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Im Casino gezockt Bonner Tankstellenräuber (26) verzehntfacht seine Beute

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Der junge Tankstellenräuber (r.) konnte seine Beute im Casino verzehnfachen.

Siegburg – Er habe so in den Tag gelebt und sich nicht um die wichtigen Dinge des Lebens gekümmert, hatte der Angeklagte (26) reumütig zum Prozessauftakt vergangene Woche erzählt. 

Mit anderen Worten: Er hatte gerade Ausbildungsstelle und Freundin verloren, wohnte bei Mama und lebte auf ihre Kosten. Von morgens bis spät in die Nacht ballerte er sich an seiner Playstation durch virtuelle Kampfschauplätze und kiffte dabei großzügig.

Bonner Tankstellenräuber nennt Tat „Kurzschlussreaktion“

Irgendwann sei ihm – so alleine und von seinen Freunden abgehängt – die Decke auf den Kopf gefallen. Da er nicht genug Taschengeld hatte, um ausgehen zu können, sei er auf die Idee gekommen, eine Tankstelle zu überfallen. 

„Eine Kurzschlussreaktion“, nannte es der Angeklagte. Aber als das überraschend gut klappte, startete er knapp vier Monate später einen zweiten Überfall. In beiden Fällen maskiert, bewaffnet – und mit klarer Ansage: „Das ist ein Überfall. Alles Geld her!“

Bonner Landgericht: Viereinhalb Jahre für Tankstellenräuber

Das Bonner Landgericht hat den Angeklagten am Dienstag wegen schwerer räuberischer Erpressung in zwei Fällen zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Im ersten Fall, am 12. Januar 2019 in der Zeithstraße in Siegburg, hatte er mit einer ungeladenen Schusswaffe einen Kassierer (20) bedroht und ihn aufgefordert, das Kassengeld in einen mitgebrachten Beutel zu stecken.

Der junge Angestellte machte, was von ihm gefordert wurde. So verschwand der Täter mit 950 Euro Beute. Am 27. April 2019 zog der Tankstellenräuber ein zweites Mal los. Aber in einer weiteren Tanke an der Zeithstraße fielen nur 200 Euro ab.

Enttäuscht von der Beute: Tankstellenräuber zieht ins Casino weiter

Die wusste der Angeklagte jedoch auf wundersame Weise zu vermehren: Nach jedem Überfall fuhr er mit Mamas Auto zu einer Spielhalle. Während er beim ersten Mal alles verspielt hatte, erhöhte er beim zweiten Mal die kleine Beute auf 2000 Euro.

Ein Glückstag war es für ihn dennoch nicht. Denn der Räuber fiel nach dem zweiten Überfall einer Gruppe von Jugendlichen auf, weil er so merkwürdig geduckt zum Auto lief und dabei eine Tasche fest an den Körper presste.

Jugendliche bemerken Siegburger Tankstellenräuber

Vorsichtshalber merkten sie sich das Autokennzeichen, das die Ermittler zur Mutter des Angeklagten führte. Bei einer Hausdurchsuchung wurde nicht nur die Maskierung sichergestellt, sondern auch die ausgediente Pistole aus dem Zweiten Weltkrieg, die der Angeklagte angeblich von seiner Ex-Freundin geschenkt bekommen und im Staubsauger versteckt hatte.

Eingeschränkt schuldfähig sei er, trotz seiner ADHS-Erkrankung nicht, befand am Dienstag das Urteil der Dritten Großen Strafkammer. Vorsitzende Isabel Köhne: „Immerhin ist er bei den Überfällen rational und planvoll vorgegangen: Sie haben sehr professionell gewirkt.“

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Weil der Angeklagte sein träges Leben aufgeben hat und sich mittlerweile „um die wichtigen Dinge des Lebens kümmert“, unter anderem als Fahrer mit geistig und körperlich Behinderten arbeitet, wurde er bereits drei Monate nach der Festnahme haftverschont. Das ist jetzt sein Glück: Denn die Haftstrafe kann er, sobald sie rechtskräftig ist, im offenen Vollzug abarbeiten. (ucs)

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