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„Unendlich traurig“ Bill Mockridge erinnert an große Verlierer der Corona-Regeln

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Bill Mockridge ist weiterhin regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Bei „Mord mit Ansage“ übernahm er die Regie und war als Sprecher dabei.

Bonn – Er spielt und spielt und spielt: Auch mit 73 Jahren ist Bill Mockridge weiter regelmäßig im Fernsehen und auf Deutschlands Bühnen zu sehen. Der Wahl-Bonner ist dabei genau so aktiv wie zu Beginn seiner fast 60 Jahre andauernden Karriere als Schauspieler.

Bill Mockridge: Berühmter Kanadier im EXPRESS-Interview

Seit dem 24. November 2020 ist Mockridge in neuen Folgen der ARD-Serie „Falk“ zu sehen, im kommenden Jahr folgt schon das nächste TV-Projekt, das den Kanadier vor ganz neue Herausforderungen stellt.

Im EXPRESS-Interview spricht er über die schmerzhaften Einschnitte während der Corona-Krise, väterliche Ratschläge für seine sechs Söhne und seine persönliche Entwicklung als Schauspieler.

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Herr Mockridge, woran arbeiten Sie gerade?

Ich habe heute ausnahmsweise mal einen freien Tag. Seit Anfang Dezember drehe ich beinahe täglich für eine neue Serie und habe das große Glück, dass ich von September bis Weihnachten arbeite.

Um welche Serie geht es denn genau?

Das darf ich noch nicht sagen.

Verraten Sie zumindest, ab wann sich Fans auf die Serie freuen dürfen?

Wahrscheinlich ist es Anfang September 2021 soweit.

Seit vielen Jahren ist die Bühne Ihr zweites Wohnzimmer. Wie sehr schmerzt es da, wenn Theater über Monate ihre Türen geschlossen halten müssen?

Ich finde es unendlich traurig. Ich war gestern erst im Haus der Springmaus. Dieses leere Theater ohne Menschen ist wie eine Kirche ohne Gemeinde. Das gehört sich nicht. Und ich stehe auf dem Standpunkt wie viele Künstler, die sagen: Bis jetzt hat es keinen offiziellen Infektionsfall oder Hotspot in einem Theater gegeben. Wenn wir die Regeln befolgen, die Leute Maske tragen und Abstand halten, wüsste ich nicht, warum sich die Leute anstecken sollten.

Schon im April haben Sie die Kampagne „Kultur erhalten“ unterstützt, zuletzt auch den offenen Brief vieler Künstler bei Facebook geteilt. Fühlen Sie sich gerade in dieser Branche auch acht Monate nach Ausbruch der Pandemie noch weitgehend allein gelassen?

Absolut. Das ist vielleicht alles schwer zu greifen mit freien Künstlern, die mal hier und mal da arbeiten. In einem Monat mehr, in einem Monat weniger verdienen. Aber es ist ein Teil unserer Gesellschaft und gerade die Kleinkunst ist seit Anfang der 80er-Jahre ein regelrechtes Boom-Geschäft. Wir zahlen auch Steuern und bringen in unserem Fall dem Bonner Publikum wahnsinnig viel Freude und wunderschöne Abende. Aber so hat man das Gefühl, das sei alles nicht so wichtig.

Gerade in der Kleinkunst hängen auch viele Existenzen dahinter, die nicht ewig warten können. Fehlt hierfür ein offenes Ohr?

Auf jeden Fall. Aber wir haben den Eindruck, dass dieses Problem nicht wirklich verstanden wird.

Betroffen war auch das Haus der Springmaus. War das in knapp 40 Jahren die schwerste Spielzeit?

Für mich ist es am Anfang vergleichbar gewesen mit Ereignissen wie dem 11. September. Da hat man ein paar Monate lang in der Bevölkerung gespürt, dass die Leute sehr bedrückt waren. Oder 2008, als die Wirtschaftskrise war. Aber das waren alles Sachen, die dauerten ein paar Monate, bis man merkte: Das Leben geht weiter und die Leute wollen auch etwas Ablenkung haben – von ihren Problemen oder von politischen Ereignissen. Diesmal habe ich das Gefühl: Bis die Impfung kommt, werden wir extrem leiden.

„Die Mockridges“: v. l.: Jeremy, Bill, Margie mit Mops Berta, und Liam; Reihe dahinter v. l.: Matthew , Luke und Nicky; stehend hinten Lenny

„Die Mockridges“: v. l.: Jeremy, Bill, Margie mit Mops Berta, und Liam; Reihe dahinter v. l.: Matthew , Luke und Nicky; stehend hinten Lenny

Gerade um auf andere Gedanken zu kommen, wären Theater, zumal mit guten Hygienekonzepten, doch genau das Richtige.

