch nicht. „Alle Plakate von uns können einfach übers Altpapier entsorgt werden“, sagt Florian Bräuer von der FDP.

Auch die SPD verwendete im Wahlkampf vor allem Plakate aus Papier. Eine kleine Auflage von Plastikplakaten werde über Bonnorange entsorgt, sagt Leon Schwarze. Die Linken verwendeten ebenfalls Papp-Plakate, sagt Holger Schmidt.

Bonnorange recycelt Wahlplakate nicht selbst

„Unsere Plakate sind aus Kunststoff und werden von Bonnorange recycelt“, weiß Stephan Masseling, Kreisgeschäftsführer der CDU.

Was aus den Kunststoffplakaten wird, kann Bonnorange-Pressesprecher Jérôme Lefèvre nicht sagen: „Wir liefern die an die Firma Remondis, die verwertet die dann.“

Wie es aussieht, hat die Bonner Recycling-Firma von Sascha Schuh große Konkurrenz.

Große Konkurrenz: Remondis recycelt PP-Plakate in Troisdorf

Remondis ist das größte deutsche Dienstleistungsunternehmen im Bereich Recycling und Wasserwirtschaft. Der Entsorger mit Hauptsitz in Lünen hat einen Standort in Troisdorf. Dort landen die PP-Plakate aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, sagt Anna Ephan, Remondis-Pressereferentin.

„Die Plakate werden zerkleinert und Störstoffe aussortiert. Danach wird der Rohstoff PP weiterverkauft“, erklärt Ephan.

Geschäft mit den Wahlplakaten: Lohnt sich's für die Bonner Parteien? 

Kay Mähler von den Grünen wird nach der Stichwahl die zahlreichen Papp-Plakate seiner Partei mit ein paar Helfern und einem Lastenfahrrad einsammeln und zum Wertstoffhof in Godesberg oder in die Zentrale von Bonnorange bringen.

Lohnt sich der Aufwand? Ja, sagt Mähler, die Wahlplakate seien noch wichtig für die Sichtbarkeit. (lmc)

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