Zum Mokka gab's Koks Bande sahnte mit Drogencafé in Sankt Augustin ab

Razzia Siegburg

Pistolen, Drogen, Dealgeld: Die Polizei konnte bei ihrer Razzia am 31. Januar umfangreiches Beweismaterial sichern. 

Bonn/Rhein-Sieg-Kreis – Die Tarnung schien perfekt: In einem „Caffe“ mit orientalischem Dekor gab es nicht nur Chai oder Mokka, sondern - wenn man wollte - gleich eine Portion Kokain dazu. Abgepackt in Tütchen à 0,5 oder 1 Gramm.

Sieben Monate lang florierte das Lokal im Souterrain eines Hochhauses in Sankt Augustin, bis die Polizei Wind von dem ungewöhnlichen Angebot abseits der Speisekarte bekam.

Polizei stürmte Drogencafé bei Razzia in Sankt Augustin

In der Nacht zum 31. Januar 2020 schließlich schlugen die Fahnder mit großem Aufgebot zu. Bei der Durchsuchung des Kokain-Cafés und zahlreichen Wohnungen kam sogar ein  Sondereinsatzkommando (SEK) ins Spiel: Gesichert wurden nicht nur Drogen, sondern auch Dealgeld und Waffen. Fünf Personen - zwei Männer und drei Frauen - wurden an diesem Morgen festgenommen.

Razzia Siegburg1

Auch 240 Verkaufseinheiten Kokain fanden die Ermittler bei der Razzia am 31. Januar. 

Zehn Monate später muss sich das Quintett, mittlerweile von der Untersuchungshaft verschont, seit Freitag wegen bandenmäßigen Drogenhandels vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten im Alter von 35 bis 51 Jahren vor, zwischen August 2019 und Ende Januar 2020 durch den Drogenhandel im Caféhaus 720 Gramm Kokain verkauft und dabei 43 200 Euro eingenommen zu haben.

Drahtzieher heuerte Strohmann für Drogencafé in Sankt Augustin an

Drahtzieher der mutmaßlichen Drogenbande soll ein 51-jähriger Metallarbeiter aus Ostanatolien sein..

Der später in Deutschland zweifach gescheiterte Bauunternehmer - spielsüchtig und körperlich schwer angeschlagen - soll die Idee mit dem Drogencafé gehabt und systematisch aufgebaut haben. Auch hatte er wohl den Zugang zu einem anonymen Großdealer, bei dem er das Kokain einkaufte.

Für die Tarnung engagierte der 51-Jährige einenLibanesen, der das Café zum Schein betreiben sollte. Der 40-Jährige, der sich seit seiner abgebrochenen Karriere als Klima-Ingenieur in Dubai nur noch als Hilfskoch durchgeschlagen hatte, nahm die 2000 Euro für den Job gerne an.

Auch drei Frauen nach Razzia in Drogencafé in Sankt Augustin angeklagt

In der zweiten Reihe auf der Anklagebank im größten Bonner Gerichtssaal saßen zudem drei Frauen  im Alter zwischen 35 und 48 Jahren – eine von ihnen hochschwanger. Alle drei stammen aus Georgien, halten sich angeblich ohne Pässe in Deutschland auf.

In der Gruppe hatten sie laut Anklage vor allem die Aufgabe, das Kokain zu bunkern, es zu portionieren und das Drogencafé regelmäßig mit frischem Stoff zu beliefern.

Alle Fünf haben am ersten Prozesstag zu den Vorwürfen geschwiegen, nur die beiden Männer haben Einblick in ihre Lebensgeschichten gegeben. Alle Angeklagten scheinen noch zu taktieren - und zunächst auf die Einlassung des 40-Jährigen zu warten, der im Vorfeld des Prozesses ein umfangreiches Geständnis abgelegt haben soll und deswegen als Kronzeuge in dem Verfahren gilt. (ucs)

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