Genau. Aber das mit den Schließungen war leider die Lösung der großen Keule. Man könnte etwas differenzierter sein. Da fragt man sich: Ist das wirklich durchdacht und hat das eine Logik?

Wie sind Ihre Erfahrungen bei aktuellen Drehs?

Dort sind die Regeln sehr strikt gehalten. Wir Schauspieler werden zweimal wöchentlich getestet, alle tragen von morgens bis abends Masken, nehmen sie nur zum Drehen der einzelnen Szenen ab.

Gibt es Erfahrungen mit Corona-Fällen?

Unser Producer hat gesagt: ‚Ich glaube zu 100 Prozent daran, dass die Maske derzeit die Lösung ist.‘ Er war drei Tage lang mit der Crew auf engem Raum unterwegs, am Ende dieser Zeit kam heraus, dass der Regieassistent Corona hatte. Aber alle anderen wurden negativ getestet, es hat sich nicht übertragen. Deshalb appelliert er daran, die Masken zu tragen und auf die Hygieneregeln zu achten. Dann kann man davon ausgehen, dass wir gut geschützt sind.

Plädieren Sie für mehr Öffnungen unter Einhaltung der Maskenpflicht?

Wenn es so gehalten wird und die Leute sich mit den Masken gegenseitig schützen, dann könnte man die Theater auflassen. Bei Restaurants finde ich es ein bisschen schwieriger, weil man die Maske irgendwann absetzen muss. Da fehlt mir der genaue Einblick. Aber bei Theatern und vielen anderen Institutionen sage ich mir: ‚Es müsste doch weiter gehen.‘

Wie gehen Sie privat mit der aktuellen Situation um? Große Familientreffen mit Ihren sechs Söhnen sind mit den aktuellen Einschränkungen beispielsweise nicht möglich.

Wir haben alle sechs schon länger nicht zusammen gehabt, das wird erst wieder zu Weihnachten der Fall sein. Dadurch, dass ich regelmäßig getestet werde, bin ich relativ gut geschützt. Wir haben aber auch Schnelltests hier zu Hause. An Weihnachten werden die sechs Jungs dann aber auf jeden Fall hier zu Hause sein. Gemeinsam mit mir, Margie und der Oma.

Ihre Söhne sind beruflich auch alle kreativ unterwegs. Luke in diversen TV-Shows, Matthew als Autor, Jeremy als Schauspieler. Haben Sie die Zeit, das alles zu verfolgen?

Das klappt normalerweise relativ gut. Dadurch, dass ich derzeit fast täglich drehe, vielleicht nicht ganz so oft. Unter normalen Umständen geht das aber sehr gut, dann bin ich auch beispielsweise oft bei den Drehs von Lukes Shows vor Ort.

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Bill Mockridge (r.) als Erich Schiller gemeinsam mit Helga (Marie-Luise Marjan), Hans Beimer (Joachim H. Luger, l) und Benny Beimer (Christian Kahrmann, hinten) in Folge 1754 der Lindenstraße. Die Folge wurde am 1. März 2020 in der ARD ausgestrahlt.

Dass die Sechs so viel von Ihrer Arbeit mitbekommen haben, hat sicher eine entscheidende Rolle gespielt. Gab es damals väterliche Ratschläge für den späteren Berufsweg?

Ich habe allen gesagt: ‚Finde etwas, was du wirklich leidenschaftlich gerne machst – ganz egal was. Wenn du das machst, was du gerne machst, wirst du nie in deinem Leben arbeiten müssen.‘ Natürlich ist auch die Schauspielerei Arbeit, so naiv bin ich nicht. Aber es seit 60 Jahren eine Leidenschaft. Egal ob meine Söhne Schreiner, Notar, Tierarzt, Müllmann oder brotloser Künstler werden. Sie müssen es nur mit absoluter Leidenschaft machen, weil sie es lieben.

Sind Sie heute zufrieden damit, wie der Ratschlag angenommen wurde?

Absolut. Alle sechs sind mit großer Leidenschaft dabei und durch die Bank ziemlich erfolgreich in dem, was sie tun.

Anfang März hatte Ihre Frau Margie gegenüber EXPRESS berichtet, dass eine angedachte Reise nach Las Vegas zum 35. Hochzeitstag noch nicht stattfinden konnte, weil Sie noch immer so viel spielen. Um sich zur Ruhe setzen, ist es Ihnen beiden noch deutlich zu früh?

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, aufzuhören. Ich begleite die Springmäuse gerne, ich will meine Solo-Shows wieder spielen, habe mit „Hurra, wir lieben noch“ eine wunderbare Show mit meiner Frau. Es gibt viele Sachen, die ich gerne mache.

Ich kann mir vorstellen, dass es mal weniger wird, wenn ich 80 bin, weil einfach die Kraft nicht mehr in dieser Form da ist. Aber es ist ein wunderbarer Beruf und ich übe ihn sehr gerne aus. Ich will so lange spielen, bis meine Frau sagt: ‚Mach das nicht mehr, das ist nur noch peinlich.‘ Sie ist meine schärfste Kritikerin und wenn sie sagt, ich solle es lassen, dann ist es vorbei.

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In den neuen Folgen der ARD-Serie „Falk“ ist Bill Mockridge als Pfarrer zu sehen.

Lernen Sie denn immer noch dazu?

Gerade Schauspieler entwickeln im Alter eine Ausstrahlung, die man als junger Schauspieler nicht hat. Eine größere Souveränität, man kann viel mehr mit den Augen transportieren, weiß auch mehr über das Leben und kann besser einschätzen, wie man eine Rolle spielen will. Gerade aktuell bei der neuen Serie lerne ich als Schauspieler wahnsinnig dazu. Ich finde es toll, dass ich mit 73 noch sagen kann: ‚Wow, ich lerne ja richtig was.‘

Kommen Sie jetzt erst in Ihre besten Jahre als Schauspieler?

Ich weiß es nicht. Es entwickeln sich neue Interessen und man geht mit dem Flow. Erst war es die Springmaus, dann kommt etwas wie die Lindenstraße, was 25 Jahre sehr viel Spaß gemacht hat. Dann „Die Mockridges“ mit meiner Frau und den sechs Jungs, was großartig war. Zur Zeit eine wunderbare Serie wie „Falk“, wo ich einen philosophischen Pfarrer spiele.

Noch bis Ende des Jahres sind Sie in einigen Folgen der neuen Staffel „Falk“ in der ARD zu sehen. Was dürfen wir da von Ihnen als Pfarrer erwarten?

Das ist eine sehr schöne Rolle, weil der Pfarrer sich immer wieder philosophisch mit Falk auseinandersetzt. Im Moment steht die Rolle als philosophischer Gegenpart zu Falk. Und sollte da noch eine dritte Staffel kommen, könnte man noch einiges erwarten. Da würde der Pfarrer eine sehr schöne Geschichte bekommen.

Allein in den letzten zwei Jahren waren Sie in TV-Serien wie „Falk“ zu sehen, waren Regisseur bzw. Moderator bei „Mord mit Ansage“, Synchronsprecher im Film „Die Heinzels“ . Haben Sie auch wegen der vielen Abwechslung noch so viel Spaß am Beruf?

Genau. Man geht dahin, wo man gewollt ist. Wenn man merkt, dass man Spaß daran hat oder dass die Leute einen wollen, entwickelt man sich in diese Richtung. Man lehnt auch mal Dinge ab, wo man keine Lust hat oder sich nicht richtig besetzt fühlt.

Ist das für Sie ein gewisses Privileg – die Gelegenheit zu haben, bei Anfragen auch mal nein sagen zu können?

Ich glaube ja. Wobei ich bei meinem Sohn Jeremy, der noch junger Schauspieler ist, auch weiß: Er lehnt durchaus Sachen ab, die für ihn nicht passen. Er hat auch damals noch als Schüler bei der Lindenstraße aufgehört, weil er sich auf eine Schauspielschule fokussieren wollte.

Haben Sie es mal im Nachhinein bereut, eine Rolle abgelehnt zu haben?

Es war bei mir nie so, dass ich beispielsweise Rollen als Tatort-Kommissar abgelehnt habe und später dachte: ‚Ach, du Idiot.‘ Das ist mir Gott sei Dank noch nicht passiert.

Gibt es eine Aufgabe, die Ihnen besonders viel Spaß macht?

Die Serie, für die ich gerade drehe, ist wirklich eine große neue Chance für mich. Das ist eine Rolle, die für mich nicht so gewohnt ist. Das ist ein anderer Bill als bei den „Mockridges“ oder in der Lindenstraße. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß.

Macht es hier den Reiz aus, schauspielerisch noch einmal herausgefordert zu werden?

Absolut. Das ist keine typische Bill-Rolle, aber umso interessanter ist es, ob ich das hinkriege.

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